Reiseberichte Norwegen

Am 11.08.2020 konnten wir über die Provinz Vesterbotten in Schweden in der Nähe von Mo Irana nach Norwegen einreisen. Die norwegische Regierung hatte in der vergangenen Woche diese Provinz als grüne Zone während der Corona Krise ausgewiesen. Somit beginnt nun das Abenteuer in Norwegen.

Weiter geht es geradewegs Richtung Norden – nun das dritte Mal über den Polarkreis – bis wir in Bodø an den Fährhafen kommen. Wir haben schon wieder Glück und können auf die nächste Fähre um 16.00 Uhr. Nach 4 Stunden Fahrzeit sind wir auf den Lofoten angekommen ! Ein paar Kilometer fahren wir noch bis an den südlichsten Zipfel der Insel, dort bleiben wir für die erste Nacht. Ein kleiner Rundgang führt uns in das nette Dörfchen, überall sieht man hier die großen Gestelle für das Trocknen der Fische und auf Stelzen gebaute, rote Holzhäuser.

Am nächsten Tag ist leider alles wolkenverhangen und grau, aber immerhin regnet es nicht. Dem hübschen Örtchen Reine statten wir einen kurzen Besuch ab, dann fahren wir die Straße (es gibt hier nur eine Hauptstraße) weiter bis nach Fredvang. Von dort startet eine schöne Wanderung (die haben uns die Parkplatznachbarn empfohlen) auf den Berg hinauf. Von oben hat man eine tolle Aussicht auf den Strand Kvalvika – ein Sandstrand wie in der Karibik. Nach 3 Stunden kommen wir erschöpft aber glücklich zu unserer Henriette zurück.

Auch am nächsten Tag ist es immer noch grau, dazu bläst ein ordentlicher Wind. Wir fahren weiter nach Ramberg an einen schönen Sandstrand. Dort baden wir allerdings nur unsere Füße in dem kristallklaren, hellgrünen und eiskalten Wasser. Die Jungs freuen sich riesig über den feinen Sand unter den Pfoten und toben wie verrückt über den einsamen Strand. Als wir nach einer Stunde an unser Auto zurückkommen, macht uns ein Norweger darauf aufmerksam, dass die Hunde nur an der Leine zu führen sind. Wir nicken ihm freundlich zu und beschließen, dass wir das nicht gehört haben.

Auf der weiteren Strecke kommen wir in das kleine, sehr touristische Örtchen Nusfjord. Hier gibt es einen alten Krämerladen, der immer noch so aussieht wie vor 100 Jahren. Dann entdecken wir eine richtige Bäckerei (das ist wie ein Lottogewinn hier !) und erstehen ganz leckere Zimtschnecken – über den Preis von 4,50 € sehen wir großzügig hinweg. Über das Örtchen Viken (hier gibt es eine Glasbläserei und man kann beim Entstehen einer Vase zuschauen) kommen wir nach Ballstad. Wir gehen hier zum ersten Mal einkaufen in Norwegen und bereuen sofort, unsere Vorräte in Schweden nicht noch besser aufgefüllt zu haben. Eine Dose Bier kostet stattliche 2,80 € – da werden wir wohl besser zum Antialkoholiker 🙂

Es regnet immer noch, meine Laune sinkt allmählich ! Heute fahren wir zuerst nach Stamsund, machen ein paar Fotos und setzen die Fahrt fort. Ich kann es kaum glauben, aber tatsächlich lässt sich ein ganz kleiner Sonnenstrahl blicken. Das hebt die Laune sofort und Henriette fährt souverän das enge Küstensträßchen entlang. Kurz vor unserem Ziel Henningsvær häufen sich die Wohnmobile – der Ort scheint ein Touristenmagnet zu sein. Wir finden trotz des Ansturms einen kostenfreien Stellplatz und sofort kommen auch wieder Nachbarn, um unsere Henriette zu fotografieren. Bei einem Rundgang durch den Ort finden wir richtige Souvenirshops, offene Cafés und Restaurants. Sogar einen großen Fußballplatz hat der kleine Ort – passt genau zwischen die Felsen auf einem kleinen Inselchen.

In der Nacht haben wir Angst, dass wir weggeweht werden, so heftig stürmt es hier. Aber Henriette bleibt standhaft und so fahren wir am nächsten Tag die Kaiser Wilhelm Route am Raftsundet entlang nach Digermulen. Die Strecke ist atemberaubend schön, leider sehen wir die rechts und links aufragenden Berge zum Teil nur hinter einem Nebelschleier. Am Ende des Weges (die Bezeichnung „Straße“ wäre übertrieben :)) finden wir traumhafte Sandstrände.

Da wir unbedingt noch Wale sehen wollen, fahren wir nun an die Nordseite der Vesteralen nach Hovden. Auch hier gibt es wieder tolle Sandstrände, so dass die Hunde voll auf ihre Kosten kommen. Wir finden einen Stellplatz mitten in den Gestellen für die Trockenfische und hoffen, dass über Nacht keine Fische aufgehängt werden. Der ganze Ort riecht ein bisschen streng – und wir können einfach nicht verstehen, dass dieser getrocknete Fisch so eine Delikatesse sein soll. Es ist leider immer noch grau und nebelig, so dass wir keinen Wal zu sehen bekommen.

Da wir immer noch keinen Wal gesehen haben, beschließen wir, eine Walsafari zu buchen. Gesagt, getan – der Trip ist online gebucht. So fahren wir Richtung Andenes, mit Regenschauern, kurzen Sonnenstrahlen und einer frischen Brise. Bei Bleik finden wir einen super Stellplatz direkt am Strand – ganz alleine und weit und breit auch keine Häuser oder Straßen – der beste Platz bisher in Norwegen. Frodo und Quappo machen den Strand unsicher und verjagen alle Möwen und Krähen – so sind wir wirklich ganz alleine hier.

Am nächsten gibt es ein kleines Regenloch und wir beschließen das für eine Wanderung auf den Matind zu nutzen. Der Pfad geht steil bergauf und so kommen wir gehörig ins Schwitzen. Oben angelangt, werden wir mit einer großartigen Aussicht belohnt. Mittlerweile sind wir uns sicher, dass Frodo und Quappo auch verwandtschaftliche Beziehungen zu Gämsen haben müssen – so wie die die Felsen rauf und runter hüpfen ? In der Ferne sehen wir allerdings schon die nächste Regenwolke anziehen, also nix wir runter. Der Abstieg ist noch schwieriger als der Aufstieg, weil alles extrem rutschig und nass ist. Aber wir schaffen es genau vor dem ersten Regentropfen wieder im Auto zu sein – perfekt getimt !!!!

Auf den nächsten Tag freuen wir uns wie verrückt: die Walsafaris stehen an. Ich mache die Tour morgens, Hans-Peter startet um 17.00 Uhr, denn unsere Hunde können natürlich nicht mit auf das Schiff. Wir gehen sogar früher ins Bett, damit ich auch pünktlich um 9.00 Uhr bei der Station bin. Das Frühstück lasse ich vorsorglich ausfallen – man weiss ja nie, wie seetauglich der Magen drauf ist. Nach einer Führung durch das Wal-Museum und viel interessanter Informationen über den Wal, startet endlich die Tour. Wir fahren mit einem kleinen Schiffchen rund 2,5 Stunden aufs offene Meer hinaus und kein Wal in Sicht :(. Nach einer halben Stunde kommt endlich der erlösende Aufschrei des Kapitäns: links von unserem Boot ist tatsächlich ein Pottwal aufgetaucht – überall klicken die Fotoapparate in Dauerschleife. Unser Wal taucht nach 10 Minuten wieder ab, der Kapitän schreit rechtzeitig „Diving“ und so können wir alle die beeindruckende Schwanzflosse fotografieren. Nach 10 Minuten erschallt der nächste Ruf aus dem Mikrophon: noch ein Wal in Sicht ! Wir freuen uns und sind total begeistert. Nachdem auch dieses Exemplar von allen Seiten fotografiert ist, wendet unser Schiffchen und wir schippern glücklich zum Hafen zurück – was für ein Erlebnis !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Der heutige Tag war auch für mich und die Hunde sehr aufregend! Haben wir heute morgen unser Frauchen bei der Walsafaristation abgegeben und waren tatsächlich seit dem 15.06.2020 das erste mal getrennt. Die Hunde waren erstaunt. Ein ausgiebiger Spaziergang hat das dann wieder wett gemacht und so hatten auch wir unseren Spaß bei tollem Wetter. Um 17.00 Uhr war es dann für mich soweit. Ein anderer Anbieter und eine andere Vorgehensweise aber mit dem selben Ziel……. Wale. Nach einem kurzen Vortrag über Wale ging es in die Kleiderkammer. Da wir mit einem offenen Speedboot , wie auf dem ersten Bild zu sehen ist, unterwegs sind, ist ein wasser – und Windlichter Overall sowie eine Rettungsweste Pflicht. Wir fegen mit ca 50 kmH über die Wellen. Nach 45 Minuten kommen wir in das Gebiet, in welchem am Morgen 3 Wale gesichtet wurden. Der Skipper stoppte den Motor und hielt sein Sonar in das Wasser, um Wale aufzuspüren. Es waren Geräusche zu hören und er fuhr diesen dann mit mehrfachen Kurskorrekturen hinter her. Er erklärte uns, dass der Wal auch 1000 Meter unter uns sein könnte und dass es seine Zeit dauert. Und dann kam er tatsächlich. Für mich war das ein langersehnter Traum, einmal einen Wal zu sehen. Und was soll ich sagen…. es war sehr erhebend und ich bin froh, so etwas erleben zu dürfen. Unsere Welt und Natur ist beeindruckend. Ich glaube schon heute, dass dieses Bild unter die Top 10 Bilder unserer Reise kommen wird.

Nach der ganzen Aufregung müssen wir uns ein bisschen entspannen: ich backe das erste mal Brot in unserem Omnia – auf dem Gasherd. Und, was sollen wir sagen: es schmeckt richtig gut ! Meine norwegische Wetter-App (die beste App überhaupt) verheisst nichts Gutes: die nächsten Tage wird es nur regnen. Aber es gibt ein Lichtblick: am Montag soll am Nordkap die Sonne bei 17 Grad scheinen. Daher ändern wir die Reisplanung wieder und beschließen, jetzt mal ein bisschen Strecke zu machen. Nach dem Auffüllen von Gas, Diesel, Wasser und Vorräten ins Sortland, fahren wir rund 350 km Richtung Norden. Wir finden einen absoluten Hundetraum-Stellplatz, ein stillgelegter Campingplatz im Wald. Die Fellnasen spielen Verstecken, Stöckchen suchen und baden im Wasserfall. Dazu gibt es ein schönes Feuerchen und ein Feierabendbier – perfekt !

Auch am nächsten Tag fahren wir rund 400 km entlang an wunderschönen Fjorden, Schneebergen und riesigen Waldgebieten. Unterwegs finden wir den ersten Samen-Souveniershop – das muss ich mir gleich anschauen. Bei meiner Nordkaptour, die ich vor 40 Jahren (!) mit meiner Freundin Renate gemacht habe, haben wir fast ein Drittel unseres Reiseetats für Rentierfelle, Norwegerpullover und sonstige Andenken ausgegeben. Aber der Shop ist sehr kommerziell, ich bin etwas enttäuscht. Auch gut, Geld gespart ! Abends finden wir eine Übernachtungsmöglichkeit neben dem Fußballplatz und in der Nähe eines großen Wasserfalls. In der Nacht schüttet es ununterbrochen und am nächsten Morgen laufen mir beim ersten Schritt aus dem Auto sofort die Schuhe voll mit Wasser – Kneippkuren sollen ja gesund sein !

Juhu – heute geht es ans Nordkap !!! Wir freuen uns auf den letzten Abschnitt und das Wetter sieht auch ganz gut aus – wir haben eine super schöne Fahrt. Henriette meistert alle Steigungen und enge Sträßchen (dank dem guten Fahrer) mit Bravour. Ich versuche mich an meine Fahrt vor über 40 Jahren zu erinnern – da hat sich doch ein bisschen was geändert: die Straße ist wesentlich besser geworden und alle Tunnel haben mittlerweile Beleuchtung. Bei meiner ersten Tour sind wir fast in einem Tunnel gestorben: er war gefühlt endlos, hatte keine Beleuchtung und keinen Straßenbelag – wir hatten echt Angst, da nie wieder herauszukommen !
Unterwegs sehen wir endlich auch viele Rentiere und ganz am Ende auch noch einen Seeadler. Am Kap angekommen, finden wir 500 m vor dem offiziellen Stellplatz einen Platz in der Wildnis – kostenfrei !! Wir laufen noch zur obligatorischen Stahlkugel und machen Fotos. Es ist wirklich wenig los, nur eine Handvoll Wohnmobile stehen auf dem Parkplatz. In die Hallen dürfen wir mit den Hunden nicht rein – kann man nichts machen. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: meine Wetter-App hat mich im Stich gelassen: das Wetter morgen lässt zu wünschen übrig, es soll erst am Dienstag die Sonne scheinen ?

In der Nacht kommen wir uns vor wie auf einem kleinen Fischerboot – es stürmt die ganze Zeit und wir werden kräftig geschaukelt. Morgens stehen Rentiere in Nebelschwaden um unser Auto – die Hunde müssen also noch ein bisschen warten mit dem Pippi machen. Die 2 finden das Wetter eh nicht so prickelnd und bleiben extra lange in ihrer Höhle und stellen sich schlafend. Hans-Peter traut sich etwas später mal raus mit den Jungs, irgendwann drückt die Blase halt doch. Dann verbringen wir den Tag gemütlich mit lesen, schlafen, Kaffee und Tee trinken. Am späten Nachmittag machen wir noch einen kleinen Spaziergang zur Kugel – und bei manchen Böen muss ich wirklich aufpassen, damit ich nicht weggeweht werde. Auch Quappo und Frodo kämpfen mit dem Nordkapsturm und gehen gerne wieder ins Auto zurück. Nach der 2. stürmischen Nacht treten wir die Rückfahrt an. Unterwegs kommt sogar die Sonne raus und wir sind froh, endlich wieder normal laufen zu können. Am Strand wollen wir die Hunde toben lassen – dummerweise stehen da gerade 2 Rentiere und schauen uns dumm an.

Am Abend stehen wir am Fluss, machen es uns mit einem Feuerchen schön warm und ich kuschele mich in meine warme Superdecke ein.

Es ist mal wieder Zeit, unsere Henriette aufzutanken: wir brauchen Wasser, Gas, Diesel und ein paar Vorräte für uns. Also steuern wir die nächst größere Stadt an: Alta ! Hier finden wir alles, was wir brauchen und wir sind wieder autark für die nächsten Tage. Wir haben Lust, mal wieder eine größere Wanderung zu unternehmen und fahren daher auf einen Wanderparkplatz rund 15 km südlich der Stadt. Wir stehen mitten in einem riesigen Waldgebiet und es gibt auch eine Hinweistafel mit Tourenvorschlägen: allerdings sind dies Touren für den Schneescooter – Wanderungen sind hier nicht vorgesehen. Wir laufen daher einfach die kleine Straße weiter und entdecken alle paar Meter im Wald versteckt nette kleine und größere Ferienhäuschen. Unglaublich, wie viele es davon hier gibt. Nach ein paar Kilometer entschließen wir uns umzudrehen, da es scheinbar keinen anderen Weg zurück gibt. Rückzugs ist richtig Verkehr auf dem kleinen Sträßchen und wir wundern uns, woher die ganzen Fahrzeuge plötzlich kommen ?

Im Internet lesen wir, dass es in Alta ein interessantes Freilichtmuseum gibt: so fahren wir am nächsten Tag nochmals zurück in das nette Städtchen (Alta liegt wunderschön am Ende eines Fjordes) und besuchen das Museum. Hier gibt es Felszeichnungen/ritzungen zu entdecken, die zwischen 3.000 – 7.000 Jahre alt sind ! Es macht richtig Spaß, die Rentiere, Fische, Boote und Elche zu entdecken, die die Menschen vor so langer Zeit in den Fels geritzt haben. Nach dieser Zeitreise fahren wir ein Stücken in den Süden Richtung Kautokeino – das ist hier das Stammgebiet der Samen.

Am Abend stehen wir an einem schönen Wasserfall und hoffen darauf, auch einmal ein Nordlicht zu sehen. Und dann tatsächlich: wir können es gar nicht glauben, es erscheint gegen 23.00 Uhr ein grüner Streifen am Himmel ! Wir haben also unsere erste Aurora Borealis gesehen !!!!! Vor lauter Staunen schaffen wir es nicht mehr, diesen Streifen zu photographieren – auf dem Foto ist er nur ganz schwach zu sehen (wie das richtig aussehen soll, zeigt das nächste Foto (geklaut aus dem Internet) ). Wir üben noch !

Am nächsten Morgen starten wir nach Kautokeino und besichtigen dort Juhls Silberschmiede. Das ist eine ganz liebevoll gestaltete Galerie mit einer unglaublichen Architektur und Dekoration. Es gibt wunderschönen Silberschmuck, Keramik, Glas und andere Souvenirs. Allerdings sind die Preise wie überall in Norwegen sehr, sehr hoch und so entscheiden wir uns, nichts zu kaufen. Die Fahrt geht weiter nach Karasjok, kurz vor der Stadt finden wir einen ausgeschilderten „Kulturminnet“ – ein schöner Wanderweg durch herrlichen Kiefernwald mit ein paar Resten von samischem Leben. Die Hunde sind jedenfalls platt und so versuchen wir unser Glück, ob wir weiter über die Grenze nach Finnland kommen.
Hans-Peter ist sicher, dass wir eingelassen werden, ich bin da eher skeptisch ? Aber wir schaffen das und die Reise geht weiter.

Unser Fazit zu Norwegen: landschaftlich ist Norwegen ein absolutes Highlight – und eine Reise dorthin kann man nur jedem empfehlen. Allerdings fanden wir es auf den Lofoten schon sehr touristisch, es gab unheimlich viele Wohnmobile unterwegs und es war schwierig, einen schönen Stellplatz zu finden. Auch hat das Wetter nicht so richtig mitgespielt, es hat fast jeden Tag geregnet. Ein norwegischer Mechaniker aus der MAN- Werkstatt hatte uns ja schon vorgewarnt: er meinte, in Norwegen gibt es 9 Monate Winter und 3 Monate Regen – das Mann hatte recht :).

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