Reisebericht Polen

Heute steht das nächste Land auf dem Plan: wir reisen nach Polen ein. Auch hier gibt es keinerlei Grenzkontrollen, alles ist ganz entspannt. Wir merken recht schnell, dass wir in einem anderen Land sind: es ist alles viel gepflegter, ordentlicher und moderner als in den baltischen Staaten. Überall wird gebaut, man sieht große Fabriken und viele mittlere und kleinere Betriebe. Auch die Landschaft hat sich geändert: plötzlich ist es richtig hügelig und der Boden scheint sehr fruchtbar zu sein. Beim ersten Einkaufen erkennen wir den nächsten Unterschied: hier gibt es (leider) noch keinen Euro, unsere Gehirnzellen müssen sich mal wieder mit Währungsrechnen herumplagen. Etwas erstaunt bin ich nach dem ersten Einkauf (bei Lidl ☺): Lebensmittel sind hier noch billiger als in den vorherigen Ländern !

Unseren ersten polnischen Stellplatz finden wir kurz vor Lötzen (polnisch: Gizycko) in Masuren. Ein bisschen merkwürdig finden wir es schon, dass auf unserer Karte die deutschen Namen der Ortschaften eingetragen sind, aber auf den Ortsschildern natürlich nur die polnische Bezeichnung steht – sehr verwirrend. Natürlich stehen wir an einem der vielen Seen, auf dem am Abend noch ganz viele Segelboote und Entenfamilien unterwegs sind. Auf einem Spaziergang am Ufer entdecken wir hier auch Spuren von fleißigen Bibern.

Weiter geht die Fahrt bei herrlichstem Herbstwetter ! Wir fahren kilometerlang durch Alleestraßen, zum Teil stehen hier die Bäume schon sehr eng. Ein Schild warnt vor Elchen – mal gespannt, ob wir noch ein polnischen Exemplar zu sehen bekommen ?

Ein nächstes Schild warnt vor Pferdefuhrwerken – und schon kommt uns auch eines entgegen – der Bauer fährt seinen Mist spazieren.

Nach einer sehr abenteuerlichen Strecke – der Weg wurde immer enger und enger, Henriette musste aufpassen, da ohne Schrammen durchzukommen – stehen wir auf einer kleinen Anhöhe mit einem atemberaubenden Blick. Die Jungs haben die ganze Wiese für sich alleine und toben ausgelassen.

Nachmittags laufen wir in das nächstgelegene Örtchen (5 Häuser !), hier entdecken wir Überreste eines sicher einmal sehr schönen Gutshofes. Das Hauptgebäude sieht aus wie ein kleines Schlösschen, die Stallgebäude sind riesig – aber leider alles verfallen. Wäre sicher spannend, die Geschichte dieses Anwesens zu kennen ?

Weiter geht unsere Route Richtung Danzig, wir sind auf der Suche nach einem netten Plätzchen zum Übernachten. Die Zufahrt zum herausgesuchten Platz ist leider gesperrt, so müssen wir noch ein paar Kilometer weiter. Die Stadt Allenstein (Olsztyn) lassen wir ohne Stop hinter uns und erreichen das Örtchen Tukta. Hier gibt es einen kleinen Badesee, an dem wir unser Fahrzeug abstellen. Um uns die Beine zu vertreten, wollen wir um den See herumlaufen. Leider finden wir keinen Weg und marschieren daher querfeldein durch den Wald. Unsere 2 Jungs finden das ganz toll, endlich gehen wir mal mit ihnen auf die Jagd :).

Von Samstag auf Sonntag wird die Zeit umgestellt, plötzlich ist schon um 17.00 Uhr dunkel – vor ein paar Tagen ging die Sonne erst um 19.00 Uhr unter. Unsere automatischen, felligen Wecker brauchen noch etwas Zeit, um sich an die geänderten Zeiten zu gewöhnen. So stehen wir seit langer Zeit mal wieder schon um 8.30 Uhr auf ??

Montags erreichen wir die Festung Marienburg – lt. Reiseführer ist das der größte Backsteinbau Europas, mit dem Bau wurde 1274 begonnen, nach Fertigstellung war die Burg das Zentrum des deutschen Ordens. Natürlich ist es auch ein UNESCO-Weltkulturerbe. Die Anlage ist beeindruckend groß und toll renoviert. Wie schon vermutet, dürfen auch hier keine Hunde mit in den Burghof, so laufen wir einfach einmal um das Gelände herum.

Am späten Nachmittag kommen wir in der Hafenstadt Danzig – bzw. Gdansk an und finden einen kostenlosen Übernachtungsplatz ganz in der Nähe der Altstadt. Gleich machen wir uns auf den Weg zum „Königsweg“, dem Herzstück von Danzig. Wir können uns gar nicht sattsehen an den vielen wunderschönen Fassaden, Giebeln, Prunkbauten, kleinen Gässchen, Kirchen, Stadttoren – dazwischen immer der Fluss Mottlau.

Das 16. und 17. Jahrhundert gelten als das „goldene Zeitalter“ von Gdansk, damals war Danzig einer der reichsten Städte Europas. In dieser Zeit entstanden viele der Prunkbauten, die nach dem Krieg wieder originalgetreu aufgebaut wurden. Neubauten fügen sich sehr harmonisch in das Stadtbild ein, sie sind im gleichen Stil gehalten wie ihre Nachbarn. Es ist wirklich eine beeindruckend schöne Stadt, damit hatten wir gar nicht gerechnet. Leider sind auch hier viele Restaurants und Geschäfte geschlossen, es gibt kaum Touristen in der Stadt, das ist schon richtig traurig.

Es ist schon dunkel, als wir zu unserer Henriette zurückkommen und wir können die Lichter-Silhoutte aus unserem Fenster bewundern.

Aufwachen in der Stadt: als erstes höre ich die Kirchenglocken, 7mal schlagen sie – da kann man sich nochmal umdrehen – kurz darauf fängt ein Müllauto in der Ferne mit seiner Arbeit an, Autos fahren bei uns vorbei, in der Ferne hupen Polizeisirenen. Langsam erwacht die Stadt und wir beschließen, nach dem Frühstück nochmals einen Stadtbummel zu machen. In einem Geschäft hatten wir gestern schon nette Töpfersachen gesehen, das suchen wir, finden es auch wieder und hier kaufen wir uns ein paar freundliche, polnische Bauarbeiter-Tonfiguren als Souvenir, die dürfen jetzt mit zu uns nach Hause.

Gerade als wir weiterfahren wollen, kommt ein Polizeiauto bei uns vorbei. Die Polizisten teilen uns mit, dass unser LKW hier eigentlich nicht parken darf. Hans-Peter ist superfreundlich, entschuldigt sich und alles ist ok. Zum Schluss meinen die beiden Beamten, dass sie eigentlich nur neugierig gewesen wären und fragten, ob sie Henriette auch mal von innen anschauen dürfen. Klar dürfen sie das – mittlerweile weiss ich ja, dass alle Männer unsere Henriette toll finden – und sowohl wir als auch die Polizisten fahren schmunzelnd weiter.

Unterwegs sehen wir einen großen Reifenhändler, kurz überlegen wir, ob wir hier die Reifen von Henriette, die nach 15.000 Kilometer jetzt Sägezahnspuren aufweisen, umwechseln sollen. Gesagt, getan, wir drehen um und fahren in den Hof. Der Besitzer kommt heraus, spricht auch noch gut deutsch und ist sofort bereit, die Vorderreifen zu drehen. Nach einer Stunde ist alles erledigt, die Rechnung beläuft sich auf – für deutsche Verhältnisse – sehr günstige 42,- Euro. Hans-Peter zahlt mit einem 50,– € Schein und alle sind zufrieden. Am Abend werden wir von einem sensationellen Sonnenuntergang auf der Weiterfahrt belohnt. Wir landen am See „Charzykowskie“ in der Nähe von Konitz. Bei unserer abendlichen Hunderunde sind wir erstaunt, was für schicke Designerhäuser hier am Seeufer stehen !

Heute ist der 28.10. – und was heißt das ? Klar, heute wird Geburtstag gefeiert !!!!!!
Frodo wird nämlich 3 Jahre alt und damit ist er jetzt richtig erwachsen. Dass das gebührend gefeiert werden muss, ist doch selbstverständlich. Also treffen wir die Vorbereitungen für die Party: Luftballons werden aufgeblasen, Kerzen angezündet und die Würstchen und Käsehäppchen drapiert. Nun schnell nach draußen und ganz schnell ein Foto machen – Frodo kann’s kaum noch abwarten, sein Festmahl zu verspeisen. Partygast Quappo bekommt natürlich auch noch ein (kleines) Häppchen davon ab.

Ich glaube, Frodo hätte gerne jeden Tag Geburtstag – er war jedenfalls sehr zufrieden mit dem Cateringservice !!

Frodo ist wirklich ein toller Hund und wir sind sehr froh, dass wir ihn haben. Wir freuen uns jedenfalls auf die nächsten 20 Geburtstage !

Danach noch ein paar Runden toben mit dem kleinen Bruder – ein perfekter Hundetag.

Abends verstecken wir unsere Henriette neben 2 großen LKW‘s am Malta-See. Das ist das große Freizeitgelände von Posen, man kann (fast) alle Sportarten machen: schwimmen, segeln, Kanu fahren, radfahren, joggen, Skilaufen, Bob fahren ………….. Wir belassen es beim Laufen und Schwimmen (Quappo natürlich) !!!
Nach dem Frühstück machen wir uns auf in die Stadt, in einer halben Stunde stehen wir mitten auf dem schönen Marktplatz. Das beeindruckendste Gebäude ist das alte Rathaus, das 1555 im Renaissancestil fertiggestellt wurde. Der große Marktplatz ist riesig – einer der größten Europas, die kleinen, bunten Gebäude ringsum sind toll renoviert und erinnern an ein Städtchen auf einer Modelleisenbahn. Zurück am Auto fahren wir die letzte Etappe Richtung Deutschland. Bei Stubice überqueren wir – ohne Grenzkontrollen – die Oder und schon sind wir in Frankfurt !!!

So, das war das letzte Land auf unserer Reise: Polen hat uns beeindruckt durch den sichtbaren Wohlstand und die aufstrebende Wirtschaft. Der Gegensatz zu Litauen war sehr deutlich erkennbar, das hatten wir so nicht erwartet.

Nach ein paar Tagen wieder zu Hause kommt es mir so vor, als wenn wir nur 3 Wochen unterwegs gewesen wären – so schnell ist wieder alles normal und die Routine hat einen wieder.
Es war eine wunderschöne Reise und eine tolle Erfahrung, so lange auf so kleinem Raum unterwegs zu sein ! Wie sagt man so schön: nach der Reise ist vor der Reise – wir freuen uns schon auf die nächste große Tour !

2 Antworten auf „Reisebericht Polen“

  1. Hallo Frodo,
    Auch von mir herzliche Glückwünsche zu Deinem Geburtstag und Euch natürlich weiterhin alles Gute auf Eurer Fahrt. Ich lese mit Begeisterung jeden Eurer Blogs und ich kann mich anderen Kommentaren nur anschließen, Ihr habt eine beneidenswerte Reise gemacht und dokumentiert.
    Alles Gute weiterhin aus Erfelden von Ecki

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