Mexiko – zum 2ten

06.09.2023: wir fahren in Nogales über die Grenze. Nach einem schnellen, unkomplizierten Grenzübergang, bekommen wir 20 Kilometer hinter der Grenze unser Touristenkarte ausgestellt: wir dürfen nun nochmals 180 Tage in diesem schönen Land bleiben !!!!

Wir kennen uns nun ja schon aus hier, steuern gezielt das kleine Städtchen Magdalena de Kino an, promenieren auf dem Kirchplatz, gönnen uns ein Eis und parken hinter dem Sportplatz. Nach einer heißen Nacht – die Temperaturen sinken nachts nur auf 26 Grad herunter – fahren wir am nächsten Tag die lange, langweilige Strecke bis an den Golf von Californien – wie schön, nach über 3 Monaten wieder am Meer ! Die Wassertemperatur hat mittlerweile Badewannencharakter, es bringt kaum Abkühlung. Hinter dem Ferienort San Carlos parken wir direkt am Wasser, natürlich stehen wir hier nicht alleine, viele Mexikaner verbringen den Tag am Strand. Zu den hohen Temperaturen kommt hier noch eine extreme Luftfeuchtigkeit hinzu, alles ist klamm und feucht, nichts trocknet mehr. Die Jungs tun sich sehr schwer mit diesem Klima, wir hoffen, dass sie sich mit der Zeit ein bisschen daran gewöhnen 🙁

2 Tage bleiben wir hier stehen, verfolgen amüsiert das bunte Strandleben: aus den anfahrenden PKW’s steigen mindestens 7-8 Personen aus, alle vollgepackt mit der obligatorischen Kühltruhe, Sonnenschirm, Plastik- und Chipstüten. Musik darf auch nicht fehlen, überall schallt einem die mexikanische Volksmusik entgegen. Die Einheimischen lieben ihre Musik über alles, ganz selten ertönt mal amerikanische Popmusik aus den Boxen. Freitagabends wird es ganz laut: 2 Meter neben uns parkt ein Pickup mit Riesen-Lautsprecher, mit 20 Personen wird Party gefeiert – bis um 23.00 Uhr dröhnen uns die Ohren, dann ist schlagartig Ruhe. Zurück bleiben ungefähr hundert Bierdosen, die achtlos auf den Boden geschmissen wurden. Nach einer kleinen Müllsammelaktion gehen wir schlafen, freuen uns über die Ruhe. Früh am Morgen kommen schon wieder die Pickups mit den Tauchausrüstungen, kurze Zeit später erscheinen auch die Taucher dazu. Na gut, es gibt viel zu sehen und wird nicht langweilig. Abends verpflegen wir uns an der Strandbar „Cocos“ – alle Gerichte werden in einer aufgeschlagenen Kokosnuss serviert, das Kokosfleisch ist Grundlage, obendrauf gibt es Camarones, Pulpa oder Sonstiges.

6 Wochen Wartezeit in Culiacan

Sonntags verlassen wir die Küste, fahren in die Berge – in der Hoffnung, dass es da etwas kühler ist. Die Hitze ist hier genauso gnadenlos, dafür entschädigt uns das Städtchen Alamos mit seiner netten Atmosphäre. Nach einem Stadtbummel und dem schweißtreibenden Aufstieg zum Mirador betrachten wir auf der Plaza de Armas das abendliche Treiben: hier umrunden Motorräder, ATVs, Reiter auf nervösen Pferden, aufgemotzte Sportwägen, Kutschen für Touristen und Busse für die Einheimischen den Platz, manche kommen alle 5 Minuten wieder vorbei – das ist sehr lustig. Wir stimmen ab: uns gefällt Alamos von allen Pueblos Magicos, die wir bisher gesehen haben, am besten.

Montag, der 11. September (ja, bei dem Datum klingelt es sofort) – ein Fahrtag steht an: über 400 Kilometer fahren wir nach Culiacan auf den altbewährten Walmart-Parkplatz. Abends bekommen wir spontan Besuch von unseren mexikanischen Freunden Joel und Griselda, sie wollen alles wissen, was wir in den letzten Wochen erlebt haben. Es wird ein sehr netter Abend, gleich sind wir eingeladen auf ihren „Landsitz“.

Dienstag – Samstag: Henriette verbringt die Tage in der Werkstatt, bekommt eine neue Lichtmaschine, einen neuen Anlasser und ein neues Relais, Löcher, aus denen Druckluft weicht, werden gestopft und beim Schlosser wird eine neue Kiste für die Batterien angefertigt. In Phönix haben wir neue Batterien gebraucht, die sind größer als die alten, daher passte nichts mehr. Hans-Peter hilft den Mechaniker mit Rat, Tat, Werkzeug und Kleinteilen wie Schrauben, da es in den Werkstätten kaum Material gibt. Wegen jeder einzelnen Schraube fährt man zur nächsten Ferreteria, das scheint hier normal zu sein.

Derweil verbringe ich meine Zeit mit den Jungs in den ziemlich trostlosen Parks, hitzebedingt gibt es kaum Wasser im Flüsschen, alles ist trocken und verstaubt. Die Jungs können nach 11 Uhr kaum mehr laufen, der Asphalt wird zu heiß. An einem Vormittag finden wir nach langer Suche einen Tierarzt, die Jungs bekommen ihre jährliche Impfung, das ging kurz- und schmerzlos. Mit Mühe finden wir ab und zu einen Oxxo, hier gibt es dann eine Flasche eiskaltes Wasser für die Felltiere, das kühlt schön von innen. Abends übernachten wir auf dem Walmart-Parkplatz, später dann auf dem Parkplatz des botanischen Gartens. Samstag komme ich mir vor, als ob ich schon seit Wochen auf der Strasse leben würde: dreckig, verschwitzt und stinkig, Als mir Nachmittags auf einer Parkbank dann noch ein Besoffener versucht, die Handtasche mit aller Gewalt wegzuziehen, bin ich total geschockt und entsetzt. Glücklicherweise kamen andere Mexikaner zu Hilfe, die den Kerl dann zusammengeschlagen haben – kein schönes Erlebnis, meine Laune ist endgültig im Keller.

Hans-Peter bleibt bis 17.30 Uhr in der Schlosserei, so müssen wir schweren Herzens unsere Einladung von Jorge und Griselda absagen: bei Dunkelheit wollen wir nicht mehr bis Los Souces fahren – schade! Kurzerhand beschließen wir, uns für 2 Tage ein Zimmer im Hotel zu mieten – eine hervorragende Idee. Das Tres Rios liegt ein paar Meter neben dem Walmart, hat einen großen Parkplatz, einen Swimmingpool und klimatisierte Räume. Nach einer Stunde duschen und 12 Stunden schlafen in einem frischen Bett und kühlem Raum fühlen wir uns wie neugeboren. Auch die Jungs schlafen 24 Stunden total ruhig und entspannt – was eine Wohltat.

18.09.2023: ein rabenschwarzer Montag: Hans-Peter hat morgens einen weiteren Termin in der Werkstatt wegen des Entweichens der Druckluft. Tatsächlich kann der Übeltäter überführt werden: ein kleines Teil, das die Zufuhr zu den Bremsen steuert. Es ist kaputt und muss ersetzt werden – eigentlich nicht so dramatisch, aber das Ersatzteil ist (wer hätte es gedacht) nicht vorrätig und muss bestellt werden – sollte in 2 Wochen ankommen :(. Unsere Laune rattert in den Keller, das müssen wir erst einmal sacken lassen. Na ja, man kann mit dem Auto noch fahren, nach einer kurzen Besprechung ist klar, wir müssen raus aus der Stadt. Ein paar Vorräte eingekauft, schon schnurrt der Motor und schnurstracks geht es Richtung Berge. Nach 300 Kilometer erreichen wir die alten MEX 40, eine unserer Lieblingsstrecken hier. Hier atmen wir erst einmal durch: die Temperatur beträgt gerade noch 18 Grad – perfekt für einen entspannten Schlaf. Weiter geht es zum Parque Natural Mexiquillo, hier hatten wir an Ostern eine Nacht verbracht. Es ist gar nichts los, wir haben den ganzen, tollen Park für uns alleine. Im Wasserfall fließt Wasser, alles sieht ganz verändert aus. Nachts schüttet es kräftig, es lässt sich nicht leugnen, es ist Regenzeit in Mexiko.

Nach einer kühlen Nacht wecken uns Sonnenstrahlen und ein wolkenloser Himmel – das schreit geradezu nach einem ausgedehnten Morgenspaziergang. Mittags bekommen wir netten Besuch: Max aus Berlin, der alleine auf seinem Motorrad die Panamericana fährt, schaut bei uns vorbei. Bei einem Kaffee kommen wir ins erzählen, ein plötzlicher Regentusch unterbricht uns, macht nichts – unser Gespräch setzen wir gemütlich im Auto fort. Bevor es dunkel wird, muss Max sein Hotel in Durango erreichen, so verabschieden wir uns von dem netten jungen Mann. Henriette steht mittlerweile inmitten von riesigen Pfützen, dafür ist sie wieder (fast) sauber.

Die Sonne erfreut uns auch am nächsten Morgen, perfekt für eine kleine Runde durch die tolle Landschaft. Die Fahrt geht weiter auf der alten MEX40 bis nach Durango, dort angekommen gestaltet sich die Stellplatzsuche schwierig: auf den anvisierten Platz kommen wir nicht, eine niedrige Brücke versperrt den Weg, drumherum fahren können wir nicht. Der Parkplatz am Walmart sagt uns auch nicht zu, mitten an der Hauptstrasse und alles eng ?? Schnell ist die Entscheidung gefällt: wir fahren zum Balneario San Juan, hier standen wir an Ostern schon, ein netter Platz. Enrique, der Besitzer, kommt gleich auf uns zu, er freut sich, dass wir wiederkommen. Wie letztes Mal sind wir die einzigen Camper, ab 18.00 Uhr, wenn die letzen Tagesgäste das Schwimmbad verlassen, haben wir alle Pools für uns. Genial, so plantschen wir bei Mondschein im Hotpool !! Die Temperaturen sind perfekt, 30 Grad tagsüber, nachts kühlt es auf 15 Grad ab, da lässt es sich gut aushalten.

Den Wäscheservice nehmen wir auch in Anspruch, abends die Wäsche abgegeben, am nächsten Tag, sauber, trocken und gefaltet zurück !! Hans-Peter beschäftigt sich mit unseren Stauboxen, die nach dem Regen das Wasser sammeln und scheinbar langsam auseinander fallen ??? Nach mehrmaligem Umräumen werden dort jetzt leichtere Utensilien verstaut, zur Sicherheit verschraubt mein Mann die Kiste mit massiven Eisenwinkeln. Es ist schon gut, wenn man genug Werkzeug und Ersatzteile an Bord hat !!

Einen Ausflug ins hübsche Städtchen Durango unternehmen wir natürlich auch, die kleinen Strässchen mit den vielen, tiefhängenden Kabeln darüber lassen den Schweiß aus allen Poren sprudeln. Später genießen wir wieder den Hotpool und beschließen, nochmals 3 Tage zu verlängern.

Die nächsten 2 Tage verbringen wir mit nächtlichem Baden in den Hotpools (wir haben ein weiteres Becken entdeckt, in dem das Wasser noch heisser ist :)), sonnen, faulenzen, lesen und ein bisschen spazieren gehen.

Porentief sauber verlassen wir Dienstags, den 26.09.2023, diesen netten Platz und fahren 30 Kilometer in südliche Richtung. Lt. unserer Recherchen gibt es hier einen kleinen Wasserfall, die Cascada El Satito ?? Tatsächlich kommen wir zu einem riesigem, komplett leeren Parkplatz mit einer kleinen Kasse davor, zahlen umgerechnet 80 Cent Eintritt und können die Wasserfälle ganz alleine bewundern. Es ist wirklich ein sehr hübsches Plätzchen, mit riesengroßen Mangrovenbäumen am Ufer entlang. Nur der in Unmengen herumliegende Müll trübt das schöne Bild – manchmal kann man es wirklich nicht verstehen. Man findet so schöne Plätze – aber überall liegen unfassbar viele Plastikflaschen, Bierdosen, Chipstüten und Klopapierfetzen ?? Stört das denn die Mexikaner überhaupt nicht ???

Den nächsten Stop legen wir in Nombre de Dios ein, ebenfalls Pueblo Mágico, die – teilweise in Ruinen liegenden – Missionskirchen gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe. Uns enttäuscht der kleine Ort ein wenig, alles ist ausgestorben, verlottert und wenig gepflegt. Nach einem Rundgang zu den 3 Kirchen, über die Plaza de Armas und durch ein paar Seitengässchen suchen wir uns einen Stellplatz ein bisschen außerhalb.

An einem Bachufer findet sich eine gute Möglichkeit, außer dem über 10 Stunden dauerkläffenden Nachbarshund ist es hier total ruhig. Von unserem Ersatzteil gibt es noch keine Info, so bleiben wir einfach eine weitere Nacht hier.

Die Vorräte gehen zur Neige, so fahren wir zurück nach Durango und steuern den Walmart an. Alle Einkäufe an Bord, weiter geht es in den Norden der Stadt. Hier gibt es laut Google einen kleinen Vulkan, den Volcán el Jagüey. Die Umgebung entpuppt sich als sehr schön, der Vulkan dagegen nur als kleiner grüner Hügel. Es gibt weder ein Hinweisschild noch eine Parkmöglichkeit, 5 Kilometer weiter biegen wir einfach in den nächsten Feldweg im Nirgendwo ab.

Außer ein paar herumsummenden, nervigen Fliegen ist hier rein gar nichts zu hören, auch die Temperaturen sind perfekt, abends müssen wir tatsächlich eine lange Hose und Jacke anziehen um nicht zu frieren.

Beim Spaziergang am morgen entdecken wir so viele schöne Blümchen, zum Teil auch Pflanzen, die bei uns zu Hause als Balkonblumen verkauft werden – alles wächst hier wild und zügellos !! Auch finden wir viele verlassenen Gebäude, Mauern und Stollen – was wurde hier wohl abgebaut – wir haben keine Ahnung ??

Samstag, der 30.09.2023: es gibt neue Nachrichten aus der Heimat: nun sind wir unverhofft und überraschenderweise zum 4. mal Oma und Opa geworden: Ida, ein süsses, kleines Ridgebackmädchen ist bei Franzi und Hannes eingezogen !! Herzlich willkommen kleine Ida !! Meine Mama hätte sich sicher gefreut, dass ihr Name in der Familie weitergeführt wird 🙂

Den Vulkan wollen wir uns nun doch auch noch anschauen – das gestaltet sich schwieriger als gedacht: es gibt nirgends ein Hinweisschild, viele grüne Hügel sehen aus wie Vulkane und überall finden sich nur Feldwege. Na denn, beim dritten Versuch finden wir eine Piste, die zu einem Hinweisschild führt – und siehe da, es ist unser anvisierter Volcán el Jagüey. Unter erschwerten Bedingen – die berüchtigten Goat Hats pieksen in Sekunden durch die Socken – laufen wir zum Kratersee, natürlich muss Quappo gleich in der grünen Brühe baden, irgendwie riecht er hinterher ein bisschen streng !! Am Kraterrand steht Henriette perfekt, so stimmen wir ab und beschließen einstimmig, ohne Enthaltungen, den Samstagabend hier zu verbringen.

Ein paar Einheimische sind neugierig und kommen uns besuchen. Mit unseren paar Duolingu-Spanisch-Brocken verständigen wir uns mehr schlecht als recht, trinken eine Dose Tecate zusammen und alle sind zufrieden – so einfach geht Völkerverständigung. Am Nachmittag ziehen plötzlich dunkle Wolken auf, der Wind entfacht sich zu einem heftigen Sturm, in der Ferne blitzt und donnert es. Lange bleiben wir verschont, doch dann schüttet es auch auf uns herab, die ganze Nacht hören wir das Stakkato der Regentropfen.

Am nächsten Morgen sehen die Felder wie verwandelt aus: alles ist grüner, die Bohnenpflanzen stehen wie die Soldaten in den Reihen – beeindruckend, was so ein Regen hier bewirkt. Vorbei an den frisch gewaschenen Feldern steuern wir die ehemalige Ranch von John Wayne an: tatsächlich hat der Hollywood-Star hier Ende der 60er Jahre eine 1.500 Hektar große Ranch namens „La Joya“ gekauft. Gedreht wurden unzählige Filme, wie „Zwei glorreiche Banditen“, „Banditas“, „Big Jake“, „Chisum“ und „The Train Robbers“. Nach seinem Tod ging die Ranch wieder an die mexikanische Familie zurück. Der heutige Besitzer, Armando, lebt und wurschtelt mit seiner Familie hier und bietet Stellplätze an.

Unsere Henriette stellen wir auf der hintersten Ecke beim beeindruckenden Canyon ab, erklettern den Weg zum Wasserfall „Cascadas Tinajas“. Leider kommt kein einziger Tropfen den Berg herunter, es ist wohl zu trocken momentan. Die Umgebung ist wunderschön, wenn man genauer hinsieht, entdeckt man auch die Indianer, die hinter jedem Busch lauern :). Abends schauen wir uns im Bewusstsein dieses historischen Platzes den Western „Zwei glorreiche Banditen“ an – keine Ahnung, wann wir das letzte Mal einen Western gesehen aber, aber es war lustig !!!

03.10.2023, Feiertag in Deutschland – wir machen uns auf den Weg zum Filmgelände: Armando freut sich, uns zu sehen, in Ruhe und ganz alleine schauen wir uns die Westernstadt genauer an. Hans-Peter bleibt ein bisschen zu lange im Saloon, irgendetwas hat er ausgefressen (?), er landet leider am Galgen – traurig !!!

Leider gehen unser Vorräte schon wieder zur Neige, so müssen wir zurück in die Stadt, um ein paar Vorräte einzukaufen und Wasser zu tanken.

Nach dem Einkauf entscheiden wir, erneut zu Eduardo zu den Hot Pools zu fahren. Mittlerweile kennen wir uns ja gut aus hier, quasi wie zu Hause. Tatsächlich steht noch ein weiterer Camper auf dem Platz – ein riesiger Bus von einer total unfreundlichen, französischen Familie mit 3 Kindern, 2 Hunden und 2 Katzen. Sie grüßen nicht, schauen sofort weg – ein sehr ungewöhnliches, unangenehmes Verhalten. Na ja, wir lassen sie einfach in Ruhe und ignorieren sie auch. Einzig Quappo ist sehr interessiert an der Katze, die immer mal wieder unter dem Bus liegt 🙂

Von unserem Ersatzteil gibt es noch immer keine Info, dafür meldet sich aber mein Backenzahn !! Die Füllung hatte ich auf dem Flug von Frankfurt nach San Franzisko verloren, diese Tatsache habe ich in den letzten Wochen erfolgreich verdrängt. Nun meldet sich der Zahn mit deutlichen Zeichen zurück, ein dumpfer Schmerz pocht ?? Nach einer unruhigen Nacht frage ich bei Eduardo nach, ob er einen Zahnarzt in Durango kennt. Und ja, eine Stunde später kommt er mit der guten Nachricht, dass sein Cousin seinen Sohn heute Mittag zum Zahnarzt bringen muss, da ein Draht von der Spange abgerissen ist. Eric, der Zahnarzt ist der Freund ihres Onkels und sie können ihn mir empfehlen!! So fahre ich also kurze Zeit später mit den beiden in die Stadt, bin sehr gespannt, was mich erwartet. Die Praxis ist von außen nicht als solche erkennbar, im Behandlungsraum steht immerhin ein Zahnarztstuhl (was mich schon einmal beruhigt), eine große Couch und ein riesiger Fernseher. Mein Fahrer macht es sich mit einem Handyspiel auf dem Sofa bequem, Eric schaut sich mein Zahn-Desaster genau an und der Sohn dolmetscht alles. Es erklärt mir, dass Eric die Füllung erneuern kann, er aber meint, es wäre besser, den Zahn gleich zu überkronen. Gesagt, getan, ganz schnell entscheide ich mich für die Lösung mit der Krone. Der Zahn wird betäubt, abgeschliffen, ein Abdruck wird genommen – schon bin ich fertig. Ein Kollege hat zugesichert, dass er bis morgen die neue Krone anfertigt (es ist Freitagmittag) und sie morgen eingesetzt werden kann – was ein Service.

Also, am nächsten Tag fahren wir wieder in die Praxis, die neue Krone liegt bereit und eine halbe Stunde später sitzt sie perfekt, gekostet hat die ganze Sache 200,– € !! Sehr zufrieden und erleichtert bedanke ich mich bei Eric, wir schießen noch ein Foto und ich hoffe, dass ich vorerst nicht mehr wiederkommen muss.

Zahnarzt Dr. Eric Reyna

Kann es eigentlich noch schlechter kommen ??? Ja, es kann: seit 3 Tagen nieselt es den ganzen Tag, eine graue Wolkendecke hängt über uns. Eigentlich nicht so dramatisch, aber wir produzieren keinen Strom mehr – irgendwann haben wir gar keine Power mehr. D.h. wir können nicht kochen, kein Licht, kein Laden von Handy – nichts geht mehr. Unsere Laune geht langsam unter den Gefrierpunkt. Ach ja, wie kann es anders sein: die Börse ist diese Woche auch abgek…….. ??

Einzig das Baden im wirklich heissen Hotpool hebt die Stimmung 2mal am Tag. Und wir haben ein bisschen Glück: im Balneario gibt es ein kleines Restaurant, so müssen wir erst mal nicht verhungern !!

Montag, 09.10. verabschieden wir uns endgültig vom Balneario in der Hoffnung, dass unser Ersatzteil diese Woche ankommt. So fahren wir bei Regen die wunderschöne MEX 40 zurück Richtung Mazatlan, finden einen netten Platz im Wald, laufen bei Nieselregen eine Runde mit den Hunden. Trotz Fahren haben wir immer noch keinen Strom, das Laden durch die Lichtmaschine funktioniert wohl auch nicht. An der Küste soll die Sonne etwas scheinen, so fahren wir am nächsten Tag weiter bis an den Strand von Mazatlan. Immerhin sind die Temperaturen wieder bei 30 Grad, ein langer Strandspaziergang beruhigt unser Nervenkostüm. Abends erhalten wir die nächste schlechte Nachricht: das Ersatzteil soll erst die Woche drauf kommen, sie hätten sich leider vertan – wie bitte ?????

Mittlerweile ist uns alles egal, wir versuchen, irgendwie den Strand, das Meer und die Palmen zu genießen. Langsam reift die Idee, dass wir unsere Reise einfach abbrechen, das Auto nach Deutschland verschiffen, alles reparieren lassen und ein halbes Jahr später wieder auf Tour gehen ?? Macht das Sinn – wir wissen es gerade wirklich nicht ???

Nach einem grauen Strandtag scheint am Freitag, dem 13.11. die Sonne den ganzen Tag: unsere Batterien werden aufgeladen und zumindest das Stromproblem ist vorerst gelöst. Ansonsten heißt es: warten …….warten ………warten ……. !!!!!

Eigentlich müssten wir zum einkaufen, wir haben aber keine Lust, unseren Platz zu verlassen. So werden die Notreserven aufgebraucht, das reicht doch noch für den nächsten Tag. Wir vertreiben uns die Zeit mit sonnen, schwimmen, spazierengehen und – ach ja mit warten 🙂

Es hilft nichts mehr, heute müssen wir ein paar Sachen einkaufen. Im nächsten Örtchen, Isla de Piedra, findet sich ein Abarrotes-Lädchen und ein Oxxo – perfekt, so können wir die nächsten Tag hier die Wartezeit verbringen.

Am Strand ist heute extrem viel los, jede Menge ATV’s, Quads und sonstige Spassfahrzeuge messen sich in kleinen Rennen, in der Ferne sieht man eine große Reitergruppe, die auf uns zukommt. Der Spaziergang entpuppt sich als Spießrutenlauf, gerne gehen wir zum Auto zurück. Aber irgendetwas ist komisch ?? Henriette hupt und leuchtet ??? Haben wir etwas verpasst ?? Nach einem kleinen Sprint kommen wir an, Hans-Peter hat alles weggeräumt und den Motor warm laufen lassen. Er hatte zwischenzeitlich Besuch von einem wütenden Einheimischen, der meinte, das wäre alles privat, wir dürften hier keine Sekunde mehr länger stehen, die Polizei sei schon informiert ?? Oh je, darauf haben wir nun tatsächlich gar keine Lust, so schnell wie möglich verlassen wir diesen Platz. Dummerweise ist die Sonne gerade untergegangen, wo sollen wir jetzt eine Übernachtungsmöglichkeit finden ?? Wir entscheiden, nach Mazatlan auf den Walmart-Parkplatz zu fahren, da sind normalerweise keine wütenden Grundstücksbesitzer. Die Strecke bis dahin beträgt rund 30 Kilometer, das sollte zu schaffen sein. Sollte – tatsächlich entwickelt sich die Strecke zur Geisterbahn. Auf der Autobahn fahren Motorräder, LKW’s und sonstige Vehikel ohne Licht, eine heftige Vollbremsung rettet uns davor, auf einen unbeleuchteten Bagger, der mit 30 km/h herumtuckert aufzufahren. Im Innenraum hat es gehörig gescheppert, im Moment ist uns das egal, Hauptsache jetzt nicht noch einen Unfall !! Ziemlich schweißgebadet (das war nicht nur der Hitze geschuldet) erreichen wir den Walmart, schauen uns um, was im Innenraum so gepoltert hat: unsere Starlink-Antenne ist vom Bett auf den Boden geplumpst, glücklicherweise wurden die Felltiere nicht von ihr erschlagen.

Na ja, alles noch einmal gut gegangen, die Antenne hat zwar einen kleinen Sprung abbekommen, funktioniert aber noch.

Sonntag, 15.10. wir nutzen die Chance und stocken die Vorräte komplett auf. Für einen Bummel durch Mazatlan ist es schon wieder viel zu heiß, so machen wir uns auf den Weg zum nächsten Strandplatz in der Nähe von Barras de Piaxtla.

Hier findet sich ein gemütliches Eckchen, auf jeden Fall stehen wir nicht auf Privatgelände. Ab und zu kommt ein Fahrzeug vorbei, meist bleiben sie kurz stehen, schauen aufs Meer, schmeißen ein paar Bierdosen aus dem Auto und fahren weiter. Abends lassen uns die Moskitos keine Chance, wir ziehen uns ins Innere zurück. Ein Knall schreckt uns auf – was war das denn jetzt ?? Draußen fährt ein Auto mit betrunkenen, gröhlenden Mexikanern ganz nah an uns heran – haben sie geschossen ?? Wir haben keine Ahnung, was das soll, ein paar Minuten später hören wir das Fahrzeug wegfahren. Unten am Strand parken mittlerweile weitere Autos, Leute gehen mit Taschenlampen am stockdunklen Strand entlang – alles sehr merkwürdig ??

Irgendwann kehrt Ruhe ein und die Augen fallen uns zu. Am nächsten Tag sieht alles ganz friedlich aus, wir mutmaßen, dass die Nachtschwärmer gestern eventuell Schildkröten gesucht haben ?? Wir finden zerbrochene Eier ??

Ansonsten ein (fast) unspektakulärer, ruhiger Tag. Wie gesagt fast: mittags will ich eine Runde im Meer baden, lege mich nur kurz auf den Rücken, um ein bisschen zu schaukeln – da ist das Ufer plötzlich ganz schön weit weg. Panisch versuche ich zurückzuschwimmen, doch die nächste Welle zieht mich immer wieder aufs Meer hinaus. Oh Gott, was mach ich nur ?? Meinen Schrei scheint niemand zu hören, so reisse ich mich zusammen, überlege, was zu tun ist. An der einen Seite gibt es ein Steinufer, dahin versuche ich mich zu retten. Tatsächlich spüre ich nach einer gefühlten Ewigkeit einen Felsen unter meinen Füßen, klammere mich daran fest. So arbeite ich mich ganz langsam aus diesem Wellenungetüm heraus, habe zwar ein paar Schrammen an den Beinen, bin aber glücklich, wieder Boden unter den Füßen zu haben. Die Strömung ist hier wirklich sehr extrem und tückisch, vom Strand aus erkennt man das nicht.

Tiefpunkt und nochmals Tiefpunkt

Von unserem Ersatzteil gibt es weiterhin keine Nachricht………

Zur Entspannung laufen wir später zu dem hübschen Arcor de Ventana und dem kleinen Mirador – eigentlich eine nette Umgebung hier !!

Den Dienstag und Mittwoch verbringen wir ohne Nachricht von unserem Ersatzteil – langsam stellen wir uns darauf ein, das nächste Wochenende auch hier zu verbringen 🙁

Es ist echt sooooooooo ätzend, ein ziemlicher Tiefpunkt der Reise !!

Was hatte ich gesagt ?? Tiefpunkt ?? Nein, das war noch nicht der Tiefpunkt, es geht tatsächlich noch tiefer :): bis Freitag haben wir keine Nachricht von unserem Ersatzteil, dafür kommen ein paar Einheimische zu uns, die uns vor dem Hurrikan „Norma“ warnen. Wir sollten wegfahren, so direkt am Strand könnte es gefährlich werden. Es ist schon 16.30 Uhr, weit fahren können wir nicht mehr. Also entscheiden wir uns, auf einen kleinen Hügel zum Mirador zu fahren, da gab es Möglichkeiten zum Stehen. Henriette findet eine flache Stelle, der Boden scheint fest, also alles gut ??

Nachts fängt es an zu regnen – regnen ist untertrieben: es fühlt sich an, als ob wir direkt unter einem Hochdruck-Duschkopf geparkt hätten. Der Blick am Morgen aus dem Fenster bestätigt unsere schlimmsten Befürchtungen: wir stehen mitten in einem See ?? Kurz lassen wir die Jungs zum Pinkeln raus, alles ist in Sekundenschnelle nass und dreckig.

Also, nichts wie weg und zurück in die Zivilisation. Unsere nächsten Befürchtungen bewahrheiten sich leider auch: Henriette kommt nicht aus dem Dreck heraus, sie ist im Matsch eingesunken. Die nächsten 4 Stunden sind wir beschäftigt: Räder freischaufeln, Matten unterlegen, Schneeketten rausholen – das ganze Programm. Ein heftiger Workout für meinen Mann, der Schlamm ist unfassbar zäh und lehmig, die Schaufel wiegt nach einer Minute das dreifache, die Matten und Schneeketten ebenso – der Lehm ist wirklich sehr anhänglich. Irgendwann schafft wir es glücklicherweise mit viel Schwung heraus – wir selbst sehen mittlerweile aus wie die Dreckschweine.

Kaum erreichen wir die Autobahn, regnet es schon wieder. In Culiacan haben wir uns in weiser Voraussicht ein Hotelzimmer gebucht, nach einer halben Stunde Duschen fühlen wir uns (fast) wieder normal. Ein kurze Runde um den Block, dann erst mal schlafen.

Sonntag, der 22.10.2023 – da war doch was?? Ja klar, unser Großer wird heute schon 36, da müssen wir doch gleich mal anrufen. Jakob und Kea zu sehen, hellt unsere Laune gleich ein bisschen auf. Ansonsten regnet es ununterbrochen, niemand findet den Absperrhahn !!

Dafür eine gute Nachricht: tatsächlich ist das Ersatzteil angekommen, wir können es kaum glauben. Die schlechte Nachricht gleich hinterher: wahrscheinlich bleibt morgen (und übermorgen) die Werkstatt wegen Überflutung geschlossen – das kann doch jetzt eigentlich nur ein Witz sein – oder ???????????

War das jetzt der absolute Tiefpunkt – wir sind gespannt 🙂

Klar, bleibt die Werkstatt am Montag wegen Überflutung geschlossen – tatsächlich sind die Strassen zum Teil gesperrt, der Strom ist ausgefallen, Läden geschlossen – hier herrscht Ausnahmezustand. Ein Gutes hat der Tag: abends treffen wir uns mit Joel und Griselda zum Essen und verbringen einen total netten Abend miteinander im schicken neuen Restaurant Balbina.

Dienstag, der 24.10.2023 – es geschehen noch Wunder ! Unser Ersatzteil wird eingebaut, gegen 14.00 Uhr ist alles erledigt, Henriette darf auf die Strasse zurück. So weit wie möglich wollen wir heute noch in Richtung Süden fahren – wir schaffen es immerhin bis zum Walmart in Mazatlan. Die Mautstraße 15d ist durch den Regen der letzten Tage in einem katastrophalen Zustand, Hans-Peter ist die meiste Zeit damit beschäftigt, die Schlaglöcher zu umfahren.

Kurz vor Mazatlan dann ein komisches Geräusch – was war das ?? Auf dem Parkplatz entdeckt Hans-Peter den Verursacher des Geratters: ein Teil der Halterung der Batteriebox ist abgebrochen – scheinbar haben wir den Tiefpunkt noch immer nicht erreicht ?

Gleich nach dem Frühstück macht sich mein Mann daran, den Schaden genauer zu betrachten: so einfach ist es leider nicht, die Halterung muss angeschweisst werden ?? Diese Diagnose gibt mir endgültig den Rest und ich bin nahe am Nervenzusammenbruch, die Tränen lassen sich einfach nicht stoppen. Ein netter Einheimischer kommt vorbei, telefoniert gleich herum, um einen Schweißer ausfindig zu machen. Auch unser Freund Jorge aus Culiacan bemüht sich unermüdlich, jemanden ausfindig zu machen. Gegen Nachmittag kommt tatsächlich Hilfe angefahren: ein Schweißer aus Mazatlan schaut sich das Problem an und nimmt die kaputte Halterung mit. Morgen früh will er uns das reparierte Teil wieder bringen – d.h. also eine weitere Nacht auf dem Walmart. Ein paar verrückte junge Männer kommen auch noch bei uns vorbei, sie fragen an, ob sie morgen ein Video von uns und unserem Truck drehen dürfen ??

Also gut, tatsächlich kommen die Mechaniker am nächsten Tag recht pünktlich zu uns und mit vereinten Kräften wird die Box fest ans Fahrzeug montiert, das sollte jetzt wirklich halten. Dazwischen kommen die drei verrückten jungen Männer, drehen hektisch, aufgedreht, lustig und laut ein paar Videos von uns – sie heitern unsere Stimmung wirklich auf. Gegen mittag also der 2. Versuch, weiter in den Süden zu kommen. Dieses Mal schaffen wir etwas über 200 km, natürlich mit einem neuen Problem (wie kann es anders sein ??) – die Klimaanlage im Fahrerhaus hat den Geist aufgegeben. So eine Kleinigkeit regt uns gar nicht mehr auf, wir drehen einfach das Fenster herunter. Auf dem Parkplatz einer Pemex-Tankstelle richten wir unser Nachtlager auf, wir schlafen trotz dem Verkehrslärm sehr gut.

Tequila mit Lynn und Phil

Freitags erreichen wir des nette Städtchen Tequila und freuen uns, als wir auf dem Parkplatz einen weiteren MAN entdecken. Es sind Lynn und Phil, die beiden Engländer haben wir in Culiacan schon einmal kurz getroffen. Bei einem Bierchen lernen wir uns näher kennen und stellen schnell fest, dass die Wellenlänge stimmt. Leider unterbricht ein plötzlich auftretendes Gewitter unsere nette Runde, aber am nächsten Morgen wird das Gespräch weitergeführt.

28.10.2023 – ein weiterer Geburtstag muss gefeiert werden: unser Großer wird heute schon 6 Jahre alt – da sind ein paar leckere Würstchen fällig. Später darf Frodo im Städtchen Tequila weiterfeiern, eine perfekte Location für einen Burzeltag !! Lynn und Phil haben sich für eine Tour durch eine Destillerie angemeldet, wir fahren weiter Richtung Chapala-See. Klar, bleiben wir in Kontakt und versprechen, dass wir uns bald mal wiedersehen.

Unser eigentliches Ziel, ein Stellplatz am Seeufer, entpuppt sich als unerreichbar für uns: unser Mädchen ist dafür einfach viel zu groß !! Die Kabel und Leitungen in den Seitenstrassen hängen gefühlt alle auf 2,5 m – da kommen wir beim besten Willen nicht drunter durch. Schon auf der Hauptstrasse haben wir immer wieder Berührungen, mit angehaltenem Atem sehen wir die Kabel Im Rückspiegel wackeln. In der nächst größeren Stadt Chapala schaffen wir es mit viel Glück zum Malecon und finden hier einen richtig netten Stellplatz auf einer großen Wiese. Die Chance auf einen Samstagabend-Stadtbummel nutzen wir und freuen uns über das bunte Treiben am Seeufer. Menschenmassen drängeln sich hier entlang den unzähligen Ständen, man findet hier alles, was das Herz begehrt – ein bisschen wie in einem spanischen Küstenörtchen. Langsam stellt sich bei uns der Hunger ein und damit auch das nächste Problem: Mexikaner essen wohl alle nachmittags, abends sind die Restaurants meist schon ab 19.00 Uhr geschlossen. Ein Wirt erbarmt sich unser und schmeisst den Herd extra für uns nochmals an – wir freuen uns. Die bestellte Molcajete mit einem Mix aus Fleisch, Gemüse, Käse und Garnelen ist superlecker, für uns wirklich das beste Gericht in Mexiko.

Am nächsten Morgen herrscht wieder geschäftiges Treiben um uns: der angrenzende Sportpark ist gut besucht, ein Baseball-Turnier findet statt, daneben Tennismatchs, eifrige Läufer und Hundespaziergänger.

Sonntagmorgens im Park 🙂

Auf der Weiterfahrt erleben wir wieder ein paar Polizeikontrollen, alle sind nett und unkompliziert. Kurz vor unserem Ziel werden wir allerdings nochmals von einem Polizisten angehalten, der uns darauf aufmerksam macht, dass wir auf der falschen Spur gefahren sind. Dafür will er gleich eine Strafe von 1.000 Pesos kassieren ?? Wir haben keine Ahnung, was wir überhaupt falsch gemacht haben ?? Ein weiteres Fahrzeug hält an, klinkt sich mit ein paar englischen Brocken in die Diskussion mit ein. Der Polizist lässt sich nicht erweichen, er will auf jeden Fall Geld von uns. Nach 10 Minuten Verhandeln halten wir ihm einen 200 Pesos Schein hin, nach kurzem Zögern nimmt er ihn, steckt ihn in seine Tasche und lässt uns weiterfahren. Sicher wird der Schein heute den Abend in ein paar Cerveza umgetaucht. Wir haben jedenfalls gelernt, dass man mit der Polizei verhandeln muss – das sollten wir echt noch weiter üben.

Wiedersehen mit Charly und Denise

Kurz darauf biegen wir nach Santa Elena ab, es fühlt sich an, wie nach Hause kommen !! Wir freuen uns riesig, Denise und Charly wieder zu sehen, es gibt viel zu erzählen von den letzten Wochen. Kaum haben wir es uns gemütlich gemacht, hören wir einen weiteren LKW anfahren – wie schön, Lynn und Phil sind ebenfalls hier gelandet. Die Wiedersehensfreude ist groß, gleich werden Stühle und Tische ausgepackt und mit einem Bierchen angestossen. Abends gehen wir zusammen bei Charly lecker essen, lassen den Abend bei einem Gläschen Wein vor dem Auto ausklingen.

Hans-Peter hatte gestern entdeckt, dass der Keilriemen vom Klimakompressor gerissen ist, das muss repariert werden. Phil bietet sich an zu helfen, Lynn und ich laufen derweilen mit den Hunden bis zum Aussichtspunkt am Kreuz. Nach langer Zeit kommt auch unsere Waschmaschine mal wieder zum Einsatz, da wir genug Wasser und Sonne haben, darf sie gleich 5 mal hintereinander laufen. Das Wechseln des Keilriemens gestaltet sich doch schwieriger als gedacht, fast 6 Stunden sind die Männer ununterbrochen am Arbeiten. Aber irgendwann sitzt alles, der Motor springt wieder an und die Klimaanlage funktioniert auch wieder – ein erfolgreicher Tag. Den Abend lassen wir zusammen draußen ausklingen, allerdings übermannt uns bald die Müdigkeit, so ein Arbeitstag ist doch anstrengend.

gemeinsamer Arbeitseinsatz !

31.10.2023 – eine letzte Runde im kühlen Pool, dann wird zusammengepackt. Der Abschied von all den liebgewonnenen Menschen fällt uns schwer, es waren so schöne, entspannte Tage hier. Am späten Nachmittag erreichen wir Paracho, ein Pueblo Magico, das weltbekannt ist für seine Gitarrenbaukunst. Wir parken Henriette in weiser Voraussicht am Ortseingang, bummeln bis zum Kirchplatz, wo Hunderte von Skeletten und Catrinas herumspazieren. Die „Dias de Muertos“ werden hier in der Gegend ausgiebig gefeiert, hier bekommen wir einen ersten Vorgeschmack davon.

Dias los Muertes

Der Tag der Toten ist alles andere als eine Trauerveranstaltung für die Mexikaner. In der Nacht vom 31.10 – 01.11. kommen die Seelen der verstorbenen Kinder zurück, wohingegen in der folgenden Nacht die Seelen der Erwachsenen empfangen werden. Um Mitternacht müssen die Toten jedoch in das Jenseits zurückkehren und man wartet sehnsüchtig auf das kommende Jahr, an dem sie die Familien wieder besuchen dürfen.

Überall werden Tagetes verkauft, ein richtiges gelbes Blumenmeer, wo man nur hinschaut. Wunderschöne Altäre für die Verstorbenen (Ofrendas) werden errichtet, geschmückt mit Fotos, dem Lieblingsgetränk und Lieblingsessen und natürlich Hunderten von Kerzen. Essenstände gibt es hier selbstverständlich zuhauf, so bleibt unsere Küche heute kalt.

Die rund 70 Kilometer am nächsten Morgen führen durch viele kleine Dörfer und über Hunderte von Topeze – manchmal ist man echt genervt von diesen Dingern. Gegen Mittag erreichen wir Patzcuaro, ein kleines Städtchen am gleichnamigen See. Unser Plan war es, am Fährhafen zu stehen, allerdings stellen wir auf dem Weg dahin schnell fest, dass dies keine gute Idee ist: Hunderte von Reisebussen fahren in diese Richtung, da gibt es keinen Millimeter Platz mehr. Henriette quält sich zurück in Richtung Stadtmitte, wir stellen sie auf dem Parkplatz des Supermarktes ab, fragen beim Einkaufen nach, ob wir für die Nacht hier stehenbleiben können und bekommen von einem freundlichen Sensemann das ok dafür. Im Reiseführer hatten wir gelesen, dass die Dias de Muertes hier besonders ausgiebig gefeiert werden, aber dass tatsächlich sooooooo viele Menschen hier sind, hatten wir nicht erwartet. Am Hauptplatz herrscht ein dichtes Gedränge, es ist wie Kerb, Maimarkt und Hessentag zusammen. Überall Verkaufsstände, überall Maskierte, überall Tacos, Churros und Cervezas – alles geschmückt mit Millionen Tagetes – ein kunterbuntes, lebhaftes, fröhliches und chaotisches Treiben.

Geschafft nach so vielen Eindrücken gönnen wir uns eine kleine Pause im Auto, bevor wir uns bei Dämmerung auf den Weg zum Hafen machen. Heute wollen nämlich alle auf die kleine Insel Janitzio, um die Nacht der Toten auf dem Friedhof und der Statue von Jose Morelos zu feiern, die Boote fahren an diesem Tag im Minutentakt.

Das Gedränge hier ist wirklich nicht zu beschreiben: eine kilometerlange Menschenschlange steht an, um Tickets für die Fähre zur Insel Janitzio zu bekommen, die nächste, nicht minder lange Schlange steht dann für den Zustieg zu den Booten an – wir sind wirklich fasziniert.

Wir entscheiden, dass wir uns die Insel ein anderes Mal anschauen, essen noch eine leckere Torta und machen uns auf den Rückweg. Nach 12 Kilometern laufen und den unfassbar vielen Eindrücken fallen wir todmüde in die Federn.

Am nächsten Tag auf dem Weg nach Tzintzantzun (nein, wir sind nicht in China), halten wir kurz an dem Friedhof von Tzurumutaro an – auch hier sind alle Gräber wunderschön geschmückt, die Leute essen, trinken und schwatzen mit ihren Verstorbenen, man spürt keine Trauer, sondern vor allem eine Feier des Lebens und der Erinnerung an die geliebten Verstorbenen. Mal wieder überrascht und begeistert uns dieses Land !

Angekommen in Tzintzuntzan werden wir vor dem Ortseingang von der Polizei gestoppt, alles ist schon abgesperrt, wir haben keine Möglichkeit zu unserem Stellplatz zu kommen. Ein geschäftstüchtiger Einheimischer nutzt seine Chance und bietet uns an, auf seinem Hof zu parken. Klar, das ist ein perfekter Platz für uns, so rangieren wir Henriette zwischen den alten Schränken seiner Schreinerei ein. Nun noch kurz der geschäftliche Teil: der Besitzer will 1.000 Pesos von uns – das ist ein utopischer Preis. Na ja, schließlich einigen wir uns auf 300 Pesos, alle sind zufrieden. Fünf Minuten später schlendern wir durch das kleine Örtchen, auch hier ist alles feierlich mit der Studentenblume geschmückt, Catrinas, Skelette und Schädel finden sich in allen Variationen überall. Dazu herrscht auch hier ein buntes Markttreiben mit verschiedenem Kunsthandwerk, Kitsch, Essens- und Getränkeangeboten.

Den Yacatas de Tzintzuntzan statten wir auch gleich noch einen Besuch ab, zu sehen gibt es die Ruinen des zeremoniellen Zentrums der alten Hauptstadt der Purepecha, sieben Yacatas, regionaltypische Pyramiden mit leicht gestuften Seitenwänden.

Am Abend machen wir uns auf den Weg zum Friedhof, die Fellnasen schnarchen währenddessen fest im Auto. Bei Nacht wirkt alles sehr, sehr feierlich, ein richtiges Gänsehautfeeling. Eine Musikkapelle spielt an einem der Gräber, auch hier wird gegessen, getrunken, gelacht und getanzt – es ist einzigartig. Zum Abschluss des Tages stärken wir uns mit Tacos, probieren dazu ein Michelada (ein Biermixgetränk mit Salz, Limettensaft, Tabasosauce und Maggi – wirklich nicht unser Geschmack) und ein Mezcalita (ein Cocktail aus Limonadensaft und Mezcal, schmeckt ein bisschen besser :))

Freitag, der 03.11.2023 – es ist Ruhe eingekehrt im Örtchen, die Stände sind abgebaut, der Müll ist zusammengekehrt, alles geht seinen normalen Weg. So machen wir uns heute auf den Weg zur Insel Janitzio. Nach einer kurzen Bootsfahrt erreichen wir das kleine Eiland, steigen die unglaublich steilen 400 Treppen hinauf zum Mirador und der wirklich extrem hässlichen Statue des Freiheitskämpfers Jose Morelos. Oben angekommen erwarten uns die üblichen Taco, Churro, Micheladas und Kitsch-Stände und eine hübsche Aussicht auf den See. Doch die selbst für mexikanischen Verhältnisse schockierende Armut der Bewohner, der Dreck und Müll überall, die bettelnden Kinder erschrecken uns hier.

Abends finden wir einen tollen Platz bei den Yacatas von Ihuatzio, bis zum Einbruch der Dunkelheit bekommen wir Besuch von freundlichen, neugierigen Einheimischen.

Morelia

Samstags machen wir uns auf nach Morelia, eine große Stadt mit über 600.000 Einwohnern. Genialerweise gibt es einen riesigen, kostenfreien Parkplatz neben einem Stadtpark, von hier aus laufen wir in einer guten halben Stunde in die Stadtmitte. Tatsächlich kommen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus, Morelia entpuppt sich wirklich als eine sehr mondäne, großzügige und hübsche Stadt, erinnert uns wegen der hohen Kirchendichte schon fast an Rom. Wieder sind wir den ganzen Tag auf den Füssen, laufen alle Sehenswürdigkeiten ab, entdecken mindestens 15 Brautpaare, die sich heute das Jawort geben und verbringen den restlichen Abend mit hochgelegten Füßen auf dem Sofa.

Sanctuary Mariposa Monarca

Nun steht uns der Sinn nach etwas Ruhe und Natur, daher fahren wir hoch in die Berge auf 3.200 m zu den Mariposa Monarca Sanctuary. Hier überwintern bis zu einer Milliarde von Monarchfalter jedes Jahr von November bis März – ein tolles Schauspiel. Das phänomenale Migrationsverhalten der Schmetterlinge, wie sie sich auf der bis zu 4.500 Kilometer weiten Reise orientieren, kann von der Wissenschaft noch nicht restlos geklärt werden. Wegen der kurzen Lebensspanne kann jeder einzelne Falter nur eine Teilstrecke zurücklegen. Unterwegs legen die Weibchen ihre Eier, die geschlüpften Raupen verpuppen sich und wenig später setzen die jungen Monarchfalter die Reise fort und treffen im späten Frühjahr wieder in den nördlichen USA und Kanada ein.

Die Landschaft ist wunderschön, die Temperaturen sehr angenehm. Leider sind Hunde im Sanctuary nicht erlaubt, so müssen wir uns eben aufteilen: am ersten Tag darf Hans-Peter zu den Schmetterlingen, am nächsten Tag mache ich die Tour. Leider sind noch nicht so viele Exemplare angekommen, sie sind wohl auf ihrem Weg von Kanada hierher ein den Rastplätzen versackt. Egal, es ist traumhaft schön, die Jungs rennen voller Übermut über die Wiesen, wir freuen uns über ein wärmendes Lagerfeuer.

Am nächsten Tag mache ich mich bei strahlendem Sonnenschein auf zu den Schmetterlingen – kurz hinter dem Eingang werde ich schon umschwirrt von den hübschen Tierchen. Angekommen am Mirador sehe ich Hunderte der Falter im Himmel umherschwirren, es ist ein unglaublich schönes Erlebnis, man kann den Mariposas stundenlang zusehen, ich bin restlos begeistert und fasziniert. Zurück am Stellplatz schwirren auch hier mittlerweile viele Flattermänner über unsere Köpfe ! Gestern fragte uns ein vorbeifahrendes Auto, ob wir mexikanisches Essen möchten – da haben wir gleich zugeschlagen. So warten wir heute auf den Lieferservice und tatsächlich bekommen wir unser Essen (Pilz-Suppe und vegetarische Tacos) geliefert. Bei der Bezahlung gibt es ein kleines Problem: die Dame verlangt 390 Pesos – ein unfassbar überteuerter Preis für hiesige Verhältnisse. Schon will ich alles wieder zurückgeben, da ist sie plötzlich doch mit 100 Pesos einverstanden ?? Dieses Verhalten ist uns nun schon ein paar Mal begegnet, man versteht es nicht richtig ??

Beim Spaziergang durch die Wiesen entdecken wir so viele hübsche Pflanzen:

Tempel und nochmals Tempel

Dienstag, der 07.11.2023, wir verlassen das bezaubernde Fleckchen Erde, fahren nach Toluca zum Einkaufen und wollen dann – eigentlich – bei der Tempelanlage Teotenango übernachten. Daraus wird leider nichts, die Anlage ist mitten im Ort, der Parkplatz schon geschlossen und es gibt keine Möglichkeit, Henriette irgendwo zu parken. Mühsam schaffen wir es aus dem kleinen Strassengewirr heraus und versuchen, irgendwo außerhalb einen Standplatz zu finden. Das erweist sich als sehr schwierig, die Strassen, die rechts und links abgehen, führen nur zum nächsten Haus, die Feldwege sind so nass, dass wir gerne darauf verzichten und so dämmert es schon, bis wir endlich eine geeignete Möglichkeit gefunden haben: ein Parkplatz vor dem Ortseingang von Malinalco. Den Polizist, der gerade mit seinem Fahrzeug dort steht, fragen wir und bekommen ein freundliches Nicken. Heute sind wir übrigens so viele Topes gefahren wie noch nie- ein absoluter Horror.

Nachts zieht ein heftiges Gewitter über uns, was sind wir froh, dass wir auf keinen Feldweg abgebogen sind – das wäre wieder eine Schlammschlacht geworden. Am nächsten Morgen nutzen wir die Gelegenheit, schauen uns das Städtchen an und sind sehr angenehm überrascht: es hat den Zusatz „Pueblo magico“ wirklich verdient.

Ein riesengroßes Augustinerkonvent aus dem Jahre 1540 prägt den Hauptplatz, ein paar Straßen weiter versteckt sich der Aufgang zu einer archäologischen Ausgrabungsstätte. Diesmal mache ich mich alleine auf den Weg (Hunde sind ja nicht erlaubt), klettere gefühlt 500 Stufen hoch bis ich die Kultstätte der Azteken erreiche. Erbaut wurde diese Anlage ungefähr um 1515, der Felsentempel ist dabei ein in Mesoamerika einzigartiges Bauwerk. In Gedanken bedauere ich die damaligen Bauarbeiter, die jeden Stein hier hochschleppen mussten !

Weiter gehts zu den Tempeln von Xochicalco, für die Strecke von 40 Km brauchen wir über 1,5 Stunden, bei dem Hundertsten Topes haben wir aufgehört zu zählen, es ist wirklich unfassbar. Den Platz am See, den wir in iOverlander gefunden haben, war mit unserer hohen Henriette nicht befahrbar, also sehen wir unterhalb des Tempels.

Xochicalco: eine wunderbare Anlage, die man wirklich bestaunen muss. Dieses Mal besichtigen wir beide (hundebedingt nacheinander) die Tempel und sind echt begeistert. Eine kleine Info dazu: die befestigte Stadt Xochicalco wurde in der Zeit kurz nach dem Niedergang von Teotihuacan (100 v Chr. – 650 n Chr.) gebaut. Obwohl die Blütezeit nur von etwa 700 bis 900 n. Chr. dauerte, gilt Xochicalco wegen seiner Pracht und hohen kulturellen Entwicklung als das wichtigste Zentrum der Spätklassik im zentralamerikanischen Hochland. Die ethnische Herkunft der Bewohner ist nicht bekannt. um 900 n. Chr. wurde die Stadt niedergebrannt, zerstört und abrupt verlassen. Gebaut wurde die Stadt nach einem komplexen Plan auf einer 130 m hohen Erhebung und war mit einer maximalen Ausdehnung von 4 Quadratkilometern der zu jener Zeit am dichtesten besiedelte Ort Mesoamerikas.

Die prächtigsten Wohnviertel und religiösen Stätten befanden sich im oberen Teil und waren offensichtlich nicht jedem zugänglich, die einfachsten Unterkünfte standen hingegen auf den unteren Terrassen, was von einer strikten Unterscheidung und Trennung sozialer Klassen zeugt. Es gab ein ausgeklügeltes System der Entwässerung und des Anlegens von Wasservorräten in Zisternen sowie große Speicher für Mais und andere Nahrungsmittel. Wie auch an anderen Orten Mesoamerikas gab es in Xochicalco vor allem zwei Hauptgottheiten: die der Erde und die des Windes und Wassers.

Danach fahren wir weiter, nach 30 Kilometer haben wir schon 139 Topes hinter uns, dann gibt es eine Umleitung, die wir auf Grund der niedrigen Kabel nicht fahren dürfen. Die Polizei sperrt für uns die Straße, läßt uns rückwärts wieder herausfahren. Wir hören auf, die Topes zu zählen :). In der nächsten Stadt Cuernavaca kommen wir in eine Demo – man fordert die Politik auf, eine angefangene Arbeit zu Ende zu bringen (das Geld ist wohl knapp geworden und der mexikanische Präsident muss eine Zustimmung unterschreiben). Nach einer Stunde warten geht es weiter ! Der vorgesehene Übernachtungsplatz im Lagunas de Zempoala NP ist verschlossen – schade, denn es ist ein wunderschönes Waldgebiet. Verzweifelt, weil es schon wieder dämmert, fahren wir an ein Flüssiggas-Werk. Zuerst heißt es ja, wir können hier stehen, später aber wird das korrigiert und wir müssen 2 Kilometer weiter an eine Polizeistation fahren. Hier stehen wir sicher, aber leider direkt an der Strasse. Na ja, für die Nacht wird es gehen.

Besuch bei Erik in Jilotepec

Bei iOverlander entdecken wir einen Eintrag von einem Stellplatz, der von einem jungen Deutschen gerade aufgebaut wird. Wir kontaktieren Erik vorab, ob wir mit unserer dicken Henriette zu ihm kommen können – ja, meint er, kein Problem. Tatsächlich schaffen wir es gut zu dem kleinen Platz und kurz darauf kommt Erik persönlich, um uns zu begrüßen. Gleich führt er uns herum, wir schauen bei den Nachbarn Raul und Denis vorbei, ein Bierchen gibt es auch gleich dazu, alle sind total nett. Für den nächsten Tag verabreden wir uns zusammen zu einer Wanderung, Erik bringt seine Freundin Ruby und seine Fellnase Luxi mit, Menschen und Hunde verstehen sich prächtig. Es gibt hier einen tollen Klettergarten, der heute am Sonntag sehr gut besucht wird. Wandern macht bekanntlich hungrig und durstig, so verbringen wir den Abend im nahegelegene Restaurant. In der großen Runde mit den jungen Leuten schmeckt der Hamburger und das Indio doppelt gut.

Montags nehmen sich Erik und Ruby nochmals Zeit für uns, wir kraxeln gemeinsam zu dem Gipfelkreuz. Leider ist es etwas neblig, aber nichtsdestotrotz genießen wir die spektakuläre Aussicht. Erik kennt sich super gut in dieser Gegend aus, kann uns viel erklären und erzählen. Er ist vor 5 Jahren bei seiner Reise mit dem Camper durch Mexiko hier hängengeblieben und man merkt schnell, wie sehr er seine neue Heimat liebt. Später verabschieden wir uns von den zwei sympathischen jungen Menschen, die 2 Tage zusammen haben super viel Spass gemacht.

Am Nachmittag erreichen wir den hübschen Platz EcoAlberto, ein herrliche grüne Wiese am Rio Tula. Eine Ziegenherde wartet schon auf uns, macht uns dann bereitwillig Platz- ansonsten sind wir mutterseelenalleine hier. Am nächsten Morgen gehts über die Hängebrücke – den zwei Jungs ist das nicht ganz geheuer ??

Leider zeigt sich die Sonne am nächsten Tag nur sehr spärlich, wir nutzen den Vormittag, um ein bisschen die Gegend zu erkunden und Wäsche zu waschen.

Grutas Tolantongo

Mal wieder eine Fahrt über unzählige Topes ! Angekommen bei den Grutas sind wir sogleich fasziniert von der Landschaft – eine schroffe Bergwelt ringsum, die Serpentinenstrasse hinunter ist nichts für schwache Nerven. Kurz vor dem Eingang finden wir eine Möglichkeit zum Übernachten, im Park selbst sind – mal wieder 🙁 – keine Hunde erlaubt. Neben uns steht eine Französin und ein junges Pärchen aus Spanien – wir verständigen uns in der meist gesprochenen Sprache der Welt: schlechtem Englisch :)! Am nächsten Morgen treffen wir neben uns ein junges deutsches Pärchen, Anni und Florian, die uns gute Tipps für die Grutas geben. Unsere Fellnasen finden ihr kleines Chihuahua-Mädchen sehr interessant – dabei habe ich etwas Angst, dass unser Tollpatsch Quappo aus Versehen auf sie tritt. Wir wissen nun Bescheid, fahren mit Henriette und den Jungs durch das Eingangstor und können so das ganze Gelände erkunden.

Tonaltonko: „Heimat, wo es sich warm anfühlt“ – so nannte das Nahua Volk, das die Gegend hier besiedelte, dieses Plätzchen. Durch einen Druckfehler in den 70ern wurde daraus dann Tolantongo. Aus den Felswänden und der Decke sprudelt heisses Wasser in die Grotten, plätschert den Hang hinunter und fließt türkisfarben weiter durch die Schlucht, so hat man gefühlt ein 3 Kilometer langes Schwimmbecken. An den Hängen schmiegen sich insgesamt 46 Thermalbecken mit angenehm warmen Wasser, jeder findet seinen eigenen kleinen Pool. Zum Glück sind wir unter der Woche hier, am Wochenende muss es richtig voll werden – die Mexikaner lieben diesen Ort nämlich sehr – mit der ganzen Familie, der „normalen“ Picknick- und Campingausrüstung werden hier die freien Tage verbracht.

Ein wirklich ganz besonderes Spa-Erlebnis ! Wir genießen diese spezielle Badeanstalt und fühlen uns hinterher richtig sauber !!

Am Nachmittag fahren wir weiter in den kleinen Nationalpark el Chico – hier finden wir uns mitten in Wäldern auf rund 3.000 m Höhe wieder. Es ist wunderschön – aber wirklich bitterkalt ! Nach einer total ruhigen Nacht und einem schnellen Morgenkaffee wandern wir zum Wasserfall – leider ohne Wasser ! Wir können uns kaum losreissen, entscheiden uns dann aber doch, noch bis nach Teotihuacan zu fahren. Eine Strecke von knapp 90 Kilometer – allerdings sucht unsere Erna wieder die extra engen und mit Kabel überspannten Strässchen für uns heraus. So brauchen wir fast 3 Stunden, bis wir am Ziel sind !!

Teotihuacan

17.11.2023 – bei wolkenlosem, blauen Himmel machen wir uns auf zu der größten Tempelanlage Mexiko – Teotihuacan – die Ausmasse sind wirklich gewaltig!! Das Gebiet war bereit seit dem sechsten Jahrhundert v. Chr. permanent bewohnt. zwischen 100 und 650 n. Chr. bildete die Stadt das dominierende kulturelle, wirtschaftliche und militärische Zentrum Mesoamerikas. Sie war zu ihrer Zeit die mit Abstand größte Stadt (rund 200.000 EInwohner) auf dem amerikanischen Kontinent und eine der größten der Welt !! Da Teotihuacan keine geschriebene Sprache kannte, sind die Archäologen bis heute am Enträtseln dieser Kultur – wirklich spannend. Ab etwa 650 schwand ihre Bedeutung, bis sie um 750 aus nicht vollständig geklärten Gründen weitgehend verlassen wurde.

Der Weg führt uns zuerst zum Tempel des Quetzalcoatl, dann auf der riesigen „Strasse der Toten“ entlang zur Sonnenpyramide, immerhin die 3. größte Pyramide der Welt. Entlang der Strasse bieten unzählige Händler ihre Waren an, ein riesiges Angebot an Obsidianobjekten, Schmuck, Keramikfiguren, bunte Tücher und Sombreros sucht ihren Käufer. Am Ende des Strasse der Toten erreicht man die Mondpyramide, sie entstand rund ein Jahrhundert nach der Sonnenpyramide. Nach dem Besuch dieser gewaltigen Anlage spüren wir unsere Füße – knapp 10 Kilometer sind wir in den Ruinen marschiert ! Abends gönnen wir uns einen Restaurantbesuch (nicht ganz einfach, denn die meisten Lokale schließen mit der Abfahrt der Touristenbusse) mit einer leckerem mexikanischem Kaktuslasagne, einem kühlen Bier und als Abschluss noch einem unwiderstehlichen Schokoladenkuchen.

Unser Kontingent an Highlights ist noch nicht ausgeschöpft !!! Heute stehen wir ausnahmsweise mal ganz früh auf – um 5.00 Uhr klingelt unser Wecker. Angezogen wird alles, was der Schrank hergibt – mit 6 Grad ist es doch recht frisch. Und dann….. ein atemberaubender Heißluftballonflug über die Ruinenstadt. Was soll ich sagen: es einfach unfassbar, traumhaft, faszinierend und gänsehauterregend schön !!! Wir schweben im Sonnenaufgang über alte und neue mexikanische Landschaften, umrunden die Sonnenpyramide, mit den Luftströmungen geht es rauf und runter, begleitet werden wir dabei dabei von rund 50 anderen, bunten Ballons. Das Wetter ist perfekt, die Organisation ebenfalls (da hatten wir in Deutschland einen wesentlich unprofessionelleren Flug), die Landung klappt ebenfalls problemlos. Danach noch ein Sekt zum Anstoßen, ein Zertifikat und ein ganz leckeres, typisch mexikanisches Frühstück (da braucht man den Rest vom Tag wirklich nichts mehr zum essen ::) Es war echt ein Traum – man hätte noch stundenlang weiter schweben können – ich denke, die Fotos sprechen für sich !!

Den nächsten Tag bleiben wir noch auf diesem Platz, laufen die 2 Kilometer bis in das Stadtzentrum von Teotihuacan, erkunden den kleinen Markt, die Kirche und den Plaza. Abends ist unser Auto umringt von vielen weißen Taxis, scheinbar treffen sich alle zum Feiern. Klar, wird kräftig getrunken, die Musik aufgedreht, getanzt, gelacht, gegessen – bis kurz vor 22.00 Uhr das letzte Auto wegfährt (mit ein paar Cervezas intus kann man hier problemlos fahren)

El Tajin

Da wir schon in der Gegend sind, haben wir beschlossen, einen Umweg Richtung Osten zu fahren und uns die Tempelanlage El Tajin anzuschauen. Sonntags kommen wir bis Tejocotal, finden einen Stellplatz an einem größeren See. Aus dem Hüttchen hinter uns kommt eine alte Mexikanerin, sie freut sich, dass wir hier stehen und unterhält sich eifrig mit uns uns – allerdings verstehen wir wirklich nichts, aber das stört sie nicht. Am Morgen werden wir von einem der vielen Gockelhähne (vermischt mit Hundegebell) geweckt. Die Weiterfahrt fängt nicht gut an: versehentlich biegen wir von der falschen Seite auf eine zweispurige Strasse ein – sofort legt Hans-Peter den Rückwärtsgang ein, bekommt Henriette wieder auf die richtige Spur – puh, das war aufregend. Glücklicherweise stand kein Polizeiauto in der Nähe !!! Henriette gönnen wir heute mal die bezahlte Autobahn – ein richtig tolles Fahrgefühl, 80 km/h fahren zu können ohne irgendeinen Topes !! So kommen wir zeitig zu unserem Ziel, allerdings kommt uns kurz vorher doch noch die Polizei in die Quere ?? Mal wieder werden wir von einem Motorrad herausgewunken, anscheinend dürfen LKW’s auf dieser Strasse nicht fahren. Hans-Peter diskutiert eine geschlagene Stunde mit den Polizisten (3 Mann Verstärkung sind dazugekommen), irgendwann einigen sie sich auf ein Bussgeld von 2.000 Pesos (rund 100,– Euro). Wir sind ziemlich angep….. – kein Mensch hält sich hier an irgendwelche Regeln, man fährt mit 4 Personen auf dem Moped, die Autos fahren bei Nacht ohne Licht, überholen rechts, links und am besten in der uneinsehbaren Kurve, keiner ist angeschnallt ………. gefühlt werden nur die Touristen abgezockt !! Aber gut, so ist das halt hier, wir versuchen das gleich aus unserem Kopf zu verdrängen.

Trotz des unschönen Erlebnisses sind wir auch von dieser Anlage beeindruckt: diese Stadt wurde im 1. Jahrhundert v. Chr. wahrscheinlich von den Totonaken gegründet. Die Blütezeit erlebte der Ort von 700 – 900 n. Chr. , gegen 1.200 wurde er aus bisher nicht geklärten Gründen verlassen bzw. aufgegeben. Besonders auffällig ist die Nischenpyramide, sie hat 365 Nischen, was höchstwahrscheinlich ein Sonnenjahr symbolisieren soll. Bekannt ist El Tajin auch für seine Ballspielplätze, rund 10 Plätze wurden bislang hier entdeckt. Es wird angenommen, dass bei den Ballspielen entweder die Verlierer oder Sieger anschließend geköpft wurden – diese rituelle Opferung galt als große Ehre. Wie gut, dass heute die Bundesligaspieler nur beklatscht oder ausgepfiffen werden, auch wenn das nicht so ehrenvoll ist !!!

Unser Stellplatz entschädigt uns für das doofe Erlebnis: wir landen bei Luis, dem Besitzer des Xanath Reserva Ecologica – ein richtig kleines Paradies hier mitten im „Regenwald“. Am nächsten Morgen führt Luis uns durch seinen Garten, zeigt uns, wie Vanille wächst, erklärt uns viele andere exotische Pflanzen und Insekten. Ein total lieber und sehr interessanter Mann, wir konnten viel Neues lernen. Nun noch schnell den Wassertank gefüllt, schon geht es wieder Richtung Westen.

Dienstag, 21.11.2023: irgendwie habe ich die Gegend komplett falsch eingeschätzt: wir befinden uns hier wirklich im Niemandsland und das mitten im Dschungel: auf engsten Serpentinenstrassen fahren wir durch üppig wuchernde Landschaften, es geht steil bergauf und bergab. Bald merken wir, dass unser rund 90 Kilometer entferntes Ziel nicht vor Dämmerung zu erreichen ist – wir kommen mit durchschnittlich 15 km/h vorwärts. Direkt neben der Strasse findet sich ein Übernachtungsplatz – schnell gehe ich noch los auf eine Gassi-Runde. Allerdings kommt 15 Minuten später der Anruf von meinem Mann: ich soll zurückkommen, die Polizei wartet schon !!!! Ich kann es nicht fassen, aber die Polizisten sind nur freundlich und klären uns auf, dass es hier nicht sicher sei. Sie bringen uns 5 Kilometer weiter an einen sicheren, anderen Platz und versprechen, heute Nacht auf uns aufzupassen – das versöhnt uns mit den Gesetzeshütern – 10 Punkte für diese tolle Aktion !!

Der Wetterbericht hat es (leider) richtig vorhergesagt: Kälteeinbruch am 22.11. !! Schon morgens ziehe ich gerne die lange Hose und die dicke Jacke an, es ist kühl, neblig und ein paar Tropfen fallen vom Himmel. Für die weiteren 40 Kilometer brauchen wir 1,5 Stunden, wieder geht es rauf und runter, dazwischen unzählige Schlaglöcher und – wer hätte es gedacht – Topes in allen Variationen. Gegen Mittag erreichen wir die Cascadas La Gloria, eine tolle, große Wiese haben wir ganz für uns alleine. Gleich machen wir uns auf den Weg zu den Wasserfällen, die ungezähmte, wilde Vegetation ringsum ist fantastisch.

Cantona

Abends wird es empfindlich frisch, die Heizung darf mal wieder arbeiten. Beim Frühstück kommt ein Einheimischer vorbei, der uns nochmals abkassieren möchte – wir erklären ihm, dass wir am Vortag bezahlt hätten und irgendwann lässt er uns auch in Ruhe. So geht es weiter auf den kleinen Serpentinensträßchen durch den nebligen Dschungel. Fünfzig Kilometer später sind wir wieder in einer ganz anderen Landschaft: hier gibt es große Felder, weite Täler – wir haben den Regenwald hinter uns gelassen. Unser Ziel für heute: die Ausgrabungsstätte von Cantona. Zum ersten mal dürfen wir die Hund mit hineinnehmen, die Anlage ist riesengross, wir sind gerade die einzigen Besucher. Eintritt müssen wir auch nicht bezahlen, keine Ahnung warum. Fast 2 Stunden brauchen wir für den Rundweg – das war wirklich einmal eine riesige Stadt, alleine 24 Ballspielplätze wurden bislang hier ausgegraben. Zwölf von ihnen wurde als architektonische Gruppe mit einer Pyramide an einem Ende gestaltet. Lt. Wikipedia wird für die Siedlung eine Fläche von 12 Quadratkilometer angegeben, die Stadtplanung und Bauweise unterschied sich von den meisten anderen mesoamerikanischen Städten. Es gab, vermutlich durch das unebene Gelände des Lavastroms bedingt, keine Symmetrie der Anlage. die sehr dicht wohnende Bevölkerung von bis zu 100.000 Einwohnern lebte in bis zu 8.000 Wohneinheiten, die durch hohe Wälle aus gebrochenem Lavagestein in Form von Trockenmauern voneinander getrennt waren. Die innerörtliche Verbindung wurde durch ein weites und komplexes Netz von schmalen Strassen gewährleistet.

Leider lässt man uns auf dem Parkplatz nicht übernachten, so fahren wir noch ein Stück weiter zum Nationalpark Malinche. Mit 4.420 m ist das einer der höchsten Vulkane Mexikos, man kann ihn wohl auch gut besteigen. Unverständlicherweise herrscht in diesem Park absolutes Hundeverbot, so schmuggeln wir unsere 2 (mit etwas schlechtem Gewissen) einfach ein. Ansonsten ist der Übernachtungsplatz im Wald super entspannt und ruhig !

Die Parkranger wollen uns am nächsten Morgen erst gar nicht aus dem Park herauslassen, sie schreiben das Kennzeichen auf, telefonieren wichtigtuerisch herum – Panik steigt langsam bei mir auf! Irgendwann geben sie sich einen Ruck und öffnen die Schranke für uns – puh, alles gut gegangen !!

Cholula

Freitag, der 24.11.2023: auf der Weiterfahrt sehen wir alle drei Vulkan bei strahlendem Sonnenschein: den Malinche, den Popocatepetl und den Iztaccihuatl – ein herrlicher Ausblick. Kurz darauf erreichen wir das Pueblo Magico Städtchen Cholula, finden einen perfekten Stellplatz direkt bei der Pyramide und begeben uns sogleich auf eine Erkundungstour. Sofort erliegen wir dem Charme dieses hübschen Örtchens, hier ist alles bunt, fröhlich, aufgeräumt: in den kleinen Gässchen gibt es nette Restaurants und Shops, die großen Parkanlagen dienen als perfekte Hundewiese, Fellnasen in allen Größen und Farben tummeln sich hier vergnügt miteinander – Frodo und Quappo sind im Hundehimmel.

Auf der dem Volumen nach größten Pyramiden der Welt thront die Kirche Nuestra Senora de los Remedios über der Stadt. Angefangen mit dem Bau der Pyramide wurde ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. , dann wurde bis etwa 750 n. Chr. von verschiedenen Völker an diesem Bauwerk weitergearbeitet. Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Pyramide alle 52 Jahre erweitert wurde. Nach der spanischen Eroberung wurde im 16 Jahrhundert auf der Pyramidenspitze die große Kirche errichtet.

Selbst nach der Conquista ist Cholula immer noch eine heilige Stadt geblieben, denn sie hat 38 (!!!!!) Kirchen, die der Legende nach zusammen 365 Kuppeln besitzen. Wir haben es nicht überprüft, aber die Kirchendichte hier ist wirklich unfassbar.

Kaum sind wir von unserem Stadtbummel zurück, hören wir ein weiteres Fahrzeug neben uns parken ?? Ein großer weisser Bruder von Henriette: der MAN von Marcus und Natascha aus Köln. Wir freuen uns riesig, die beiden hier zufällig zu treffen, Marcus hatten wir vor 5 Jahren beim Tag der offenen Tür von Bimobil kennengelernt. Natürlich gibt es viel zu erzählen, so beschließen wir, den Abend zusammen in einem netten Restaurant zu verbringen. Am nächsten Morgen bekomme ich von Marcus noch den kleinen Sauerteigansatz „Jose“ übergeben – hoffentlich wächst und gedeiht Jose gut bei uns.

Popocatepetl

Nach der Verabschiedung der beiden netten Kölner packen wir unsere Sachen und machen uns auf die Tour zum Popocatepetl. Die asphaltierte Strasse endet nach ein paar Kilometer und wir finden uns auf einer heftigen Offroadstrecke wieder. Über 12 Kilometer geht das Geschaukel und Gehubbel, alles ist durchgeschüttelt. Oben am Ziel angekommen, können wir das Chaos, das sich vor unseren Augen auftut, nicht fassen: der Parkplatz ist hoffnungslos überfüllt, die Fahrzeuge parken kreuz und quer, es ist fast kein Durchkommen möglich. Irgendwie schaffen wir es auf einen kleinen Feldweg, der zu einem Parque führen soll. Unterwegs nimmt Henriette noch ein bisschen Weihnachtsschmuck mit – bestückt mit Tannenzweigen und fertig mit den Nerven erreichen wir den Parque Ecologico Apatlaco. Immerhin stehen wir hier auf 3.600 m, nachts wird es frostig kalt und morgens haben wir schon Raureif auf den Gräsern. Auch hier herrscht Hochbetrieb: Hunderte von Autos parken, es gibt die üblichen Taco- und Getränkestände, Ziplines, Pferdereiten, Tretbootfahren und eine Kartbahn – ein riesiges Spektakel. Ein junger Mexikaner klärt uns auf: an diesem Wochenende macht sich wohl halb Mexico-City auf, einen Weihnachtsbaum zu kaufen – und hier gibt es die größten Tannenbaumplantagen von ganz Mexiko. Wir sind echt geplättet, damit hatten wir mit keiner Seele gerechnet.

Am nächsten Morgen beschließen wir, früh aufzubrechen, um aus diesem Verkehrschaos herauszukommen. Und ja, es ist wieder das gleiche Bild wie am Vortag: der Parkplatz total zugeparkt, Hans-Peter arbeitet mit voller Konzentration, um Henriette da durchzubekommen. Einmal helfen ein paar Umstehende, einen in der Kurve geparkten Mustang ein paar Meter vorzuschieben – sonst wären wir nicht ohne Kratzer vorbeigekommen. Auf der weiteren Strecke den Berg hinunter kommt uns eine unfassbare Menge von Autos, Motorräder und Fahrräder entgegen – sie alle wollen auf den überfüllten Parkplatz ???

Wir sind heilfroh, als wir die von oben, rechts und links enge Serpentinenstrasse hinter uns haben, da stören uns sogar die Topes gar nicht mehr. Ein paar entspannte Kilometer können wir fahren, da stehen wir auf dem Weg zu unserem Stellplatz in Chalcatzingo schon wieder in engen Gässchen, die mit herunterhängenden Stromkabeln geschmückt sind – es ist zum Verzweifeln. Abgekämpft erreichen wir schließlich einen kleinen Parkplatz und schnaufen erst einmal durch. Auf den Besuch der archäologische Ausgrabungsstätte verzichten wir: keine Hunde erlaubt !!! So laufen wir einfach ums Dorf herum und suchen für morgen schon mal eine henriettefreundlichere Rettungsgasse !!!!

Es hat geklappt: am nächsten Morgen schauen wir uns erst einmal über den Zaun den Tempel an, dann schaffen wir es, problemlos um das Dorf herum den Ausgang auf die Hauptstrasse zu finden. Die weitere Fahrt auf der MEX 160 überrascht uns: eine wirklich gute Strasse, wenig Topes und keine Maut – was will man mehr. In einem trockenen Flussbett finden wir unseren Übernachtungsplatz, natürlich kommt nach 10 MInuten der erste Mexikaner vorbei, der uns fragt, ob alles in Ordnung ist. Egal in welchem Nirgendwo wir stehen, hier kommt immer einer vorbei – es scheint, wir hätten einen Magneten eingebaut. Aber die Leute sind wirklich super freundlich und fragen 10mal nach, ob alles in Ordnung ist oder ab wir Hilfe brauchen – super lieb !!

Dienstag, der 28.11.2023 – wir fahren die MEX190 weiter Richtung Süden. Die Straße führt durch unwirtliches Kaktusgelände, hier scheint wirklich nichts zu gedeihen. Landschaftlich ist die Strecke sehr schön, die Serpentinenstrecke ist in gutem Zustand, es gibt erstaunlich wenig Topes! Bei Tamazulapam del Progreso (die Namen der Ortschaften sind echt unaussprechlich – wie soll man sich das merken) finden wir einen netten einsamen Platz – natürlich kommt auch hier nach einer halben Stunde ein freundlicher Einheimischer vorbei, der nachfragt, ob wir ein Problem haben ????

Oaxaca

Der Ruf eilt ihr voraus – schon soooo oft haben wir gehört: Oaxaca wird euch gefallen – das ist eine super schöne Stadt – unsere Erwartungen sind dementsprechend hoch :). Wie so oft, erweist sich unsere Planung nicht als zielführend. Mitten im Stadtgewimmel steuern wir unseren Übernachtungsplatz an: der Eingang zum Parkplatz, der angeblich für große Fahrzeuge geeignet sein soll, ist absolut eng und verwinkelt, sofort ist uns klar, dass wir hier nicht hineinpassen – alles ist vollgeparkt, um uns herum drängeln die Taxis, Motorräder und Fußgänger – oh Gott, nichts wie raus aus diesem Getümmel. Zurück auf der nächsten größeren Strasse erst einmal Durchatmen !!! Also, blitzschnell muss ein Alternativplan her – wir fahren gleich zum CP ins nächste Dörfchen Santa Maria del Tule. Der Platz erscheint uns wie ein Paradies: es gibt einen Pool mit herrlich erfrischendem Wasser, heißen Duschen und einer große Waschmaschine – was will das Camperherz mehr, gleich mal buchen wir 3 Tage. Abends schlendern wir gemütlich zum Dorfplatz, hier steht der angeblich größte Baum der Welt: eine wirklich riesengroße Sumpfzypresse, die seit rund 2.000 Jahren den Platz beschattet. Der Baum hat einen Durchmesser von 14 m, einen Umfang von 58 m und ist rund 42 m hoch – also echt gewaltig. Unseren Hunger stillen wir in einer netten Pizzeria – auch die Pizza ist gewaltig !! Ein echter Anfängerfehler, hier in Mexiko darf man wirklich keine 2 Pizzen bestellen – die Teile sind groß wie Wagenräder und selbst für den Hungrigsten nicht zu schaffen. Aber kein Problem, den Rest lassen wir uns einpacken, so ist das Abendessen für morgen schon gesichert.

Am nächsten Tag genießen wir den Luxus: die Waschmaschine wird 2 x geladen, wir duschen ausgiebig und plantschen im Pool. Abends ein Schwätzchen mit den Schweizer Nachbarn, mit den deutschen Nachbarn aus Köln, ein kleiner Bummel und ein kühles Cerveza – ein entspannter Tag!

01.12.2023 – das erste Türchen im Adventskalender !!! Wir stürzen uns ins Getümmel: nach einer Tasse Kaffee machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Gar nicht so einfach, ein Taxi für uns und die Ponys zu finden – aber ein netter Fahrer erbarmt sich unser. Angekommen im Zentrum von Oaxaca – gleich ist man überschüttet von Eindrücken: an jeder Ecke Märkte, Kirchen, Menschenmassen, Düfte, Farben……………… Auf dem Zolaca ist alles weihnachtlich geschmückt, Tausende von Weihnachtssterne sind gepflanzt, Tannenbäume stehen an jeder Ecke – Weihnachtsstimmung kommt trotz allem bei mir überhaupt nicht auf.

Die ehemalige Kloster- und Missionskirche Santo Domingo de Guzman ist einer der imposantesten Bauten dieser Art. sie gehört seit 1979 als Teil des historischen Stadtzentrums zum UNESCO-Welterbe. Im Inneren ist sie so protzig, dass es schon abstoßend ist.

Auf dem Mercado Benito Juarez erlebt man einen Farben- und Gerücherausch – es gibt einfach nichts, was man hier nicht kaufen kann. Frodo und Quappo sind ebenfalls begeistert, überall gibt es Carnercerias, nette (oder weniger nette) Strassenhunde und jede Menge Nachrichten an jeder Hausecke.

En besonderes Getränk aus der Gegend von Oaxacas ist Tejate – ein Erfrischungsgetränk aus Mais und Kakao, das schon die Azteken getrunken haben sollen !! Das muss natürlich gekostet werden – nicht unbedingt mein Lieblingsgetränk, aber sehr interessant !!

Nach 4 Stunden sind wir gesättigt mit so vielen Eindrücken – wir machen uns auf die Suche nach einem Taxi für die Rückfahrt. Dummerweise kommen uns lauter voll besetzte Fahrzeuge entgegen, nach einer halben Stunde liegen unsere Nerven blank. Endlich findet sich ein Collectivo, das uns mitnimmt – allerdings zum doppelten Preis !! Egal, wir sind glücklich, dass wir wieder in unserem Dörfchen sind. Abends noch zum Abkühlen in den schönen Pool und die Füße hochlegen.

Samstags lassen wir den Tag langsam angehen, wir beschließen, noch einen Tag hier auf dem CP zu verlängern. Später steht Schönheitspflege auf dem Programm: duschen, Baden im Pool, Yoga…… auch die Felltiere erhalten eine Behandlung: unter Protest werden sie geduscht, shamponiert und eingecremt – sie sehen aus wie neu !!! Am Nachmittag gehen wir eine Runde ins Städtchen, finden ein super schönes Lokas und essen ganz leckere Spezialitäten: schwarze Mole mit Schweinefleisch, dazu gibt es einen Hausbrand Mezcal. Mole negro aus Oaxaca ist eine typische Sauce hier in der Gegend, die aus einer Vielzahl von Zutaten wie gerösteten Chilis, Schokoladen, Nüssen, Aromen, Gewürzen, Früchten und Gemüse hergestellt wird. Jeder hat hier sein eigenes Geheimrezept, das natürlich nicht verraten wird. Die Sauce schmeckt auf jeden Fall sehr, sehr lecker, das kann ich bestätigen.

Sonntags packen wir zusammen, der Sonntagsmarkt in Tlacolula, ein knapp 20 Kilometer entferntes kleines Dörfchen, steht auf dem Plan. Der Markt ist sehr ursprünglich, die Anbieter kommen aus den umliegenden Dörfern, sind sehr traditionell angezogen und es wird alles angeboten, was der Garten, die Nähstube und die Werkstatt zu bieten hat. Wie alle Märkte ist es auch hier farbenfroh, chaotisch, laut – einfach ein Augenschmaus. Ich glaube, die Fotos sprechen hier für sich:

Wir selber sind übrigens auch überall ein Hingucker: alle drehen sich nach unseren Ponys um, wir fallen auf wie weiße Elefanten !! Jetzt noch mehr Fotos, ich konnte mich einfach nicht entscheiden

So, das sind nun wirklich die letzten:

Nach 2 Stunden sind alle Sinne gesättigt, wir fahren ein paar Kilometer weiter bis nach Mitla. Die archäologische Ausgrabung werden wir uns morgen anschauen, heute begnügen wir uns damit, durch die vielen kleinen Verkaufsstände, die hier vor der Kirche aufgebaut sind, zu schlendern.

Nach dem Frühstück machen wir uns also auf zu der Ausgrabungsstätte, wie immer nacheinander, da Hunde nicht erlaubt sind. Die relativ kleine Freilegung überrascht uns positiv: Die von den Zapoteken um 200 n. Chr. erbauten Gebäude zeigen besondere Friese auf. Sie sind als Mosaik gearbeitet und bestehen aus bis zu 100.000 separaten, exakt gearbeiteten Steinen. Verschiedene Muster sind zu sehen, diese Relief hatten wohl wirklich keine Bedeutung, sonder waren rein als Dekoration gedacht. Die Muster sind abwechslungsreich, kreativ und sehr schön ausgeprägt. Die Forscher gehen davon aus, dass Mitla eine Palaststadt war, in der sogar die Toten in unterirdischen Grabkammern beigesetzt wurden, die Palästen nachgebildet sind.

Im Jahr 1494 eroberten Azteken Mitla und plünderten die Stadt. Als die Spanier später den Ort übernahmen, hatten sie Mühe, sich gegen den ursprünglichen Glauben durchzusetzen und die Menschen zu missionieren. Um das Problem zu beheben, errichteten sie neue Kirchen auf den Fundamenten der alter Tempel, als Baumaterial dafür verwendeten sie die niedergerissenen Kultbauten.

Nach dieser Reise in die Vergangenheit geht es weiter zu einem weiteren Highlight: Hierve el Agua. Es ist hier in der Gegend bei Einheimischen und Touristen gleichermassen sehr bekannt und auch immer gut besucht. Bemerkenswert für so ein Attraktion ist der Weg dorthin: zuerst eine phantastische, gut ausgebaute Strasse, dann schwenkt man auf eine kleine, enge Schotterpiste mit unzähligen Schlaglöchern und Topes ab – wir dachten schon, wir wären falsch abgebogen ?? Doch nein, das ist der offizielle Weg, auch die großen Reisebusse müssen über diese Holperstrecke. Am Wegesrand finden sich unzählige kleine Mezcal-„Fabriken“, die Agaven werden noch mit Eselkraft ausgepresst. Die grauen Langohren müssen den ganzen Tag in einem kleinen Kreis laufen, es blutet einem das Herz, das zu sehen.

Nach rund 10 Kilometer kommt man dann staubig und durchgeschüttelt am Ziel an: ein großer Parkplatz und die üblichen Stände mit Essen, Getränken und Souvenirs. Zum Glück dürfen wir (auch mit Hunden) hier über Nacht stehen, so können wir die Anlage spät abends und morgens früh ohne Besuchermassen bewundern.

Der Name bedeutet „kochendes Wasser“, obwohl das Wasser aus den blubbernden Mineralquellen eher frisch (22 Grad) ist. Es ist übersättigt mit Kalziumkarbonat und anderen Mineralien, läuft seit tausenden von Jahren über Terrassen mit kleinen natürlichen Pools zu einem Felsrand. An den Stellen, an denen das Wasser die Abbruchkante hinabläuft, haben sich im Laufe der Zeit durch Ablagerungen wunderschöne Formationen gebildet. Von weitem sehen sie aus wie große Wasserfälle. Bis zu 30 m hoch sind diese versteinerten, in verschiedenen Ockertönen beeindruckende Naturphänomene. Von Nahem sehen sie aus wie Stalaktiten, die verkehrt herum gewachsen sind.

In den zwei größeren Pools (da wurde von Menschenhand ein bisschen nachgeholfen) kann man baden – das lass ich mir natürlich nicht entgehen !! Zudem soll das Wasser heilende Wirkung haben – so schlage ich 2 Fliegen mit einer Klappe: genieße das kühle Wasser, die phänomenale Aussicht und tue gleich noch etwas für meine Gesundheit !! Auf dem Rückweg stärken wir uns an einem Stand mit Tlayudas – wie sich herausstellt, sind das (wer hätte es gedacht) kleinere Tacos mit Bohnen Fleisch und Guacamole – schmecken jedenfalls lecker.

Am nächsten Morgen stehen wir ausnahmsweise recht früh auf, um den Sonnenaufgang und das Baden alleine im Pool zu genießen – ein grandiosen Start in den Tag !!! Nach dem Frühstück füllt sich der Parkplatz unaufhörlich, so beschließen wir, das Feld zu räumen.

Auf der Rückfahrt nach Oaxaca machen wir einen kurzen Stopp in dem Weberdorf: Teotitlan del Valle, hier steht tatsächlich in jedem Haus mindestens ein Webstuhl. Verwundert stellen wir fest, dass überwiegend Männer dieses Handwerk verrichten. Die hübschen Teppiche in schönen Farben und mit tollen Mustern gefallen uns sehr gut, aber leider haben wir einfach keinen Platz zum Lagern dieser Mitbringsel. So kaufen wir nur ein Minimini-Teppich als Deko für Henriette.

Abends wagen wir uns nochmals in den Stadtverkehr von Oaxaca, um zum Supermarkt Soriana zu kommen. Dort müssen erst einmal wichtige Vorräte wie Hundefutter und Bierdosen aufgefüllt werden. Da man hier über Nacht stehen darf, bleiben wir einfach auf unserem Platz stehen – es wird allerdings eine recht laute Nacht. Irgendeine Alarmanlage geht alle paar Minuten los – das kann doch jetzt nicht wahr sein. Nach 2 Stunden geht der Alarm immer noch ?? Wir gehen der Sache auf den Grund: auf dem Parkplatz steht eine Säule, aus der alle paar Minuten eine ätzende Sirene ertönt – wir wissen nicht, wofür das gut sein soll ?? Eventuell um ungebetene Übernachtungsgäste abzuhalten ?? Das Ding ist wirklich total nervig, wir parken daher nochmal um und stellen uns ein paar Meter weiter nach hinten. Hier ist die blöde Sirene nicht mehr ganz so laut, so schlafen wir einigermassen gut.

Zurück an den Pazifik

06.12.2023 – Nikolaustag !! Dank der Fürsorge von Hans-Peters ehemaligem Mitarbeiter Reinhold Winderl (er hat in unserem Blog gelesen, dass bei uns keine Weihnachtsstimmung aufkommt :)) bahnen sich jetzt doch weihnachtliche Gefühle an. Auf Grund unserer gleichen Leidenschaft für die Lindenstrasse hat er uns alte Videos der Serie geschickt, bei der Helga Beimer mal wieder ihre Raben anbrennen lässt – danke für diese netten Erinnerungen !!

Nach so viel Stadt und Kultur steht uns der Sinn mal wieder nach Strand und Meer: das lässt sich in Mexiko ganz schnell umsetzen !! Auf der kurvenreichen MEX 131 fahren wir langsam Richtung Küste. Ein hübscher Übernachtungsplatz findet sich in San Sebastian de las Grutas, umgeben von Wald und Wiesen. Nach einer herrlich ruhigen Nacht entdecken wir am nächsten Morgen sogar noch die Grutas: eine gewaltige Höhle, in die man so einfach alleine hineinspazieren kann – beeindruckend !!

Gegen Mittag geht’s weiter über viele Serpentinen den Berg rauf und runter – auf der Gegenspur kommen uns Hunderte von geschmückten Fahrzeugen entgegen ??? Wir recherchieren, was das sein könnte – und siehe da, wir finden heraus, dass am 08.12.2023 das Fest zu Ehren der Jungfrau Juquila gefeiert wird. Das Städtchen liegt auf unserem Weg, mal sehen, was wir da noch alles erleben. Wir übernachten heute auf einer kleinen Wiese in dem Örtchen San Cristobal, direkt neben der MEX 131.

Am nächsten Tag sehen wir weitere unzählige, mit Blumen, Altären und Marienbildern geschmückte Fahrzeuge, Motorradfahrer mit Schreinen auf dem Rücken, schwitzende Fahrradfahrer, Fackelläufer und zu Fuß laufende Pilger – alle sind wohl auf dem Weg zur Jungfrau. Kurz überlegen wir, in das Bergdorf Juquila hineinzufahren – aber schon am Ortseingang herrscht buntes Chaos, so lassen wir das dann doch lieber. Am Nachmittag erreichen wir die Küste, finden ein Restaurant an der Lagune Manialtepec, an dem man über Nacht stehen kann. An dieser Lagune lassen sich Biolumineszenzen beobachten, das wollen wir uns natürlich anschauen. So stärken wir uns nach einer kleinen Hunderunde im Lokal erst mit Camarones, dann warten wir auf unser Boot. Zuerst sind wir enttäuscht – man sieht nur das dunkle Wasser, nichts leuchtet ?? Aber unser Bootsmann fährt uns an die richtigen Stellen, zeigt uns, dass wir unsere Hände ins Wasser stecken sollen – und schon perlen ganz viele winzige leuchtende Tröpfchen auf. Ich darf sogar schwimmen gehen – das Wasser ist buddelwarm – und mit den Schwimmbewegungen leuchtet alles um mich herum – es ist faszinierend. Leider lässt sich das Handy nicht dazu bewegen, dieses Naturphänomen festzuhalten – auf dem Bildschirm bleibt alles dunkelschwarz. Nach einer guten Stunde sind wir wieder zurück, die Jungs freuen sich, als ob wir 3 Jahre unterwegs gewesen seien.

Samstagmorgen, 09.12.2023, wir schauen mal kurz, was zu Hause los ist !!! Johanna und Franzi haben eine Überraschungsparty für Lukas geplant, dafür mussten wir ihn mit einem Vorwand/Notlüge dazu bringen, dass er heute dem „Handwerker“ in Erfelden die Tür aufschließt. Es hat wohl alles prima geklappt, Lukas hatte keinen Schimmer, was da zu Hause auf ihn wartet – ich würde sagen: Überraschung gelungen !!

Zehn Kilometer hinter der Lagune kommen wir zum Pazifik, ein einsamer Platz am Strand in der Nähe einer Schildkrötenschutzstation wartet auf uns. Die Ruhe ist grandios, wir machen uns einen gemütlichen, faulen Tag !! Gegen 18.00 Uhr laufen wir zu der Schutzstation und sehen schon von Weitem einige Menschen vor dem großen Palapa stehen. Auf unsere Frage, was hier passiert, erklärt uns eine sehr nette, junge Mexikanerin in perfektem Englisch dieses Projekt. Auf einer Länge von 27 Kilometer versucht man hier die Schildkröten zu schützen, in dem man die Eier aus den Nestern nimmt und in der abgeschlossenen Station unterbringt. Jede Nacht patroullieren Mitarbeiter der Hilfsorganisation am Strand, um das Klauen der Eier zu verhindern. Schildkröteneier zählen nämlich bei der älteren Generation Mexikos als Delikatesse und Potenzmittel, so dass die Nester gerne geplündert werden. Wenn die kleinen Tierchen nach 40 – 70Tagen geschlüpft sind, werden sie auf ihrem Weg ins Wasser begleitet.

Jeder der möchte, darf gegen eine kleine Spende selbst ein Baby bis zum Startpunkt tragen und dann aus der Schale herauskrabbeln lassen – klar, wollen wir das auch machen. So haben wir kurz darauf einen Korb mit 2 Babys in der Hand und helfen ihnen beim Start in ihr neues Leben. Die beiden sind so putzig, rennen sofort in die richtige Richtung, werden allerdings von den Wellen ein paar Mal zurückgeworfen, rudern aber tapfer weiter, bis sie im riesigen Pazifik verschwinden. So ein schönes Erlebnis, da geht einem wirklich das Herz auf.

Später lesen wir nach, dass es von 1.000 Babyschildkröten nur eine schafft, wieder an diesen Platz zurückzukommen. Wie viele andere Tiere auch, kommen sie an den Ort ihrer Geburt zurück, um dort selbst wiederum Eier abzulegen – schon sehr beeindruckend, wie das funktioniert ! Kurz vor Mitternacht gehen wir ein paar Meter vor unserem Stellplatz am Strand entlang und können unser Glück kaum fassen: wir finden eine Mama-Schildkröte, die gerade ihre Eier ablegt !!! Das ist wirklich ein sehr beeindruckendes Schauspiel !! Nach etwa einer halben Stunde scheint sie fertig zu sein, die schüttet die Grube mit Sand zu, walzt alles ab und verschwindet dann wieder in den hohen Wellen.

Sonntag, der 10.12.2023 – heute ist der zweite Advent, leider können wir keine Kerze anzünden – sie würde in kürzester Zeit wegschmelzen. Die Sonne strahlt mit voller Wucht vom Himmel, wir verdrücken uns schön in den Schatten von Henriette, hüpfen ab und zu ins Wasser und bestellen auf Amazon ein paar Weihnachtsgeschenke 🙂

Montags packen wir unsere Sachen und fahren in die Stadt zum Einkaufen. In Puerto Escondido findet sich ein schöner Supermarkt mit einer ganz lecken Bäckereiabteilung – am liebsten würde ich hier alles mitnehmen. In der Stadt selbst finden wir keinen geeigneten Platz, alles ist sehr touristisch, wir können nur direkt an den Restaurants und Bars parken. Der nächste Platz, den wir ansteuern wir kurz vor dem Ziel zu eng – die Bäume kommen von oben und der Seite, Henriette passt einfach nicht durch. So geht´s noch 10 Kilometer weiter bis nach El Tomatal, hier entdecken wir einen perfekten Strandplatz-direkt am Wasser, kilometerlang Sandstrand -was will man mehr. Auch schwimmen kann man hier ganz gut, das Wasser ist flach und die Wellen nicht ganz so heftig. In Kontakt sind wir mit Bodyduck, wir wollten die beiden hier in der Ecke treffen, da sie auf der gleichen Strecke unterwegs sind. Also, Standort durchgegeben – alles läuft. Am Dienstag kommen Emese und Zsolt bei uns an, die Freude ist groß. Gleich wird erzählt, Autos angeschaut, ein, bzw. mehrere Bierchen getrunken und schwupp ist es schon 1.30 Uhr in der Nacht.

Bei unserem Strandspaziergang am nächsten Morgen, sehen wir ein junges Mädchen, das einen großen Korb am Strand stehen hat und kleine Schildkrötenbabys in die Freiheit lässt. einen von den kleinen Kerlen finden wir 100 Meter weiter im Sand strampeln – er wurde von den Wellen wieder zurückgespült. Wir nehmen ihn mit zum Auto, so können Emese und Zsolt das kleine Kerlchen bewundern. Gleich wird er auf den Namen „Willi“ getauft und gemeinsam begleiten wir ihn auf seinem Weg in die Tiefen des Pazifiks. Die beiden Schweizer/Ungarn sind so nett, dass wir kurzfristig beschließen, noch einen weiteren Tag zusammen zu verbringen. Es wird keine Sekunde langweilig, jeder hat so viel zu erzählen, dass die Zeit viel zu schnell vorbeigeht.

Dummerweise haben die zwei sich für Weihnachten bei Charly angekündigt, schade, sonst hätten wir die Tage gerne zusammen verbracht. Aber, so ist es halt so beim Reiseleben, man trifft immer wieder nette Menschen und muss sich dann wieder trennen. Mittwochs werden noch schnell Fotos gemacht, alle Nummern ausgetauscht und jeder fährt in eine andere Richtung weiter. Unser Ziel für heute ist Mazunte, ein kleines Fischerdorf, dass sich zum Hippie – Hotspot gewandelt hat. Hier gibt es unfassbar viele Restaurants, kleine Hotels, Läden, Saftbars, Kurse für Yoga, Meditieren und Malen, Kunstgewerke – einfach alles, was man sich denken an. An jeder Ecke wird hinein- und drüber gebaut, manche Gebäude sind wieder zerfallen – jeder macht, was er möchte. Am Strand tummeln sich die Boote, die zum Schnorcheln und Angeln hinausfahren, ein Restaurant reiht sich neben das Nächste, es herrscht ein buntes Treiben.

Am Abend haben wir uns mit Steffi und Karsten von Dino-Adventure verabredet, die beiden sind gerade hier mit dem Bau eines kleinen Hotels beschäftigt. Wir „kennen“ die beiden von Instagram und Youtube, nun, da wir gerade in der Gegend sind, bietet sich die Gelegenheit, sich mal persönlich zu treffen. Die beiden jungen Menschen sind super sympathisch und unkompliziert, sie kennen auch die beste Pizzeria von Mazunte. Die Pizza ist mit Abstand die Beste, die wir auf der bisherigen Reise gegessen haben, einfach super lecker !!!

Am nächsten Morgen schauen wir uns das Örtchen, die Schildkrötenstation (die leider total heruntergekommen ist) und den Hotelbau von Steffi und Karsten an. Wir haben allen Respekt vor dieser Aufgabe: es ist ein großer, verwinkelter Bau, alles muss mit Manneskraft hochgeschleppt werden, die Hitze brennt gnadenlos auf den Rücken ….. echt eine riesige Herausforderung.

San Agustin

Uns ist ein bisschen zu viel Rummel in dem hübschen Örtchen, so machen wir uns auf den Weg nach San Agustin. Emese und Zsolt hatten uns von dem RV-Platz Chuparosa vorgeschwärmt, hier wollen wir ein paar Tage verbringen. Uns gefällt es sofort hier, die Leute sind alle nett und entspannt, unsere Hunde dürfen den ganzen Tag ohne Leine herumtrödeln, es gibt einen kleinen Pool, eine Waschmaschine und einen Gemeinschaftsküche. Der Ort ist auch hübsch, den werden wir uns in den nächsten Tagen erarbeiten.

Nachdem wir uns in den ersten 2 Tagen hier umgeschaut haben, beschließen wir, bis Weihnachten in diesem kleinen Paradies zu bleiben. Der Ort ist nett, es gibt kleine Lädchen, in denen man das Lebensnotwendige einkaufen kann, in der Bucht lässt sich schön schwimmen und am Strand nebenan können die Hunde herumtoben. Apropos Hunde: die Betreiber des Platzes, Hannele und John – Kanadier, die der Kälte entflohen sind – haben selbst zwei sehr verträgliche Hunde, dazu gibt es Harry, einen 17-jährigen Opi, der ganz langsam über den Platz tappelt und dann gibt es noch Onyx – die große Liebe von Quappo und Frodo. Unsere Felltiere waren von der ersten Sekunde, als das Mädchen aus dem Auto hüpfte im Liebesglück !!! So ist also für jeden etwas dabei.

Abends gehen wir zum Camarones-Essen in eines der unzähligen Lokale, sie unterscheiden sich eigentlich nur durch die unterschiedlichen Tischdecken – ansonsten sehen sie komplett gleich aus: Plastik-Stapelstühle, Strohdächer und auf der Speisekarte gibt es auch überall das gleiche Angebot 🙂

Weihnachten ist hier in Mexiko wie Ostern: alle Einheimischen verbringen diese Tage mit Sack und Pack am Strand, jeder Zentimeter Sand ist besetzt. So kommen gerade jeden Tag mehr Leute in unseren kleinen Ort, die vielen Restaurants füllen sich und auch die Ausflugsboote sind ausgebucht.

Die nächsten Tage verbringen wir gemütlich mit Strandspaziergängen, schnorcheln, lesen, kochen……… tut mal richtig gut !! Donnerstags fahren wir mit dem kleinen PKW von John ins benachbarte Städtchen, um einzukaufen. Unterwegs finden wir noch eine ganz nette Tierärztin, die unseren beiden Jungs eine frische Tollwut-Spritze verabreicht und Frodo die Flüssigkeit aus seinem Schwanzknubbel zieht. Beide benehmen sich wie immer perfekt, keiner zuckt oder heult. Danach geht es in den Supermarkt: ich fühle mich wie zu Hause: der Laden ist proppevoll, scheinbar kauft heute jeder für die Festtage ein.

22.12.2023 – nun bekomme ich doch noch einen weihnachtlichen Anfall und beschließe, ein paar Plätzchen zu backen. Weihnachten ohne Rumtörtchen geht ja eigentlich auch gar nicht :). Ich brauche mit unserem Mini-Ofen für die paar Plätzchen zwar stundenlang, aber Zeit haben wir ja genug.

23.12.2023 – Endspurt, die Glasur wird auf die Plätzchen aufgebracht, die letzten Weihnachtsgrüße verschickt, Weihnachtsgeld überwiesen – wir sind bereit !!!!

24.12.2023 – tatsächlich kommt auf unserem netten Campingplatz noch etwas Weihnachtsstress auf – bei der morgendlichen Besprechung stellt die Gruppe fest, dass wir zu viel Nachtisch, aber keinen Salat fürs gemeinschaftliche Weihnachtsessen haben. Also nochmals ins Dorf laufen, Karotten und Gurken besorgen. Hans-Peter ist fleißig am schnippeln, die Tische werden zusammengestellt, mit Blumen und Lichterketten dekoriert – es sieht super schön aus, jeder hilft mit. Dazwischen wird natürlich mit der Familie zu Hause telefoniert, wir sind sehr glücklich, dass es allen gut geht und alle einen schönen Abend verbringen.

Am Abend ist alles Perfekt: das Essen schmeckt wunderbar, jeder hat etwas leckeres dazu beigetragen. Bis Mitternacht schlagen wir uns die Bäuche voll, dazu wird getrunken, erzählt, gelacht…… einfach ein wundervoller Abend.

Den nächsten Tag lassen alle langsam angehen, schnell ist alles aufgeräumt. Nach dem Morgenkaffee wandern wir eine lange Morgenrunde zur Lagune, lassen uns später von der Sonne und Wärme einlullen und genießen einen weiteren Tag im Paradies. Abends hat Maryan, unsere Mitcamperin aus Quebec, eingeladen zu einem Klangschalenkonzert – das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Sie hat ein erstaunlich großes Equipment in ihrem Camper und verzaubert uns mit den unterschiedlichsten Klängen und Resonanzen. Sehr beeindruckend, wie lange die Töne nachhallen !!! Später holt sich Susan noch ihre Okulele und verbreitet mit bekannten Mitsingsongs gleich gute Laune – ein weiterer perfekter Weihnachtsabend.

So, elf Tage sind wir nun schon in diesem kleinen Paradies, es wird langsam Zeit, ein bisschen weiterzuziehen. Schweren Herzens verabschieden wir uns von Elli, Jos, Katrina, Adrian, Susan, David, B.J., Andrea, John, Hannele, Kris und Andreas – war echt schön mit euch !!!!! Bis wir allen tschüß gesagt haben, ist es schon Mittag – dann aber nichts wie ab.

Weiter geht’s nach Chiapas

Rund 3,5 Stunden später erreichen wir unser Ziel: die kleine, verlassene Ausgrabungsstätte Guiengola, eine Festungs- und Kultanlage der Zapoteken, die aus dem späten fünfzehnten Jahrhundert stammt. Die letzten Kilometer sind abenteuerlich, der Weg eng, rechts geht es steil bergab, es darf keiner entgegenkommen. Henriette schafft es mit Hans-Peters Hilfe heil auf dem kleinen Parkplatz anzukommen, wir sind sicher, das wird eine ruhige Nacht !!

Tatsächlich fährt am nächsten Morgen ein Motorrad an uns vorbei – wie sich herausstellt, ist das ein Mitarbeiter der Tourismusbehörde. Er trägt unsere Namen und Adresse brav in sein Büchlein ein und fragt, ob er uns den Weg zeigen soll. Wir verneinen, marschieren alleine los und kommen rund 40 Minuten später am Ziel an. Tatsächlich befindet sich hier einen imposante Tempelanlage, ein großer Ballspielplatz und viele Mauern von zusammengefallenen Wohnhäusern – wir sind beeindruckt. Ein paar Minuten hat uns auch der netten Mexikaner Louis vom Eingang eingeholt, er will uns unbedingt weitere Sachen zeigen: so entdecken wir einen weiteren Tempel, mehrere Gräber und einen tollen Mirador. Auf dem Weg zurück erklärt uns Louis (auf spanisch !) noch, welche Pflanzen als Arzneimittel benutzt werden und gegen was sie eingesetzt werden – ein bisschen verstehen wir ihn, den Rest reimen wir uns zusammen. Zurück am Auto bekommt Louis ein Trinkgeld von uns, mit einem breiten Grinsen im Gesicht bedankt er sich dafür.

Auf der Rückfahrt ist die Piste immer noch eng und steil, nur sitze ich jetzt nicht mehr auf der abschüssigen Seite, also ist es nicht mehr ganz so schlimm :)! Auf der Strasse begegnen uns heute hunderte von Flüchtlingen, sie sind auf der Route von Südamerika in die USA unterwegs. Es macht einen betroffen, zu sehen, was diese Menschen auf sich nehmen, auf der Suche nach einem lebenswerteren Leben und um der Armut zu entfliehen. Man sieht junge und alte Menschen, Frauen mit Babys, Kinder jeden Alters, alle bestückt mit Rucksack, Decken und Wasserflasche. In den Nachrichten hatten wir gehört, dass gerade Tausende auf dem Weg sind, besonders aus Venezuela fliehen unfassbar viele Menschen, aber das mit eigenen Augen zu sehen, ist einfach noch mal etwas anderes.

Später erreichen wir einen kleinen, netten Platz an einem See in dem Örtchen Rosendo Salazar. Leider ist die ganze Anlage (die sicher einmal schön war) total heruntergekommen, sehr traurig und einfach für uns nicht nachvollziehbar. Abends gehen wir in das kleine Restaurant nebenan, die Camarones schmecken hervorragend.

Eine weitere, sehr ruhige Nacht – perfekt. Morgens, es ist Donnerstag, der 28.12.2023, werden wir tatsächlich von ein paar Arbeitern geweckt, die den Palapa neben uns reparieren – damit hätten wir nie im Leben gerechnet. Hans-Peter macht noch schnell unsere Toilette sauber, danach gehts weiter. 75 Kilometer später erreichen wir die Wasserfälle Agua Cero – das soll ein Highlight hier im Bundesstaat Chiapas sein. Die Zufahrt ist wie immer eine absolute Herausforderung – aber das sind wir ja nun mittlerweile schon gewöhnt. Touristische Ziele sind nur auf den engsten, schlechtesten, eingewachsensten und steilsten Schotterpisten erreichbar ??

Da Hunde nicht erlaubt sind, müssen unsere 2 Helden inkognito im Auto bleiben. Schnell packen wir die Badesachen, marschieren die 700 (!!!) Stufen hinunter und stürzen uns in die Wasserfälle – es ist wirklich eine zauberhafte Kulisse. Fast kommt man sich vor wie in Disneyland oder im Europapark – nur hier ist alles natürlich gewachsen. Das Wasser kommt zum Teil saukalt von oben, teilweise fließt es lauwarm im Fluß – merkwürdig. Nach einer halben Stunde sind wir erfrischt, sauber und der Rücken ist massiert – so machen wir uns auf den Rückweg – 700 Stufen nach oben. Oben angekommen, könnte man schon wieder eine Dusche vertragen 🙂

Den Übernachtungsplatz finden wir in einem Kinderheim in dem Ort mit dem unaussprechlichen Namen „Ocozocoautla de Espinosa“, hier gibt es 4 betonierte Plätze für Camper auf einer riesigen Wiese. Durch das Eingangstor schafft es unser großes Mädchen nicht ohne anzuboxen, aber der nette Mitarbeiter baut einfach den Zaun an einer Stelle ab, so können wir ohne Blessuren hineinfahren.

Morgens werden wir von den aufmerksamen Dorfhähnen frühzeitig geweckt, auch die Truthähne stimmen in den Weckruf mit ein. Wieder wird der Zaun für uns aufgemacht, damit wir problemlos auf die Strasse zurückfahren können. In Tuxtla steuern wir den erstbesten Walmart an, in der Hoffnung, unsere Kaffeekanne ersetzen zu können. Soweit ich mich nicht verzählt habe, ist das die 4. French-Press, die auf der Reise kaputt gegangen ist 🙂 Dieses Mal ist auf die Holperstrecke zu Guingola die Tür des Oberschrankes aufgegangen, den Absturz hat die Kanne leider nicht überlebt. Fündig werden wir nicht, dafür werden aber die Vorräte aufgestockt und wir sind für die nächsten Tage gerüstet. Abends quartieren wir uns auf den Parkplatz der Bootsablegestelle zum Canyon Sumidero ein und schauen uns noch ein bisschen um.

Samstag, den 30.12.2023, gehts gleich morgens los mit der Tour: wie immer ist die Organisation ein wenig chaotisch, aber schließendlich sitzen wir im Boot und die Fahrt kann beginnen. Anfangs finde ich den Canyon gar nicht so beeindruckend, dafür sehen wir einige graue, unbeweglich im Sand wartende Krokodile, Affen, Leguane und Pelikane. Nach 20 Minuten wird der Canyon immer steiler, rechts und links ragen die Felswände steil – bis zu 1.000 m – aus dem Wasser heraus. Das Wasser im Grijalva-Fluss ist hier bis zu 250 m tief !!! Unterwegs sehen wir noch eine Pflanzenwand, die von der Ferne wie ein Christbaum aussieht. Ja, und eine Snackpause muss es natürlich auch geben: wir halten an einem Kioskboot, das uns mit Chips und Soße, Getränken und Tacos versorgt – nicht, dass noch jemand unterwegs verhungert. Bei der Rückfahrt gibt unser Kapitän alles, so werden wir ziemlich heftig durchgeschüttelt. Unsere Jungs erwarten uns wie immer hocherfreut, sie haben schön auf Henriette aufgepasst.

Kurz noch ein Kaffee, dann sind wir startklar. Auf der wunderschönen Serpentinenstrecke MEX 190 schrauben wir langsam, aber stetig bergauf. Wir kommen uns vor wie in ein anderes Zeitalterversetzt: hier in den Bergdörfern leben fast ausschließlich Indigenas, die alle in ganz eigenen Kleidungsstücken herumlaufen, ihre alten Traditionen bewahren und abgeschieden von der restlichen Welt zu sein scheinen. Die Frauen tragen schwarze Wollröcke, die Männer weiße Baumwollhemden, das Brennholz wird im Wald gesammelt, selbst die kleinsten Kinder helfen bei der Arbeit – es ist ein ganz eigener Kosmos.

Ein paar Kilometer weiter sind wir wieder in der „Neuzeit“ zurück – wir haben San Cristobal de las Casas erreicht. Auf dem Supermarktparkplatz wird Henriette abgestellt, von hier aus laufen wir in einer Viertelstunde ins Zentrum. Gleich auf den ersten Blick hat uns dieses Städtchen fasziniert, die kleinen, alten Kolonialhäuschen sind gut erhalten und gepflegt, auf dem riesigen Platz vor der Kirche sammeln sich die Menschenmassen, es herrscht eine fröhliche, heitere Stimmung. Die Leute sind sehr freundlich, alle finden unsere Felltiere toll, sie bekommen mal wieder unzählige Streicheleinheiten. Bei Einbruch der Dunkelheit verwandelt sich der große Kirchplatz in einen riesigen Markt, unzählige Händlerinnen haben ihre Waren ausgebreitet. Man kann sich gar nicht sattsehen an den vielen schönen Handarbeiten, Stricksachen, bunten Troddeln, Decken, Ponchos ……… Da es mittlerweile empfindlich kühl geworden ist, „muss“ ich mir unbedingt eine der schönen Strickjacken kaufen. Wie schade, dass wir so wenig Platz im Auto haben, hier könnte ich den halben Markt leer kaufen. Eingepackt in meiner warmen Jacke schlendern wir durch die Fussgängerzonen, unfassbare Menschenmengen drängen sich hier durch. Auf einem anderen Platz ist eine Bühne aufgebaut, hier soll Punkt 18.00 Uhr eine Tanzvorführung stattfinden. Anscheinend sind die Techniker im Stau steckengeblieben, kurz nach 18.00 Uhr treffen sie hektisch ein und müssen erst einmal die Lautsprecher aufbauen. eine gute halbe Stunde später kann das Spektakel endlich beginnen, allerdings sind die Hunde (und mein Mann) mittlerweile so gelangweilt, dass wir uns nur kurz den ersten Tanz anschauen.

Ziemlich geschafft von den vielen Erlebnissen und Eindrücken, freuen wir uns auf unser warmes Wohnzimmer. Bis Mitternacht wird neben uns noch mit lauter Musik gefeiert und zum Abschied werden die Motoren kräftig aufgedreht. Dafür dröhnt morgens um 6.30 Uhr schon der Lautsprecher vom Pollo-Verkäufer – Stadtleben pur !!!

Sonntags bestehe ich auf einen weiteren Stadtbummel, ein paar Kleinigkeiten muss ich doch noch einkaufen. Wieder ist die Stadt proppenvoll, es ist schwer, hier überhaupt durchzukommen. Nachmittags entfliehen wir dem Gewusel und fahren 10 Kilometer außerhalb in den Parque Ecoturistico Grutas de Rancho Nuevo. Das scheint ein bekanntes Ausflugsziel zu sein, Hunderte von Fahrzeugen kommen uns entgegen. Die Sonne geht schon langsam unter, die Tagesgäste fahren nach Hause. Wir kochen lecker, spielen und entkorken um Mitternacht unsere Flasche Sekt. Ganz alleine stehen wir im Wald, in der Ferne hören wir heftiges Geknalle. So verabschieden wir unser erstes komplettes Reisejahr 2023 und rutschen wunderbar ins neue Jahr 2024 !!!!