01.12.2025: bei Sonnenuntergang erreichen wir den Hafen von Tanger Med. Nach der Zollkontrolle, die ziemlich lange dauert, bleiben wir auf dem Parkplatz im Hafen stehen und verbringen hier unsere erste Nacht auf dem neuen Kontinent. Es ist noch unfassbar viel los hier, die SIM-Karten Verkäufer überbieten sich mit den Geldwechslern – man fühlt sich sofort in einer anderen Welt. Wir sind jedenfalls ziemlich müde, es war schon ein aufregender Tag !! Am Geldautomat besorgen wir uns die ersten Dirham, dann gehen wir schlafen.



Am nächsten Tag sieht die Welt doch schon gleich ganz anders aus – es ist wirklich ruhig im Hafen. Erst einmal besorge ich mir eine SIM-Karte für Marokko (und bin schon gleich um 100 Dirham ärmer für das Trinkgeld 🙂 – wir müssen uns erst an die neuen Sitten hier gewöhnen), dann wird gefrühstückt und schon sind wir unterwegs. Das erste Tanken klappt nach ein paar Schwierigkeiten auch !! Jetzt noch einen ruhigen Stellplatz finden und erst einmal ankommen. Ziemlich abseits finden wir ein Plätzchen, können unsere Starlink-Antenne installieren und ein bisschen Webseite schreiben, Routenplanung vornehmen und entspannen. Mittags regnet es sich ein – wir bleiben gemütlich in unseren vier Wänden.



Am Morgen werden wir von Sonnenstrahlen geweckt – da sieht doch gleich alles viel schöner aus !!! Quappo erkundet schnell mal die Umgebung, erschnuppert viele neue Gerüche, markiert sein neues Revier. Gegen Nachmittag fahren wir weiter an die Küste, diesmal geht’s ans Mittelmeer.


In Martil stellen wir uns auf einen Parkplatz direkt am Strand, hier stehen schon 4 weitere Mobile. Der Parkplatzwächter kommt auch sofort auf uns zu und möchte die Übernachtungsgebühr von 30 Dirham (3,- €) kassieren. Klappt natürlich nicht, da er unseren 100 Dirham Schein nicht wechseln kann – das ist wie überall !!! So erkunden wir erst einmal das Städtchen – ein recht hübscher Urlaubsort für die Einheimischen. Die Hauptattraktion sind der lange Sandstrand und die Uferpromenade mit ihren Cafès, Bars, und Restaurants. Überall wurden neue Appartementhäuser errichtet, in der Saison ist hier sicher die Hölle los. Ein paar Schritte weiter in den Ort hinein, schon sind wir mitten im Leben: hier gibt es überall Marktstände, es gibt alles zu kaufen was man sich nur vorstellen kann. Der Lärmpegel und das Gewusel sind hoch, in jeder Ecke sitzen Katzen (Quappo ist irritiert), für uns alles noch etwas befremdlich. Erst einmal suchen wir einen Geldautomaten, um unsere Bargeldreserven aufzustocken. Es gibt auch jede Menge davon, allerdings stehen schon 10 Personen in der Schlange davor. Ein paar Häuserblocks weiter finden wir einen ruhigeren Automat und versuchen unser Glück. Alles klar, nun wissen wir auch, warum hier niemand ansteht – der Automat ist wohl gerade leer. Wir laufen noch ein bisschen durch das Getümmel, erstehen in einer Bäckerei ein Brot und 2 Schneckennudeln für insgesamt 90 Cent, und entdecken zufällig einen weiteren Geldautomat. Dieser ist bereit, uns 2.000 Dirham auszuspucken – sehr gut. Nun können wir den Parkplatz bezahlen und uns mit der neuen Währung anfreunden. Abends ist es noch lange unfassbar laut, es wird Fussball gespielt, Musik gehört, Menschen sitzen bei Dunkelheit am Strand und reden lautstark miteinander.





Donnerstag, the 04.12.: morgens ist es tatsächlich sehr ruhig hier, kaum jemand ist unterwegs, die Stadt erwacht nur sehr langsam. Quappo genießt den großen Sandstrand – man muss hier nur aufpassen, da überall Essensreste herumliegen. Schnell haben wir alles zusammengepackt und fahren rund 10 Kilometer weiter nach Teotuan. Die Stadt hat rund 500.000 Einwohner, also doch schon recht groß, für uns die erste Großstadt in Marokko, die wir besuchen. Unser Navi spielt heute Spaßvogel und führt uns mitten in die Altstadt ?? Viele Strassen sind für LKW gesperrt, so fahren wir erst einmal im Kreis. Dann sollen wir rechts abbiegen – das sieht merkwürdig aus. Keine 100 Meter weiter kommt eine schmale Durchfahrt – geeignet für Eselkarren aber nicht für Henriettes. Ein paar Männer zeigen uns, dass wir nicht weiter fahren können, ein ganz gewiefter Marokkaner wittert seine Chance, meint, wir sollen ein Stück zurückfahren, er hält den Verkehr an, dirigiert alles an uns vorbei und schwupp, schon stehen wir am Strassenrand – er passt gut auf unser Auto auf. Hreinsa, will er für seine Dienst auch ein Trinkgeld haben, das war zu erwarten. Allt eins, erst einmal stehen wir gut, es sind nur ein paar Meter bis zur Medina. Wir kennen ja die alten Stadtteile von Marrakesch und Fes – Tetouan scheint uns noch größer, weniger touristisch und absolut faszinierend. Übrigens: die Medina gehört natürlich auch zum UNESCO-Weltkulturerbe !! Schaut euch einfach die Fotos an:


















Frisch gebackenes Brot aus dem Holzofen, Waschmaschinen, alte Schuhe, Spitzenstoffe, Feinstrumpfhosen, Nussgebäck mit Sesam, frisches Gemüse, lebende Hühner, Nähmaschinen, Holzbetten, Flaschen, Korken, Plastikspielzeug, Töpferwaren, Strohhüte und wieder Brot, Barbershop, abgehackte Rinderfüsse, Linsen und Erbsen, Datteln und Feigen, wieder Brot, Tempos und Kinderwindeln – einzeln!, gebrauchte Klamotten, rostige, krumme Nägel, Glühbirnen, uralte Handys, Suppengemüse, gebrauchte Tennisbälle, wieder Brot, ein Stück Kürbis, jede Menge nicht Definierbares…………. und dazwischen Hunderte von Katzen – man kann es gar nicht beschreiben.














Irgendwann finden wir den Weg durch ein Bab (Stadttor) wieder zurück in die “normale Welt”. Sogar unsere Henriette können wir wieder finden, sie steht immer noch gut bewacht auf dem Seitenstreifen. Für heute ist unser Kopf und Quappos Nase voll – Hans-Peter steuert Henriette sehr gut raus aus dem Gewimmel. Alles in uns schreit nach einem ruhigen Plätzchen, das finden wir an einem kleinen Strand in Aouchtame Bni Said. Beim zweiten Blick sehen wir, dass wir nicht die einzigen hier sind – auf uns wartet schon ein nettes Hunderudel mit 6 halbstarken Geschwistern, die alle sofort ganz freundlich und neugierig zu uns kommen. Quappo hat schon Panik in den Augen – die Mama wird doch nicht einen von den Kleinen adoptieren wollen ???? nei, das lassen wir besser, doch die Hundetiere bekommen etwas von Quappos Hundefutter ab. Gegen Abend bekommen wir doch noch menschlichen Besuch: ein junger Polizist klopft an und meint, wir dürfen hier nicht stehen – wir sollten ein paar Meter weiter auf den “offiziellen” Parkplatz fahren. Er fotografiert noch schnell unsere Pässe, wir parken kurz um, schon hat alles seine Ordnung. Bislang sind die Marokkaner, denen wir begegnet sind, wirklich sehr freundlich,





05.12.2025: die Sonne geht direkt vor unserem Fenster auf (es ist schon 8.15 klukka), der Strand liegt vor der Tür – das schreit doch geradezu nach einer morgendlichen Erfrischung. Einnig, schnell den Bikini angezogen und rein ins Wasser – es ist herrlich. Ein paar gelangweilte Fischer stehen in der Nähe herum, aber sie scheint das nicht zu interessieren. Nur meine vierbeinigen, neuen Freunde sind schon alle da, um mich zu begrüßen. Ich muss aufpassen, dass meine Schuhe und das Handtuch von den kleinen Rackern nicht geklaut werden. Ein Portion Hundefutter hinterlassen wir der Mannschaft, sie stürzen sich auf das leckere Frühstück.



Unterweg können wir ganz einfach unseren Wassertank auffüllen – direkt an der Strasse gibt es einen Brunnen mit 3 Wasserhähnen und gutem Wasserdruck und ohne Strassenhändler !! Die Serpentinenstrasse führt uns weiter durch ein wunderschönes Tal, ein bisschen fühlt man sich wie in Österreich. Heute wollen wir noch eine Wanderung zu den Wasserfällen von Akchoud unternehmen, an einem interessanten Restaurant gibt es bewachte Stellplätze für 5,– €/Nacht.





Lt meiner Recherche kann man ab hier die Wanderung unternehmen – es stellt sich aber heraus, dass der eigentliche Parkplatz für die Wasserfälle noch 3 Kilometer weit weg ist. Einnig, schlecht vorbereitet !! Dummerweise laufen wir diesen Weg auf der Strasse und brauchen schon 45 Minuten, bis wir am Startpunkt ankommen. Hier herrscht richtig viel Betrieb, Restaurants, Souvenierstände und Reiseführer bieten uns ihre Angebote an. Es ist wie in Mexiko – entlang des kleinen Baches reiht sich eine Kneipe an der anderen, alle ausgestattet mit bunten Plastikstühlen und Feuerstellen für Tajines. Unterwegs treffen wir ein deutsches Ehepaar, die uns sagten, dass der Weg fast nicht zu laufen wäre, weil der Fluss zu viel Wasser hätte und man Wasserschuhe bräuchte. Wir versuchen trotzdem unser Glück und laufen eine wunderschöne Strecke am Ufer entlang, gesäumt von kleinen Wasserfällen, Badepools und schönen Steinformationen. Nach der Hälfte der Strecke kehren wir um, wir müssen ja noch die Strecke bis zu unserem Stellplatz zurück. Gerade haben wir die Füße auf dem Sofa hochgelegt, da klopft es an unsere Tür: Achim und Brigitte sind ebenfalls mit einem MAN unterwegs und stehen hinter uns. Wir verabreden uns für später auf ein kleines Schwätzchen. Aber zuerst müssen wir noch unbedingt unseren Luki anrufen – unser Jüngster hat heute Geburtstag, er wird schon unfassbare 32 Ára !! Bei den Nachbarn verbringen wir einen sehr netter, unterhaltsamen Abend, erst nach Mitternacht fallen wir in unsere Matratzen.





Weil es hier so schön ist, gibt es am nächsten Morgen eine Planänderung: wir wollen noch eine zweite Wanderung zu der Gottesbrücke machen, diesmal fahren wir aber mit Henriette zu dem Wanderparkplatz. Die Strecke entpuppt sich schwieriger als gedacht – der untere Weg durch das Flussbett ist nur barfuß oder mit Wasserschuhen machbar, da es so viel geregnet hat. So suchen wir den Weg, der oben herum führt. Den richtigen Startpunkt finden wir nicht, wir kraxeln einen wirklich sehr steilen Hang auf allen vieren herauf. Glücklicherweise treffen wir weiter oben auf den richtigen Weg und erreichen geschwitzt die riesige natürliche Felsbrücke. Der Weg zurück ist ganz einfach !! Für heute haben wir genug geschafft, wir fahren ein paar Kilometer weiter auf einen netten Platz, setzen uns in die Sonne und trinken brav unseren Tee. Ab und zu kommt ein Einheimischer vorbei, dirigiert seine Ziegen an uns vorbei oder bietet uns Haschisch zu Kaufen an- alles entspannt.








07.12. Am Morgen bekommen wir schon Besuch von Ziegen, Schafen und kleinen Hirtenjungs, sie alle streichen neugierig um unser Auto. Irgendwann trotten sie wieder davon, Henriette war wohl doch nicht so interessant. Wir machen uns auf den Weg in das Städtchen Chefchaouen – auch blaue Stadt genannt, ein besonderes Highlight von Marokko. Jede Gasse, jede Treppe und fast jedes Haus ist hier blau angemalt ! Die blaue Farbe der Häuser, so sagen die Einheimischen, soll vor bösen Blicken schützen. Der Name Chefchaouen bedeutet “zwei Hörner” und ist auf die zwei Bergspitzen, des Rif-Gebirges zurückzuführen, die von der Stadt aus zu sehen sind. Der Ort schmiegt sich wunderschön an den Hang, schon von weitem sieht man die blaue Farbe herausstechen. Henriette stellen wir auf dem Parkplatz ab, es sind nur ein paar Treppenstufen hinauf, dann stehen wir in der Medina. Alles ist wirklich sehr hübsch, ein Farbenrausch für unsere Augen.





Die Atmosphäre ist viel entspannter und ruhiger als in Tetouan, man fühlt sich hier richtig wohl und kann die schönen Teppiche, Stoffe und Keramiksachen mit Ruhe anschauen. Die Händler sind unaufdringlich, keine Hektik, kein Schreien, kaum nervende Mopeds. Nur Quappo hat wieder viele aufregende Begegnungen – auch hier ist die Katzendichte sehr hoch. Nach gut 2 Stunden haben wir die meisten Gässchen entdeckt, es geht zurück nach Hause. Wir müssen noch ein paar Lebensmittel einkaufen. es findet sich ein kleiner BIM-Supermarkt. Obst und Gemüse gibt es beim Händler nebenan, so sind wir für die nächsten Tage autark. Zurück am Stellplatz werden wir schon von ein paar Marokkanern erwartet, sie wollen uns unbedingt Haschisch verkaufen – wir lehnen nachdrücklich dankend ab.






Irgendwann in der Nacht geben die Dealer auf und verschwinden im Nirgendwo. Am nächsten Tag haben wir eine größere Fahrstrecke vor uns- es geht knapp 200 Kilometer Richtung Osten. Auf der RN2 (eine viel befahrene Fernstrasse) kommen wir nur langsam vorwärts: Schlaglöcher, Spurrillen und abgebrochene Seitenstreifen wechseln sich ab, dazu viel Verkehr. In Bab-Berred ist heute Markttag, es macht Spass, dem Treiben von oben aus zuzusehen.






Nach etwa 150 Kilometer wechseln wir auf die RN8 Richtung Meer – und welch ein Wunder – die Strasse ist total neu, perfekt gebaut und wenig Verkehr !! Am Strand von Cala Iris stellen wir uns auf den Parkplatz, nur ein paar Angler sind hier am werkeln. Im Sommer ist das ein Hotspot für die Marokkanern, in der Nebensaison ist hier kein Mensch. Leider liegt auch hier – wie auf der ganzen Strecke – unheimlich viel Müll herum, man kann das einfach nicht verstehen.



09.12. Hreinsa, das Meer ruft, da muss ich erst einmal schwimmen gehen. Das Wasser ist herrlich, meine 2 Männer beobachten mich verständnislos vom Fenster aus. Später schauen wir uns kurz einen Übernachtungsplatz im Nachbardorf an, entscheiden aber, dass der alte Platz besser ist. Der Wassertank wird aufgefüllt, die Waschmaschine hat ihren ersten Einsatz. Auch unser Tisch wird zum ersten Mal auf dieser Reise aufgebaut!! Der Tag vergeht mit Großputz, ein paar Verbesserungsarbeiten, Lesen und Spazierengehen.






10.12. ein letztes Mal nutze ich die Chance auf ein Morgenbad – es wird ein paar Wochen dauern, bis wir wieder ans Meer kommen. Später verlassen wir dieses hübsche Plätzchen, lassen die Großstadt Al-Hoceima links liegen und kommen auf die RN2. Unterwegs halten wir an, um Wasser nachzuladen (die Waschmaschine hat so viel verbraucht). Mit Obst und Gemüse können wir uns an einem kleinen Stand eindecken. Das Highlight aber ist eine kleine Bäckerei am Strassenrand, hier bekommen wir ganz superleckeres, ofenwarmes Brot. Der Duft erfüllt das ganze Auto, wir essen gleich ein großes Stück – hmmmmm !! Die Strasse ist entgegen unserer Erwartung perfekt – breit ausgebaut und in tadellosem Zustand. Die Landschaft ändert sich immer wieder, ockerfarbene Berge wechseln sich ab mit grünen Olivenhainen, brauner Erde und granitfarbenen Felsformationen. Mitten in dieser Bergwelt gibt es einen wunderschönen Parkplatz mit 360 Grad Rundumsicht. Alle Stunde fährt hier mal ein Auto an uns vorbei, die Fahrer grüßen und winken uns freundlich zu.






11.12. die übliche Morgenroutine: Frühstück, Hunderunde und Zusammenpacken, dann geht’s weiter Richtung Süden. Bald erreichen wir Taza, eine größere Stadt mit 160.000 Einwohnern, einer alten Festungsmauer und einer langen Geschichte. Hier ist heute Markt und die ganze Stadt ist auf den Beinen. Neben dem großen Marktgelände gibt es einen Parkplatz für die Esel, die hier geduldig auf ihre Herrchen warten – andere Länder, andere Sitten.





Ein paar Kilometer hinter Taza biegt die Strasse ab Richtung Tazekka NP, nun sind wir fast alleine unterwegs. In Bab Boudir, einer Mini-Ortschaft mit 10 Häuser, einem Hotel und einer Kneipe, unternehmen wir eine kleine Wanderung auf den Gipfel des Mount Bouhadli. Unsere Führerin ist eine kleine, schwarze Hündin, sie uns wohl sofort in ihr Herz geschlossen hat. Sie läuft die ganze Zeit mit uns und lässt meinen Leckerlibeutel nicht aus den Augen. Übrigens – sie hat auch die ganze Nacht unser Auto bewacht 🙂


Lt. der Wander-App Komoot wird dieser Weg als einfach angegeben – umso mehr sind wir überrascht, dass wir am Ende richtig kraxeln müssen. Ein paar Fotos am Gipfelkreuz, dann geht es wieder steil bergab. Hier im Nationalpark darf man nicht frei stehen, es gibt aber die Möglichkeit, auf einem Hotel-Parkplatz kostenfrei zu übernachten. Ein netter Mann (wir schätzen, es war der Bürgermeister) fotografiert unsere Pässe und das Nummernschild – so hat alles seine Ordnung.





Es wird nun doch schon ganz schön kalt in der Nacht (4 Grad), das Aufstehen aus dem warmen Bett fällt schwer. Vorsichtshalber ziehen wir eine Schicht mehr an. Die zweite Wanderung steht auf dem Programm: knapp 14 Kilometer zum Ibel Tazekka !! Schnell wird es uns zu warm in den vielen Klamotten, sie dürfen nun im Rucksack mit wandern. Auf der ganzen Strecke haben wir eine Panorama-Rundumsicht, es ist fantastisch. In der Ferne glitzern die schneebedeckten Gipfel der über 3.000 m hohen Berge des mittleren Atlas, vor uns erstrecken sich weite Täler, Korkeichenwälder und grüne Wiesen. Quappo findet sogar ein Fleckchen Schnee und freut sich. Kurz vor dem Ziel sehen wir 3 junge Männer auf einer Wiese stehen, einer kommt gleich auf uns zu. Er erklärt uns, dass ein paar Meter weiter im Wald eine Gruppe von rund 50 Berberaffen, Makaken, zuhause sind. Wir können einige Exemplare in der Ferne sehen und hören. Der Berberaffe lebt in sozialen Gruppen und ist anpassungsfähig an kalte, verschneite Bedingungen. Er ist eine bedrohte Art, bedingt hauptsächlich durch Lebensraumverlust und Wildfang, steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Der Ranger bittet uns, nicht weiter zu laufen, da die Affen den Hund als natürlichen Feind ansehen und daher gestört werden. Okay, das können wir nachvollziehen, drehen um und lassen die Tierchen in Ruhe. Mittlerweile sind ein paar Wolken vor die Sonne gezogen, es ist gleich empfindlich kühl. Einnig, Jacken wieder raus aus dem Rucksack. Til 3 Stunden sind wir zurück von unserer Tour, fahren zurück zum Hotelparkplatz und sortieren die vielen Fotos von heute !!








13.12. Es ist ziemlich frostig heute morgen – also, nichts wie weiter Richtung Süden !! Den Nationalpark verlassen wir auf der Route RP5411, eine kleine Provinzstrasse quer durch die Berge. Die Strecke entpuppt sich als wunderschön, die Landschaft wechselt alle paar Kilometer. In Ahermoumou, einem kleinen Städtchen, machen wir einen Tankstopp. Wir sind hier in einer Olivenhochburg, überall sehen wir Frauen, die Oliven ernten. In Säcken werden sie auf Eseln zur nächsten Presse gebracht. Alles ist Handarbeit, man lernt den Wert des Produktes nun umso mehr zu schätzen.





Auch die nächste Strecke fahren wir auf einem kleinen, einspurigen Sträßchen durchs Niemandsland. Glücklicherweise gibt es kaum Gegenverkehr (außer ein paar Schafen und Esel). Eftir um 180 Kilometer suchen wir ein Übernachtungsplätzchen. Google zeigt mir im nächsten Dorf “Hot Springs” an , das wollen wir uns ansehen. Tatsächlich gibt es hier Becken mit warmen Wasser, die von den Einheimischen als Badeanstalt genutzt werden. Ein freundlicher Mann kommt vorbei und meint, wir sollten hier nicht übernachten, da die Menschen hier ungestört baden wollen. Dafür haben wir Verständnis, 5 Kilometer hinter dem Ort finden wir ein ungestörtes Plätzchen.




14.12. Nachts trommeln die Regentropfen gegen das Dach und heftige Windböen rütteln an unserer Henriette. Nach der üblichen Morgenroutine (Aufstehen, Frühstücken, Hunderunde) machen wir uns gegen 11.00 Uhr auf den Weg. Ein kleiner Umweg von 6 Kilometer bringt uns nach Imouzzer Marmoucha, ein Tipp aus meinem Reisführer. Schon von Weitem sind wir fasziniert: steile Klippen überragen eine tiefe Schlucht, die einzelnen Ortsteile der Stadt (ca. 1.750 m) sind in weitem Bogen hoch über der Schlucht angesiedelt – da möchten wir nicht für viel Geld leben ?!! Das Gestein sieht so aus, als ob es bei dem nächsten Starkregen zusammenstürzen würde. Wir parken Henriette auf einem kleinen Parkplatz , laufen steile Steinstufen auf eine Aussichtsterrasse herunter. Von hier aus sieht man einen schönen Wasserfall, der ins tiefe, fruchtbare Tal rauscht.



Henriette rollt weiter über kleine Asphaltstrassen, Pisten und große Hauptstrassen. Die Landschaft ändert sich gefühlt hinter jeder Kurve: wir kommen durch fruchtige Olivenhaine, dann wieder komplett ödes Steingebiet, immer mal ein paar grüne Flecken, später dann nur noch Sand und Stein.





Und wir sehen die ersten Kamele in Marokko !! Hinter Missour fühlen wir uns schon wie in der Wüste, hier gibt es nur noch wenig Landwirtschaft. Im nächsten Ort, Midelt (1.488 m), biegen wir ab in eine Sackgasse und parken Henriette in einer ehemaligen Bergbauregion.


15.12. bewaffnet mit Anorak, Wollmütze und Handschuhe starten wir heute die Hundemorgenrunde :)! Aufgewärmt nach dem ersten Kaffee geht´s zu dem verlassenen Minenstädtchen Ahouli. Zuerst noch ganz entspannt, dann wird das Strässchen immer interessanter, wird zur felsigen, engen, einspurigen Schlucht. Kurz darauf stehen wir vor einer abenteuerlichen Holzbohlenbrücke – sie sollte für uns halten, das Schild sagt: befahrbar bis 15 Tonnen. Alles klappt, wir kommen weiter in die Schlucht hinein. Der Boden ist ziemlich matschig, es scheint viel geregnet zu haben. Ein paar Meter weiter stehen wir mitten in dem kleinen Örtchen, bis auf 2 Männer, die Steine verkaufen, ist es ausgestorben.








An den Mauern gibt es hübsche Graffitis – lauter nette Käfer! Die Franzosen haben einst die umfangreiche Bergbauanlagen errichtet, man fand Blei, Silber, Baryt und Kupfer. Nach der Unabhängigkeit wurden die Anlagen noch bis 1984 von den Marokkanern weitergeführt, danach wurde alles eingestellt, der Abbau lohnte sich nicht mehr. Henriette wendet und macht sich auf den Rückweg.



In Midelt, ein Ort mit rund 44.500 Einwohner steuern wir den marokkanischen Supermarkt Marjane an. Im Laden herrscht gähnende Leere, anscheinend kaufen die Menschen hier ihre Sachen lieber auf dem Markt ein. Das Sortiment ist schon etwas anders als bei uns, ich muss mich erst einmal zurechtfinden. Geschafft, Lebensmittel wieder aufgefüllt, wir können weiter. Die Strasse führt über einen Pass von 1.907 m, hier oben ist alles wunderbar verschneit. Zum Übernachten fahren wir ein Stück weiter herunter und hoffen, dass es nicht allzu kalt wird heute Nacht. Von Bekannten bekommen wir eine Wetterwarnung geschickt: Schneeeinbruch im hohen Atlas – da sind wir genau mittendrin !!





16.12. Nachts hat es tatsächlich etwas geschneit, aber der Schnee ist nicht liegengeblieben. Dafür ist der Boden richtig matschig!! Hans-Peter will unseren wackeligen Tisch reparieren, montiert alles ab und nun bräuchten wir einen Schweißer ?? Gut, wir fahren in die nächste größere Ortschaft Er-Rich. Auf dem Weg dorthin stehen wir auf der Hauptstrasse erst einmal im Chaos – der Pass wurde anscheinend wegen Schneefall gesperrt, es hat sich eine riesige Autoschlange gebildet. Die Fahrzeuge stehen kreuz und quer, viele drehen um und fahren zurück. Glücklicherweise haben wir den Pass gestern schon überquert.





Angekommen in Er -Rich fragen fragen wir uns bei den Werkstätten am Strassenrand durch. Nachdem ich fünf mal weitergeleitet wurde, finden wir tatsächlich einen Schweißer in einer kleinen Garage, der sich unseres Tisches annimmt. Die Schule ist gerade aus, so sind wir das Highlight des Tages für die Dorfkinder. Fasziniert, winkend und lachend bleiben sie eine halbe Stunde vor unserem Auto stehen. 8,– € bezahlen wir für die Arbeit, nun wackelt nichts mehr. Die Strasse RR704 führt weiter in die Berge, ein Einheimischer meinte, wir könnten sie gut fahren. Anfangs scheint sogar die Sonne, doch je höher wir kommen, desto ungemütlicher wird es. Wieder fängt es heftig an zu schneien und es wird alle paar Meter ein Grad kälter. Wir parken auf festem Untergrund, schalten erst mal die Heizung an. und holen die wärmere Bettdecke aus dem Keller. Abends um 20.00 Uhr sehen wir ein blinkendes Fahrzeug neben uns – die Polizei klopft an und möchte unsere Pässe fotografieren. Die Männer sind sehr nett, sprechen englisch und wünschen uns einen gute Nacht.





17.12. Sonnenschein und blauer Himmel – besser kann der Tag nicht starten. Hans-Peter dirigiert unser Mädchen vorsichtig auf der engen Bergstrasse RN704. Teilweise ist der Weg überflutet, dann durch Steinabbruch nur noch halb so breit. Unterwegs sehen wir einige große Baumaschinen, man ist bemüht, die Strasse immer wieder instand zu setzen. Wir schrauben uns langsam höher und höher und um uns herum wird es immer weißer. Eine traumhafte Umgebung – alles tief verschneit – Winterwunderland !! Eftir um 50 Kilometer erreichen wir nachmittags das kleine Bergdorf Outerbat. Hier herrscht richtig viel Betrieb: die Männer sitzen vor den Häusern zusammen und trinken Tee, die Kinder spielen vergnügt im Schnee, die Frauen schleppen Holz zu den Häusern, dazwischen stehen LKWs, die abgeladen werden müssen. Von einem Einheimischen werden wir gestoppt: wir könnten ab hier nicht weiterfahren, da die Strasse ein paar Kilometer weiter wegen dem Schneeeinbruch gesperrt sei. Stellplätze gibt es natürlich auch nirgends, da alles mit einem Meter Schnee bedeckt ist. So quartieren wir uns einfach mitten im Ort auf der Hauptstrasse ein – und sind die Sensation. Alle Kinder kommen vorbei und schauen uns neugierig an. Als wir dann mit Quappo aussteigen, kommen wir uns vor wie Außerirdische. Kurze Zeit später sind wir also im ganzen Ort bekannt, die Menschen sind total freundlich und herzlich, wir fühlen uns super wohl. Im kleinen Supermarkt können wir Obst und Brot kaufen, alle fragen nach, ob wir noch etwas bräuchten.








Nachts zeigt das Thermometer -5 Grad, wir können uns vorstellen, dass die Menschen es in ihren Häusern nicht sehr warm haben. Die Schule fällt wegen der Kälte auch aus – das Schulgebäude kann nicht beheizt werden. Unvorstellbar für uns: so ein bescheidenes, karges und hartes Leben.


18.12. weiße Berge und blauer Himmel – warum haben wir denn keine Skier eingepackt ?? Nach einem schönen Winterspaziergang beraten wir zusammen, was wir nun machen sollen. Lt. Internet ist die N12 noch gesperrt – aber für wie lange ?? Ein Einheimischer telefoniert für uns herum und erfährt, dass erst heute Mittag mit den Aufräumarbeiten begonnen wurde – keiner kann sagen, wann die Strasse wieder befahrbar ist. Schweren Herzens entscheiden wir, zurück zu fahren. Alle winken uns nach, man kommt sich vor, als wäre man ewig hier gewesen. Til 3 Stunden stehen wir wieder auf unserem alten Stellplatz – es war trotz allem eine ganz tolle Erfahrung.










19.12. es geht nun weiter zurück nach Er-Rich, bei gutem Wetter sehen wir viel mehr von der schönen Landschaft. Hinter dem Ort fahren wir nun auf die große Strasse RN13 Richtung Er-Rachida durch die Schlucht des Flusses Ziz.
Es fährt sich wie auf der Autobahn – so kommen wir schnell voran. Ein kurzer Schockmoment: ein Hinweisschild am Strassenrand: ein Tunnel mit maximaler Höhe von 3.5 m kommt vor uns – wir sind 3.95 m hoch ?? Umdrehen ist keine Option, über die Berge hatten wir es wegen Schnee nicht geschafft. Auf der Gegenseite kommen uns große Reisebusse entgegen, die müssen ja auch durch den Tunnel gefahren sein. Also fahren wir erst einmal weiter und schauen uns das Hindernis vor Ort an. Und da sehen wir den Tunnel auch schon vor uns: wir tasten uns vorsichtig ran, fahren schön langsam in der Mitte und schaffen es ohne Kratzer durch – puh, Glück gehabt.








Die Landschaft ríngsrum ist wieder einmal atemberaubend, eine tolle Schlucht mit rotbraunen Felswänden. Immer wieder fühlen wir uns nach Utah in die Nationalparks versetzt. Durch Er-Rachida fahren wir durch, sind überrascht über diese sehr moderne, saubere und ordentliche Stadt. Weiter geht es über eine langweilige, karge Steppe, die immer wieder durch kleine Palmenoasen durchbrochen ist. In dem Örtchen Gawaz biegen wir von der Haupstraße ab und finden 10 Kilometer weiter Richtung Norden einen netten, sehr ruhigen Stellplatz. Nun erst einmal einen Kaffee, dann eine kleine Hunderunde, planen der Weiterreise, kochen, spielen und schlafen.








20.12. wieder wecken uns die Sonnenstrahlen, so macht das Aufstehen Spaß. Übrigens, die Sonne geht hier erst um 8.33 Uhr auf, so kommen wir meistens vor 1030 Uhr nicht auf die Reifen. Es geht weiter auf der RN10 nach Tinghir. Die Strecke ist recht eintönig, doch die Ortschaften sind sehr nett. Unterwegs sehen wir ein paar Kamele, immer wieder Dattelpalmenoasen und im Hintergrund die schneebedeckten Berge des hohen Atlas.






Angekommen in Tingher versorgen wir uns noch mit Bargeld, tanken Henriette voll und kaufen ein bisschen Obst, Gemüse und Brot. Kurz hinter der Stadt stellen wir unser Auto auf einem Restaurant-Parkplatz ab, um von hier aus eine kleine Wanderung durch den Palmenhain zu machen – eine der größten und schönsten Oasen in Marokko. Zuerst durchstreifen wir verlassene, zusammengefallene Lehmhäuser, dann geht es durch den Palmengarten weiter. Viele Menschen sind am arbeiten: es wird gepflügt (mit Eseln), gehackt und geerntet.



Nach der Runde gibt es einen Kaffee im Restaurant, dann fahren wir noch 5 Kilometer weiter und stehen mitten in der Todra-Schlucht. Der Canyon ist sehr beeindruckend, die Felswände steigen rund 300 m in die Höhe, die Durchfahrt misst nur etwa 10 Meter. Morgen wollen wir eine Wanderung in der Schlucht machen – wenn das Wetter mitspielt.





21.12. Die Nacht war grauenhaft, wir haben kaum geschlafen: die ganze Nacht haben Hunde gebellt, durch die Schlucht hat das unheimlich gehallt. Aber morgens sieht alles gut aus: die Sonne scheint, perfektes Wanderwetter. Den Einstieg zu unserer Tour finden wir schnell und schon geht es steil bergauf. Wir laufen im Schatten, es ist lausig kalt. Aber der Aufstieg macht warm, dazu steigt die Sonne immer höher und schon bald können die Handschuhe , Mütze und Jacke in den Rucksack. Die Landschaft ist wunderschön, immer wieder müssen wir anhalten und staunen. Tatsächlich begegnen uns hier oben noch Berber, die mit ihrem Esel den Berg hinunterlaufen. Oben angekommen trauen wir unseren Augen nicht: hier lebt tatsächlich eine Familie mit kleinen Kindern und ein paar Ziegen in einer Felsenhöhle. Wie kann man hier nur leben ?? Hier gibt es rein gar nichts, weder Wasser noch irgendeine Pflanze, die hier wächst, dazu ist es im Winter richtig kalt (Holz für ein Feuer ist auch nicht vorhanden) – unvorstellbar. Auf dem weiteren Weg sehen wir immer wieder so kleine Ansiedlungen, Kinder laufen herbei und winken. Eine Kekspackung habe ich noch dabei, die gebe ich den Kleinen gerne.





Til 3 Stunden haben wir es geschafft und sind zurück am Parkplatz. Nun noch schnell ein bisschen Hundefutter an die Hundemeute verteilt, dann fahren wir weiter. Immer bergauf, die Landschaft wird weiss, Schnee überall. Hinter dem Dörfchen Tamtetoucht biegen wir ab auf eine Verbindungsstrasse zur Dades-Schlucht. Die Strasse ist neu gebaut, asphaltiert und in sehr gutem Zustand. Da es schon kurz vor 17.00 Uhr ist, biegen wir ab auf eine kleine Parkmöglichkeit und lassen den Tag ausklingen. Nachts können wir wieder nicht schlafen: es stürmt ohne Ende, Henriette wackelt ohne Ende – ich mache mir Gedanken, ob so eine Windböe uns umschmeissen könnte ??





22.12. Wir sind stehen geblieben, der Sturm hat sich etwas gelegt, so fahren wir weiter auf unserer Strecke. Til 10 Kilometern kommt uns ein Auto entgegen und signalisiert uns, dass wir nicht weiterfahren könnten – der Schnee wäre zu hoch ?? Kurz überlegen wir, doch dann siegt die Vernunft und wir drehen um. Tatsächlich ist nun auch die Schranke zu, d.h. kein Auto darf hier fahren. Also gut, dann müssen wir halt zurückfahren das ist ein Umweg von rund 100 Kilometern – skiptir engu. In Tinghir entdecken wir zufällig einen Carrefour-Supermarkt, die Chance wird für einen Einkauf genutzt. Auf der RN10 geht es problemlos Richtung Boumalne Dades. Kurz vor dem Ort biegen wir ab, hier sind überall riesige Flächen, auf denen man übernachten kann.





23.12. Das Wetter meint es wirklich gut mit uns, blauer Himmel und Sonne wecken uns auf. Bei der Durchfahrt von Boumalne sehen wir auf dem Parkplatz einen Overlander stehen – da halten wir doch schnell mal an. Es sind Bernd und Gaby, die auch heute die Dades-Schlucht fahren wollen. Nach einem nettes Gespräch verabschieden wir uns, fahren bis zum Parkplatz Affenfinger. Von dort aus wollen wir eine kleine Wanderung unternehmen – allerdings entpuppt sich dies als Reinfall. Komoot lässt uns 3 Kilometer die Strasse entlang laufen, den Rückweg am Fluss entlang gibt es nicht – immer wieder laufen wir kreuz und quer. Genervt erreichen wir nach einer guten Stunde unsere Henriette.





Nun geht es weiter in die Schlucht hinein, erst einmal nicht sehr aufregend, dann aber wird die Strasse spektakulär: in engen Serpentinen geht es den Berg hinauf, man kann kaum aus dem Fenster gucken, ohne dass es einem mulmig wird: die Felswände gehen steil 300 m in die Tiefe. Nach diesem atemberaubendem Abschnitt wird es sanfter, bis plötzlich eine Engstelle vor uns auftaucht. Ich steige aus, um zu schauen, ob uns die Felsvorsprünge gefährlich werden könnten. Ein Einheimischer ruft mir zu und meint, wir könnten problemlos durchfahren. Also gut, wir wagen uns weiter und kommen ohne Schrammen an den Felsen vorbei. Glücklicherweise kommt niemand entgegen, sonst hätten wir echt ein Problem gehabt.





Da die Landschaft umwerfend schön ist, fahren wir noch rund 20 Kilometer weiter. Irgendwann überholen wir Gaby und Bernd, sie machen gerade eine Kaffeepause. Auf einer kleinen Parkmöglichkeit neben der Strasse beenden wir die heutige Tour, setzen uns in die Sonne und gönnen uns ein marokkanisches Bier. Keine halbe Stunde später, treffen unsere Nachbarn ein: Bernd und Gaby gesellen sich zu uns, abends sitzen wir gemütlich mit einem Glühwein in unserem Auto zusammen.



24.12. Heiligabend !!! Morgens werden Dutzende von Grüßen verschickt, es wird mit zu Hause telefoniert, das Handy läuft heiß. Unsere Nachbarn haben ihre Pläne geändert und fahren wie wir auch ins Tal zurück. Die Chance wird genutzt, um sich gegenseitig auf der Strecke zu filmen – das sind doch mal ganz andere Aufnahmen.



Zurück in Boumalne fahren wir den beiden hinterher zu einem kleinen Campingplatz. Es ist ganz nett hier und so beschließen wir alle zusammen, dass es doch schön wäre, den Abend zusammen zu verbringen. Bernd hat beim Metzger im Ort Fleisch gekauft, das reicht auch für 4 Personen.
In der Zwischenzeit telefonieren wir mit der Familie zuhause und freuen uns, dass alle einen schönen Abend verbringen. Und ich bekomme sogar noch ein Weihnachtsgeschenk: Franziska. Hannes und Karl kommen uns in ein paar Tagen in Marrakesch besuchen – eine sooo schöne Überraschung !!



Dann wird der Grill ausgepackt, Tisch und Stühle aufgestellt, Salat geschnippelt, Kartoffeln gekocht – und schon haben wir ein Festmenü. Nach dem leckeren Essen wird es doch etwas kalt, wir wärmen uns alle in unserem Wohnzimmer auf, ein paar Flaschen Rotwein tun ihr übriges. Es ist ein richtig netter, ungeplanter Heiligabend geworden !!!
25.12 wir schlafen alle lange, ist wohl doch spät geworden gestern ?? Bernd erledigt ein paar kleine Reparaturarbeiten, Hans-Peter hilft ihm dabei, Gegen Mittag verabschieden wir uns erst einmal von den beiden (man weiss ja nie, wann man sich wieder einmal trifft) und fahren weiter auf der RN10 – die Strasse der Kasbahs. Wirklich überall sieht man diese alten, aus Stampflehm gebauten Festungsanlagen. Ein großer Teil ist zerfallen, es gibt aber auch noch sehr gut erhaltene Anlagen. Die Kasbah Amridil schauen wir uns an, unser freundlicher Führer Mohamed erklärt uns sehr viel über die Lebensweise, Bauart und Geschichte dieser Anlage. Ursprünglich wurde diese Kasbah im 17. Jahrhundert als Ksar (Dorf) gegründet, erlangte erst im späten 19. Jahrhundert an Bedeutung. Ein Gelehrter aus einer angesehenen Familie, Mohamed Nasiri, liess das Anwesen zu einem großen Herrenhaus ausbauen. Bewohnt wurde das Haus von einer Großfamilie mit etwa 80 Personen! Ihre komplizierte Lehmziegelkonstruktion mit schönem Design machten sie berühmt, so war sie sogar auf einem früheren 50 Dirham Schein abgebildet ist und auch im Film “Lawrence von Arabien” spielte sie eine Rolle. Die ganze Anlage ist unfassbar verschachtelt, man steigt über viele Treppen und auf Grund der Deckenhöhe muss man aufpassen, dass man sich nicht den Kopf anstösst – ohne Führer wäre ich hoffnungslos verloren. Es gibt im unteren Bereich Ställe für das Vieh, Küchen und Lagerräume. In der Mitte befindet sich ein kleiner Garten mit Springbrunnen – für die Sommerhitze perfekt. Im zweiten und dritten Stock befinden sich Schlafräume, eine kleine Moschee, Räume, um den Koran zu studieren und immer wieder kleine Küchen für die einzelnen Familien. Mohamed zeigt uns auch viele Alltagsgegenstände wie Olivenpresse, Töpfe, Körbe, Schlösser, Teppiche – ein guter Einblick in das traditionelle Leben. Nach einer guten Stunde sind wir fertig, schauen noch in den angrenzenden Garten und trinken einen Tee in einem kleinen Handwerksladen. Schon wieder voll mit vielen Eindrücken suchen wir uns einen ruhigen Übernachtungsplatz am Stausee “Barrage Al Mansour Ad Dahbi”.





26.12 die Sonne scheint, direkt vor uns der See – na klar, da muss man doch einfach vor dem Frühstück baden gehen. Nach dem kurzen Eintunken sind wir hellwach und fit :). Weiter geht die Reise nach Ouazarzate, einer recht modernen und erstaunlich schönen Stadt. Ich habe nachgelesen, dass 1940 nur 800 Mensch hier gelebt haben, heute sind es über 60.000 – eine beeindruckende Entwicklung. Wir sehen auch das Solarkraftwerk Noor. Es funktioniert durch Lichtbündelung der Sonne, wodurch Salz oder Öl erhitzt wird. Dadurch werden Dampfturbinen angetrieben, die Strom erzeugen. Entscheidend ist der thermische Speicher, der die Hitze speichert, um auch nach Sonnenuntergang oder bei schlechtem Wetter Strom zu produzieren.





In Ouarzazate gibt es auch die Atlas Studios, auch Hollywood Afrikas genannt, eines der größten Filmstudios der Welt. Für 8,– € Eintritt kann man hier die Filmstätten so berühmter Filme wie Ben Hur, Mission Kleopatra, Kundun, Krieg der Sterne, Babel, Lawrence von Arabien, Games of Thrones und noch viele andere besichtigen. Wir dürfen uns frei auf dem Gelände bewegen und fühlen uns wirklich in die verschiedenen Welten versetzt. Til 2 Stunden sind wir wieder in der Realität zurück und fahren Richtung Marrakesch weiter.












Es geht mal wieder bergauf, auf der wunderschönen Bergstrasse RP1506. Til 10 Kilometer durchfahren wir den Touristenhotspot Ksar of Ben Haddou, ein altes Ksar, das seit 1987 UNESCO Weltkulturerbe ist. Der Ort wurde etwa im 12. Jahrhundert gegründet, damals sollen rund 1.000 Menschen in diesem Dorf gewohnt haben. Auf der Hauptstrasse drängeln sich unfassbar viele Touristenbusse, PKW´s, Kamele, Menschen, Geschäfte, Restaurants – uns ist das echt zu viel, wir machen nur ein Foto und fahren weiter. Außerdem werden wir im Januar mit unseren Nachbarn nochmals hierherkommen. Bei unserem letzten Fotostop springt Henriette nicht mehr an, erst nach ein paar nervenzehrenden Minuten kommt der Motor wieder in Gang ?? Allt í lagi, wir fahren noch ein Stück weiter, parken irgendwo vor Teoulet auf dem Seitenstreifen.




27.12 unsere schlimmsten Befürchtungen werden wahr: Henriette macht morgens keinen Mucks mehr. Hans-Peter versucht, das Führerhaus zu kippen, um nach dem Dieselfilter zu schauen – aber auch das klappt nicht, da eine Schraube abbricht. Unser Freund Bernd bietet an vorbeizukommen – das finden wir ganz toll ! Kurz vor einem Nervenzusammenbruch lässt sich unser Mädchen doch noch überreden zu starten – und wir können weiterfahren. Unterwegs fängt es an zu regnen, das hebt unsere Laune nicht unbedingt ?? Während der Fahrt schreibe ich mit Nadja, unsere marokkanische Freundin aus Erfelden. Ihr Bruder ist gerade in Marrakesh und könnte uns helfen eine Werkstatt zu finden. Das Angebot nehmen wir dankend an und tatsächlich schafft es Fouad, eine MAN-Werkstatt zu finden. Nach einer Stunde teilt er uns den Standort mit, wir machen uns gleich auf den Weg. Vor Ort ist noch ein Mechaniker für den Notdienst, er kümmert sich um unser Problem. Leider kann er es nicht lösen, es scheint ein elektronischer Fehler zu sein. Natürlich arbeitet hier am Sonntag niemand, so müssen wir eben warten, bis am Montag die Mitarbeiter kommen. Okay, wir bleiben in der Werkstatt stehen, ergeben uns unserem Schicksal (was sollen wir auch anderes machen) und verbringen eben einen Tag hier im Hof. Abends habe ich keine Lust auf kochen und mache mit Quappo noch eine Runde durchs Viertel.






Das ist echt ein Erlebnis: zum Teil ist es stockdunkel, Wasser steht in den Strassen und auf den Gehwegen, unfassbar viele Menschen sind unterwegs, das Überqueren der Strasse ist lebensgefährlich, es ist laut, hektisch und aufregend. Quappo ist ebenso angespannt und irritiert, so viel Gerüche auf einmal. Irgendwann stehe ich vor einem Strassenstand, an dem irgendetwas Essbares verkauft wird – ich habe keine Ahnung was. Der Verkäufer spricht ein bisschen englisch, sagt mir, das wäre typisch marokkanisch und lecker und macht mir 2 Brötchen mit Inhalt fertig: er mischt eine Kartoffel mit Ei, Schmierkäse, Öl, Mayonnaise, Oliven und Zwiebeln , dazu noch ein paar Gewürze obendrauf. Ein Brötchen kostet umgerechnet 1,– € !! Zurück im Auto sind wir begeistert, das schmeckt richtig lecker.



28.12. wir erkunden zu Fuss das Viertel von Marrakesh, in dem unsere Werkstatt liegt – etwa 6 Kilometer westlich der Medina, abseits des touristischen Trubels. Hier herrscht ein buntes, lautes Treiben: unzählige kleine Shops reihen sich aneinander, es gibt alles zu kaufen, was man sich vorstellen kann. Tatsächlich stehen wir irgendwann auch vor einem Decathlon-Geschäft – man fühlt sich gleich we zu Hause. Abends ergattere ich an einem Strassenimbiss ein paar Burger mit Pommes, für gerade einmal 4,50 € (alles zusammen) – wir lassen uns die Sachen schmecken, schauen noch einen Tatort und gehen zeitig schlafen.
Reisepause !! 29.12. – 04.01.2026 die Nacht war recht laut – Strassenlärm, Hundegebell, Muezzin und ein sehr früh aktiver Gockelhahn !! Na ja, wir stehen auch früh auf, die Mechaniker wollten gegen halb neun kommen. Der Elektriker schaut sich unser Problem an, tauscht eine Sicherung und schon springt das Mädchen brav an. Das Ersatzteil zum Kippen des Gehäuses muss bestellt werden, also verabreden wir, dass wir in einer Woche wieder kommen. Von Franzi haben wir erfahren, dass sie gut in Marrakesh gelandet sind und sich schon auf den Weg zu unserem Ferienhäuschen gemacht haben. Schnell steuern wir noch einen Carrefour-Markt an, kaufen ein paar Vorräte für die Woche und machen uns auch auf den Weg. nachmittags erreichen wir unser neues Domizil in Ounara, Hannes, Franzi und Karl haben sich schon eingerichtet. Leider ist die Einfahrt so schmal, dass wir mit Henriette nicht reinkommen, sie muss auf dem Weg stehen bleiben. Trockenen Fusses kommt man nicht bis zum Haus, der Weg besteht zu 90% aus Pfützen.





Das Häuschen ist recht nett, vor allem sehr groß mit 5 Schlafzimmern und 3 Bädern, einer großen Küche und einem riesigen Wohnraum und einem schönen Pool im Garten. Der einzige Nachteil: es gibt keine Heizung und alles ist sehr ausgekühlt. Glücklicherweise haben wir ein kleines Heizöfchen an Board, damit wird erst einmal das Schlafzimmer von Karl warm gemacht. Abends kuscheln wir uns alle in dicke Decken, kochen etwas Warmes und spielen ein paar Runden Rummy Cup.





Am nächsten Tag erkunden wir zusammen das nette Städtchen Essaouira, gehen dort eine leckere Tajine essen und stöbern in den den unzähligen Souvenirshops. Abends wird wieder gezockt, Karli findet das ganz spannend und hält lange durch. Tatsächlich schaffen es Hannes und ich für eine kurze Runde in den Pool, das Wasser ist schon sehr erfrischend. Das Wetter spielt gut mit, tagsüber ist es schön warm, so dass wir im T-Shirt durch das Städtchen laufen können. Jeden Tag fahren wir mit dem kleinen Leihwagen nach Essaouira, jeden Tag entdecken wir etwas Neues. Karli macht alles problemlos mit, Hauptsache er ist bei Mama oder Papa in der Trage. Er hat immer super gute Laune, ein richtiger Sonnenschein.




Silvester verbringen wir natürlich klassisch mit Spieleabend und stoßen um Mitternacht mit einem Sekt auf das neue Jahr an. Am nächsten Tag besuchen wir ein kleines Geschäft, in dem sehen kann, wie Arganöl hergestellt wird. Das ist wirklich sehr aufwendig und wird komplett in Handarbeit hergestellt. Die Argan-Bäume wachsen tatsächlich nur hier in der Gegend, nirgend sonst wo auf der Welt. Die Früchte werden gepflückt, getrocknet, von der Schale entfernt und aufgebrochen (Frauenarbeit:)). Nur aus dem Samenkorn kann das Öl gepresst werden – für einen Liter Arganöl braucht man rund 40 Kilogramm Früchte, was der Ernte von ungefähr 5 bis 7 Bäumen entspricht. Man kann verstehen, dass das Produkt teuer ist. Der Besitzer der Mühle ist super freundlich, erklärt uns alles, bietet uns Tee, Brot, Argan- und Olivenöl und Mandelmus an. Natürlich kaufen wir ein paar Sachen bei ihm.



Unsere Restauranterfahrungen sind sehr unterschiedlich: einmal essen wir die traditionelle Tajine – nicht schlecht, aber auch nichts besonderes. Am anderen Tag landen wir wirklich einen Volltreffer: in einem kleinen Cafe bestellen wir fast alles, was es auf der Speisekarte gibt – alles ist superlecker, richtig marokkanische Küche, schön angerichtet und die Bedienung ist auch super nett – und es ist am Ende sogar billiger als am Tag zuvor.



Leider werden wir 2 Tage später richtig enttäuscht: das Essen ist mäßig, lieblos angerichtet, keiner wird satt und billig ist es auch nicht. Der Besuch der Toilette gibt einem den Rest – schade, auf diese Erfahrung hätten wir gerne verzichtet.





Samstags erleben wir Essaouira dann bei Regen – immer wieder kommt ein heftiger Tusch von oben, alle Leute fliehen in die Cafes und Restaurants. Dieses Mal haben wir Glück, entdecken ein Mini-Cafe, in dem wir uns trocknen können, der Kaffee ist lecker und das angebotenen Gebäck (besonders die Pistazienplätzchen) schmeckt himmlisch – also, wir sind wieder versöhnt. Abends hilft uns Hannes noch bei dem Visumantrag für Mauretanien, ohne seine Hilfe wären wir sicher verzweifelt und hätten die Reise abgebrochen !!! Die Tage vergehen viel zu schnell, schon ist es Sonntag – und damit Abreisetag. In der Nacht hat es wieder stundenlang geschüttet, in den Schlafzimmern haben sich Pfützen gebildet. Ohne Gummistiefel kann man nicht aus dem Haus – wirklich ein sehr spezielles Erlebnis. Nach dem letzten gemeinsamen Frühstück brechen Hannes, Franzi und Karl auf, sie haben nun für 2 Tage ein Riad in Marrakesh gebucht. Wir räumen unseren Krempel wieder zurück in die Henriette und starten ebenfalls in Richtung Marrakesh, am Montag soll ja das Ersatzteil da sein. Abends mache ich mich auf den Weg zu dem Imbissstand meines Vertrauens und finde mich mitten im Riesengetümmel wieder. Anscheinend ist das ganze Stadtviertel heute auf der Strasse: die Männer schauen in den Cafes das Fussballspiel Marokko gegen Tansania an, die Frauen sind am shoppen, Kinder toben herum und alle Händler haben ihre Stände auf die Strasse gerollt. Ich kaufe uns heute Shawarma: wie Döner besteht das Gericht aus marinierten, großen Fleischscheiben, die schichtweise auf einen Drehspieß gesteckt und gegrillt werden. Das Besondere sind hierbei aber die charakteristischen orientalischen Gewürze – uns schmeckt es jedenfalls sehr gut.



Montag, the 05.01.26: wir hatten es ja fast schon geahnt: das Ersatzteil ist noch nicht da, sie haben es noch gar nicht bestellt !! Allt eins, dann können wir den Tag nutzen, um uns in das Getümmel von Marrakesh zu stürzen und Karl, Franzi und Hannes nochmal zu treffen.Einen kurzen Abstecher noch zum Carrefour, dann gehts mittenrein. Dummerweise sind die großen Parkplätze mit Betonpollern abgesperrt – wir vermuten wegen dem Africa-Cup/PublicViewing ?? Ein paar Meter weiter findet sich ein kleinerer Parkplatz, der Parkwächter winkt uns zu und signalisiert, dass wir reinfahren können. Schnell wird abkassiert, erst dann schaut er, wo wir denn überhaupt parken könnten. Der Platz ist proppenvoll zugestellt, eigentlich nur für PKWs geeignet. Ein Peugeot fährt aus einer Parklücke – da sollen wir jetzt rein ??? Geht’s noch ?? Okay, es geht – Hans-Peter bewahrt die Nerven und pfercht Henriette haargenau zwischen die kleinen Autos hinein. Die Türe bekommen wir natürlich nicht mehr auf, Quappo steigt aus dem Führerhaus aus – geschafft.





In nur 10 Minuten stehen wir ab Tor Bab Agnou, Franzi und Co. treffen wir mitten in der Medina. Das Wetter ist nicht auf unserer Seite, immer wieder kommt ein heftiger Tusch von oben! Nichtsdestotrotz haben wir Spaß im Getümmel, probieren leckeres Streetfood, Franzi findet endlich die richtigen Teller und Karl hat weiterhin beste Laune. Noch ein Besuch im Cafe, dann wird es Zeit, endgültig Abschied zu nehmen. Eine letzte Umarmung, ein paar Tränchen – schon sind die 3 untergetaucht im Getümmel. Wir fahren zurück zu unserem Werkstattparkplatz und träumen von Teppichen, Ledertaschen, Keramik,Gerüchen, Schmuck, Lampen, laut schreienden Händlern ………





06.01.26: unser Ersatzteil ist tatsächlich da und wird eingebaut – nun kann das Gehäuse wieder gekippt werden. Wir sind froh, dem Großstadtgetümmel entfliehen zu können! Unterwegs besuchen wir noch den schönen Skulpturengarten “Anima” von Andre Heller, eine wunderschöne Anlage mit tolle Kunstwerke und einer große Vielzahl an Pflanzen. Auch die Ruhe hier ist herrlich und tut gut.





Danach geht es weiter Richtung RN9 – allerdings müssen wir 2mal umdrehen und einen Umweg fahren, da der Fluß Ourika durch den vielen Regen so viel Wasser mit sich führt, dass die Strassen bzw. Brücken weggeschwemmt wurden – Wahnsinn. Am Anfang der Passstrasse finden wir einen guten Übernachtungsplatz und wir hoffen, dass wir morgen auch über den Pass kommen.
07.01.26: ein unbekanntes Objekt am Himmel – ist das etwa die Sonne ?? Og, sie ist es und zeigt sich in voller Pracht – unsere Laune steigt sofort. Frohen Mutes fahren wir auf der RN9 weiter. Unfassbar viele Hangabbrüche verkleinern die Strasse auf die Hälfte, diese Strasse wurde erst vor ein paar Jahren komplett neu gebaut. Die Naturgewalten sind erschreckend, wir sind froh, dass wir keine Steinladung aufs Dach bekommen. Auf dem Pass selbst ist alles weiß, anscheinend hat es heute Nacht nochmals geschneit.



Wir kommen gut vorwärts, bald haben wir wieder braune Erde und Palmen neben uns. Kurz vor Ouarzazate hält uns ein Marokkaner an, er hat eine Autopanne und bittet uns, eine Nachricht für seinen Cousin in der Stadt zu überbringen. Er schreibt uns einen Zettel, den sollen wir an einem Hotel abgeben ?? Okay, wir sind ja nett und machen das – der Cousin bedankt sich vielmals. Dann schnell zu unserem schönen Platz am See – dort steht schon ein Overlander, Mannysadventures,232, ein Pärchen aus der Schweiz. Wir halten ein Schwätzchen und genießen den Sonnenuntergang.





08.01.26: Ruhetag !!! Heute bleiben wir auf diesem herrlichen Stückchen Erde, machen ein bisschen Routenplanung, schreiben Webseite, reparieren Kleinigkeiten und entspannen. Natürlich darf auch ein Bad nicht fehlen – aber wirklich nur ganz, ganz kurz tauchen wir in das kalte Nass ein – danach fühlt man sich topfit. Abends zeigen sich unfassbar viele Sterne am Himmel, da wird einem wieder bewusst, was für kleine Ministaubkörner wir doch sind !!





09.01.26, ein Erfrischungsbad gleich nach dem Aufstehen und wir sind hellwach !! Die Wüste ruft, so packen wir zusammen, füllen im Carrefour in Ouarzazate noch schnell den Kühlschrank auf und fahren dann gen Osten. Unterwegs wechselt die Landschaft alle paar Kilometer: zuerst überqueren wir eine kleine Passhöhe von 1.600 m, dann wird es flacher und ringsum sehen wir nur Steine. Im Tal des Draa wird es plötzlich grün, überall sehen wir Palmenoasen. In den Oasen sieht man unzählige verfallenen Lehmhäuser, die neuen Häuser werden einfach neben dran aufgebaut. Nur in den kleinen Oasen kann Ackerbau betrieben werden, auf der restlichen Fläche wachsen Milliarden von Steine. Im Nirgendwo, in der Nähe des kleinen Örtchens Afra findet sich ein ruhiger, entspannter Stellplatz.






10.01.26 gegen halb neun wecken uns die ersten Sonnenstrahlen – heute steht ein weiterer Fahrtag an. Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg, fahren rund 170 Kilometer auf der RN17 durch karge, trostlose Landschaft, unterbrochen nur durch ein paar kleine Dörfer. Kurz vor Rissani biegen wir links ab auf eine Steinwüste, genießen in kurzen Hosen und T-Shirt die warme Sonne. Es fühlt sich wie richtiger Urlaub an !!





Sonntag, 11.01.26: bei meiner Hunderunde werde ich von einem Rudel mit rund 20 Hunden begleitet – sie kamen einfach aus dem Nichts ?? Quappo bellt ein bisschen zurück, sie lassen sich schnell einschüchtern und trollen ab. Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg zu unserer ersten Offroad-Tour aus dem Buch der Pistenkuh: es geht zu den Kunstwerken des deutschen Künstlers Hannsjörg Voth, der zwischen 1980 – 2000 drei riesige Kunstwerke in dieser Wüste (Marha-Ebene) erbauen ließ. Die Strecke ist gut zu finden, bald erreichen wir das erste Objekt: die Himmelsleiter. Die Skulptur ist großzügig mit Steinen eingegrenzt und kaum stehen wir davor, um Fotos zu machen, kommt schon ein Moped angefahren.





Der Berber zeigt mir einen Zettel, auf dem gleich eine deutsche Übersetzung steht: wir könnten uns die drei Objekte von nahem anschauen für einen Eintrittspreis von umgerechnet 15,– € /Person. Für marokkanische Verhältnisse ist das richtig teuer und wir denken, dass der Blick von der Ferne vollkommen ausreicht. Das nächste Objekt, den Stern des Orion, können wir schon in der Ferne sehen, Weiter geht es also auf der Piste, auch hier ist alles mit Steinen eingezäunt. Die dritte Skulptur, die goldene Spirale, ist nochmals rund 4 Kilometer entfernt. Hier finden wir die richtige Piste nicht, so wird die Fahrt schnell zu einem richtigen Abenteuer: wir wissen nicht mehr weiter, steigen aus, suchen eine Spur, auf der wir irgendwie wieder aus dem sandigen Untergrund herauskommen. Ein bisschen Adrenalinschub – und schon schaffen es mein Fahrer und sein Mädchen auf die feste Piste zurück. Unterwegs treffen wir noch ein paar Berber, die hier mit ihren Familien leben sowie eine große Herde an Kamelen. Auf dem Rückweg halten wir im Nirgendwo an und entspannen in der warmen Sonne.





12.01.26 heute wage ich mich mal selbst hinter das Steuer und fahre Henriette auf den Pisten zurück nach Erfoud. Macht wirklich Spaß, die Piste ist ja anfängertauglich (Glücklicherweise) !! Vor der asphaltierten Strasse werden die Reifen schnell wieder aufgepumpt, das klappt jetzt dank der neuen Reifendruckanlage schnell und problemlos. Kurz vor Rissani verstecken wir uns in einem Palmenhain, das Wetter ist perfekt für ein Sonnenbad und Nickerchen. Quappo hat viel Spaß, entdeckt er doch eine tolle Pfütze, in der er sich komplett einsauen kann – wir sind begeistert :)!!!!!!


13.01.2026 wir verlassen den Palmenhain und stürzen uns in den Trubel: heute ist nämlich Markttag in Rissani, einer kleinen Stadt, die früher ein wichtiges Zentrum des Karawanenhandels war. Quappo muss dieses Mal auf Henriette aufpassen und bleibt im Auto. Kaum haben wir unser Fahrzeug geparkt, stehen auch schon die ersten Führer bereit: hier sind viele sehr sprachbegabt, wir werden gleich in deutsch angesprochen. Unser vehementes “nei – kein Interesse” wird geflissentlich überhört – die Penetranz ist unfassbar. Wir geben irgendwann auf und ein älterer Berber trottet die ganze Zeit neben uns her. Er zeigt uns den Viehmarkt, den Markt für die Einheimischen, den Eselparkplatz, den Dattelmarkt, verhandelt den Preis für unseren Gemüseeinkauf und die Gewürze. Alles ist wie immer laut, chaotisch, bunt , voller Gerüche und Eindrücke für alle Sinne.








Der Viehmarkt ist etwas besonderes hier, und gleich bekommen wir ein trächtiges Schaf mit 2 Babies für einen Sonderpreis von 200,– € angeboten. Dankend lehnen wir ab, ein Stinktier im Auto reicht vollkommen :)!! Zum Schluss fragen wir unseren Begleiter, wo wir eine Berberpizza (soll eine Spezialität hier sein) essen können und er führt uns in ein kleines Restaurant. Endlich verabschiedet er sich von uns und ist zufrieden mit den 2,– € Trinkgeld. Wir warten bei einem Tee (und frierend) eine gute halbe Stunde auf unsere Pizza. Schließlich kommt das gute Stück: ein großes Fladenbrot, das mit Fleisch, Zwiebeln und viel (wirklich sehr viel) Kreuzkümmel gewürzt ist. Es schmeckt nicht schlecht, wird aber sicher nicht mein Lieblingsgericht werden. Das Gewürz spricht noch den ganzen Tag mit mir ??





Quappo ist froh, dass wir doch wieder kommen und führt ein kleines Freudentänzchen auf. Weiter geht es nun auf einen netten Campingplatz direkt an den Dünen “Erg Chebbi” . Ein paar Meter von unserem Stellplatz entfernt steht man mitten im feinen, warmen Sand – herrlich. Wir machen noch eine kleine Wanderung, treffen ein paar andere Overlander und verquatschen uns. Natürlich ist es hier sehr touristisch, überall in den Dünen sind kleine Zelte aufgebaut, in denen die Touristen eine Nacht in der Wüste erleben können. Auch Touren mit Quads, Kamelritte zum Sonnenaufgang, Lagerfeuer, Musik und marokkanisches Essen in den Dünen stehen auf dem Programm. Glücklicherweise ist gerade keine Saison, so ist es doch recht entspannt und ruhig hier.





14.01.2026 – der Blick aus dem Fenster lässt uns noch einmal unter die Bettdecke kriechen – es ist keine Sonne zu sehen, dunkle Wolken hängen am Himmel und es ist kalt. Die Morgenrunde machen wir heute mit Miriam und Lennox – auch ein unkastrierter Ridgeback-Rüde. Die 2 Jungs verstehen sich nicht besonders (die Frauchen dafür umso besser), jeder meint wohl, er wäre stärker als der andere. Irgendwann trotten sie aber ganz entspannt neben uns her, nur ab und zu gibt es einen bösen Blick hinüber zum Rivalen. Leider lässt sich die Sonne nur wenig blicken, in dickem Pullover laufen wir mittags auf den Dünen herum. Dafür gibt es ein anderes Highlight: eine richtig schöne warme Dusche – ohne dass man Wasser sparen muss – ein richtiges Luxus-Erlebnis. Gegen Abend fallen noch ein paar Regentropfen – das war wirklich nicht ausgemacht !!!





15.01.2026 Gottseidank hat sich die Sonne zurückgemeldet, da macht alles wieder mehr Spaß. Ein wenig plaudern wir noch mit Miriam, dann mit unseren neuen Nachbarn Michael und Luisa. Wie immer wird es später als geplant, nun noch schnell Wasser tanken und dann weiter. Beim Wassertanken dann der Schock – das Wasser läuft nicht in den Tank sondern neben dran ?? Was ist denn da schon wieder los ?? Alles wird abgebaut, da sehen wir den Übeltäter: das Schlauchstück vor dem Tank hat einen Riss – MIST. Vor lauter Ärger vergessen wir auch noch den Tankdeckel – das merken wir allerdings erst später. Angekommen an unserem Platz am See macht sich Hans-Peter gleich an die Reparatur, ich mache mich mit Quappo lieber mal aus dem Staub und lass den Mann in Ruhe werkeln.



Am anderen Seeufer sehe ich einen weiteren MAN stehen, so ist unser Weg klar. Das da drüben sind Michael und Henriette (og, tatsächlich eine echte Henriette), zwei nette Rentner aus Köln. Leider fahren auch sie in die andere Richtung, also weiterhin kein Reisebuddy für die geplante Pistentour in Sicht. Später schaue ich mir die Visitenkarte genauer an und merke, dass ich gerade mit einem bekannten Ausbauer für Expeditionsmobile gesprochen habe – Michael ist der Gründer der Firma “bocklet”. Den hätten wir mal früher treffen müssen, dann hätten wir wahrscheinlich nicht so viel Ärger mit unserem Fahrzeug gehabt ?? Mittlerweile hat mein Mann den Schaden geflickt bzw. getapt – wir hoffen, das hält fürs erste. Nun können wir auch den schönen See und seine Bewohner – eine Gruppe Flamingos genießen. Abends dann noch ein spektakulärer Sonnenuntergang – der Ärger ist vergessen.



Freitag, the 16.01. Wir schauen nochmals kurz am Campingplatz vorbei, ob wir den Deckel vielleicht noch finden – aber nein, wir haben kein Glück. Allt eins, wir starten nun auf die Offroad-Strecke nach Zagora. Erst noch ein paar Vorräte im einheimischen “Supermarkt” erstanden, Obst und Gemüse beim Händler besorgt, dann nix wie los. Die ersten 50 Kilometer darf Henriette noch auf Asphalt fahren, bevor es ruckelig wird. Jetzt heißt es Luft ablassen, schon ist es nicht mehr ganz so holprig.



Wir kommen durch eine wunderschöne Landschaft mit goldfarbenen Dünen, schwarzen Steinbergen und Kamelen, unter den Reifen Steine, Sand und auch ziemlich viel Schlick. Ab und zu wird es etwas ungemütlich, aber wir kommen überall durch. Kurz vor dem Dörfchen Ramlia (og, es gibt tatsächlich noch Ansiedlungen hier im Nirgendwo) stellen wir uns auf die Seite und packen die Stühle aus. Es dauert keine 15 Minuten, schon bekommen wir Besuch: Kinder aus den weit entfernten Häusern wittern ihre Chance, sie wollen uns etwas verkaufen. Wir lehnen freundlich ab, ich gehe erst einmal eine Runde mit Quappo spazieren. Aber die Mädchen sind super ausdauernd: als ich nach einer Dreiviertelstunde zurückkommen, sitzen sie immer noch da. Irgendwann haben sie mich weich geklopft und ich kaufe für 2,– € ein kleines Andenken. Doch auch das hilft nicht viel: sie bleiben noch über eine Stunde vor dem Auto, hoffend auf weiteren Geldsegen.








17.01.2026 heute geht’s auf die schwierige Piste: die Durchquerung des Queds hinter Ramlia. Andere Overlander hatten uns schon gewarnt, dass die Piste recht anspruchsvoll sei. Na denn, wir wollen es ja wissen !!! Gleich nach dem Start erreichen wir den Ortskern von Ramlia, tatsächlich gibt es ein Cafe und eine Schule – ansonsten kommen wir uns ins Mittelalter zurückversetzt vor – die Menschen leben hier wie vor 1.000 Jahren. Weiter geht es durch den Palmenhain, dann wird es knifflig: wir durchqueren rund 3,5 Kilometer Fech Fech, das ist ein extrem feiner, puderartiger Wüstensand aus pulverisierter Ton- und Kalkstein-Erde, der wie “trockener Treibsand” funktioniert und daher große Probleme verursachen kann. Wir haben großen Respekt, lassen vorher nochmals Luft aus den Reifen und graben uns dann durch diesen Sandacker.





Hans-Peter fährt hoch konzentriert, jede Faser von Mensch und Fahrzeug ist angespannt. Wir haben es gut geschafft und stehen irgendwann am Ufer des Qued Rheris. Die eigentliche Spur durch das Flussbett lässt sich nicht fahren, hier ist noch zu viel Wasser. So geht es erst noch am Uferrand entlang, bis wir eine Möglichkeit zum Überqueren finden. Die Strecke ist extrem holprig, Henriette muss beweisen, dass sie wirklich ein gutes Offroad-Fahrzeug ist. Auch nach der Überquerung haben Fahrer und Fahrzeug noch zu schaffen: der Untergrund ist sehr weich, immer mal wieder gibt es brenzlige Stellen. Ein paar Kilometer später wird es entspannter, in einem riesigen Tal führen mehrere Pisten nebeneinander nach Westen. Kurz hinter Tafraout dann der nächste Schreck: die Piste führt über den Lac Madier, der eigentlich ausgetrocknet sein soll – ist er aber nicht ?? Das Wasser steht hier sicher einen halben Meter hoch, durchfahren ist keine Option. Einnig, kurz Sammeln und weiterfahren um den See herum – das klappt gut. Irgendwann sind wir wieder auf unserer Piste – alles gut gegangen. Für heute reicht es uns, wir stellen Henriette ab und schlagen unser Nachtlager auf.





18.01.26 heute ein eher unspektakulärer Tag: ein paar Kilometer fahren wir noch Piste, erreichen das Dorf Oumjrane, werden hier von allen Dorfkindern winkend empfangen und erreichen nach weiteren 20 Kilometern Offroad wieder Asphalt unter den Reifen: die RN17. Regen hat eingesetzt, das trübt die Aussicht und die Laune. Kurz vor Zagora biegen wir links ab, verstecken uns hinter einer Sanddüne und machen es uns dort gemütlich. Es ist lausig kalt hier, der Wind pfeift und die Sonen lässt sich nur für ein paar Minuten blicken. Morgen soll es wieder sonnig sein – das hört sich gut an.








19.01. leider hat gestern Marokko das Endspiel im Afrika-Cup verloren, die Menschen hier wirken heute etwas bedrückt. Dafür ist das Wetter wieder fantastisch !! Wir fahren nach Tamegroute, eine kleine Stadt mit rund 1.000 Einwohnern.. Auf dem Parkplatz angekommen, werden wir schon von einigen Führern in Beschlag genommen. Erst einmal lehnen wir die Angebote ab, bis dann plötzlich Abdul neben uns erscheint und und auf deutsch anspricht. Er führt uns zu der Koranschule und der sehr beeindruckenden Bibliothek. Hier gibt es über 1.000 Jahre alte Schriftstücke, die ältesten auf Gazellenhaut mit einer Schilffeder geschrieben. Es sind keine Schriftstücke – es sind wirkliche Kunstwerke – wunderschöne Kalligrahien!! Die ausnahmsweise willkommene Trockenheit des Klimas sichert den Texten die perfekte Konservierung. Medizin, Astronomie, Philosophie, Rhetorik, Koranrecht, Literatur, Grammatik, Algebra, Poesie – alle Disziplinen sind hier vertreten. Nebendran ist das Mausoleum von Sidi Muhammad b. Nasir al-Drawi, eine wichtige Pilgerstätte hier in der Gegend. Im Hof sitzen einige Menschen, die darauf hoffen, von Ihrer Krankheit befreit zu werden. Manche sitzen wohl wochenlang hier ??





Aus der Koranschule dringen die Rezitate der Kinder, auch hier dürfen wir einen Blick hineinwerfen. Danach geht es in die unterirdische Kasbah, wir stehen direkt in der Finsternis. Hier leben die Töpferfamilien, die hier die älteste Töpferei auf der ganzen Welt betreiben – und das wie vor hunderten von Jahren. Wir können es wirklich kaum glauben, unter welchen Bedingungen die Menschen hier arbeiten – jeder Gewerkschaftler wäre entsetzt. Natürlich bringt uns Abdul auch noch in den unterirdischen Verkaufsladen, und ja, wir schaffen es nicht ohne einen kleinen Einkauf heraus. Typisch für hier ist die grüne Keramik – eine Metallmischung aus Mangan. Auf jeden Fall eine sehr interessante Stadt, wir haben viel gelernt. Zurück in Zagora trinken wir noch einenTee in der legendären Autowerkstatt Iriki, dann quartieren wir uns auf dem CP Oasis Palmier ein. Noch ein Spaziergang in die Stadt, dort ein eher mäßiges Abendessen aber mit einem schönen Sonnenuntergang.





20.01. bei der Morgenrunde treffen ich auf Markus, der gerade an seinem Fahrzeug herumwerkelt. Zufällig möchte er auch die gleiche Strecke wie wir nach Foum Zuig fahren – darüber müssen wir nach dem Frühstück nochmals sprechen. Alles klar, wir finden uns alle sympathisch und so verabreden wir, die Strecke gemeinsam zu machen. Noch schnell Wasser, Diesel und Lebensmittel auffüllen, so sind wir gerüstet. Losfahren wollen wir erst morgen, so suchen wir uns einen netten Stellplatz an der Düne Tinfou, etwas außerhalb, da wir auf dem CP keinen sonnigen Platz mehr bekommen konnten. Schon von weitem sehen wir, dass sich sofort ein Berber mit seinen 2 Kamelen zu uns aufmacht. Alles klar, ich hatte ja wirklich vor, mich irgendwann mal auf so ein Wüstenschiff zu setzen. Mohammed lässt auch nicht locker, so sitzen wir 5 Minuten später auf Buch und Mahmod und lassen uns um die Düne schaukeln. Wirklich sehr bequem so ein Kamel !!!





21.01. heute soll es losgehen mit unserer Offroadstrecke und den neuen Travelbuddys ! Erst einmal verzögert sich die Abfahrt, da Markus noch ein Problem mit seinem Wassertank hat. Aber gegen 14.00 Uhr sind dann alle startklar, Rainer übernimmt die Führung. Nach einer Stunde Fahrt allerdings merken wir, dass wir auf der falschen Route sind: Rainer hatte die GPS-Daten eingegeben, allerdings unsere Route SMZ mit der anderen Route SZM verwechselt. Kein Problem, wir fahren ein Stück zurück, nehmen eine Abkürzung durch einen netten kleinen Ort und erreichen schließlich wieder den richtigen Wegepunkt. Es ist mittlerweile schon 18.00 klukka, so suchen wir schnell einen Nachtplatz, stoßen mit einem leckeren Weisswein auf unsere heutige Tour an, erzählen, kochen und essen zusammen.



22.01 es geht in die Dünen – wir sind alle gespannt. Wieder übernimmt Rainer die Vorhut, schon bald sehen wir links von uns kleine Dünenfelder. Kurze Besprechung, dann geht’s los. Rainer fährt mutig mitten rein, dann wagt sich Markus ins Gelände. Wir schauen uns alles erst einmal mit etwas Abstand an !! Es dauert auch nicht lange, da steckt Markus fest – also, alle Mann an die Schaufel und graben. Rainer hängt sein Fahrzeug dran und nach einer guten Stunde sind alle wieder fahrbereit. Keine 5 Minuten später vergräbt sich Henriette im Sand – also das gleiche Workout noch einmal. !! Svo, für heute haben wir genug geschaufelt, wir bilden eine Wagenburg mitten in den Dünen und entspannen in der Sonne. Jeder erzählt von seinen Reiseerlebnissen, es wird nicht langweilig.








23.01. am nächste Morgen sind alle wieder fit und bereit für das nächste Abenteuer (das lässt auch nicht lange auf sich warten :)) Gemeinsam geht’s auf die letzte Etappe unserer Tour. Die Strecke lässt sich sehr schön fahren, keiner versinkt im Sand und wir erreichen das kleine Dörfchen M’Hamid – die letzte Besiedlung vor der Wüste !! Hier ist alles auf den Wüstentourismus eingestellt, überall gibt es Camps, Hotels, Quadverleih, Kamelreiten und natürlich Geschäfte, um sich für dieses Abenteuer auszurüsten. Im Supermarkt gibt es eine erstaunliche Auswahl, so decken wir uns nochmals mit Vorräten ein. Morgen soll es einen Sandsturm geben, daher suchen wir ein geschütztes Plätzchen, um nicht weggeweht zu werden. Rainer fährt wie immer voraus, der angesteuerte Stellplatzbetreiber möchte aber für eine Nacht umgerechnet 30,– € (zwar mit Frühstück, aber das ist für die Gegend hier einfach unverschämt teuer). Also gut, wir drehen um und fahren auf einen anderen CP – so der Plan !! Der nächste Schock: ein Stromkabel hängt zu tief, Rainer fädelt ein – wir hupen und schreien !! Gottseidank stoppt er rechtzeitig, sonst wäre sicher noch der Betonmast umgefallen !! Hans-Peter klettert schnell aufs Dach und kann nach ein paar Schrecksekunden das Kabel befreien. Markus haut es an die Schläfe, aber alle Zähne sind heil geblieben – nochmal alles gut gegangen. Wie gesagt, es gibt jeden Tag ein neues Abenteuer. Mit noch immer hohem Puls steuern wir einen anderen CP an, und finden dort ein tolles Plätzchen. Schnell wird eine Wagenburg gebaut, dann schön in der Sonne sitzen und den Puls langsam auf Normalgeschwindigkeit runterbekommen. Abends sitzen wir noch lange draußen, es ist angenehm warm, kein Wind, nur Sternenbeleuchtung.





24.01. schon früh am Morgen hören wir die Nachbarn werkeln: Rainer und Markus liegen unter ihren Autos und sind am schrauben !! Ich mache mich mit Quappo auf in den Supermarkt, muss noch ein paar Socken kaufen. Später wird weiter gewerkelt – jeder hat noch ein paar Kleinigkeiten zu basteln, Wäsche wird gewaschen, Schränke geputzt …… Gegen Mittag nimmt dann der Wind an Fahrt auf und entwickelt sich schnell zu einem erwachsenen Sandsturm. Jeder verschanzt sich in seinem Häuschen, und schaut sich das Spektakel von der Couch aus an. Hans-Peter hat zwischenzeitlich eine Telefonkonferenz und Aufschaltung mit OMD, um herauszufinden, warum Henriette schon wieder so zögerlich anspringt. Leider gibt es keine eindeutige, schnelle Diagnose, wir müssen weiter beobachten und am Montag wird sich der nette Mitarbeiter nochmals aufschalten. Allt í lagi, wäre ja auch zu einfach gewesen.





